Zwei unter einem Dach

Stadt prüft, ob in einigen Waldheimen Kindertagesstätten untergebracht werden können

Foto: Waldheim Feuerbachtal

Stuttgarter Norden. „Wir haben in Stuttgart einen Schatz!“ Mit diesen schillernden Worten wird der Antrag der CDU-Gemeinderatsfraktion eingeleitet. Der gemeinte Schatz glitzert zwar nicht, für etwa 8500 Kinder ist er aber jedes Jahr aufs Neue Gold Wert.

Gemeint sind die 30 Waldheime, die vom Evangelischen Kirchenkreis, dem Caritasverband und der Arbeiterwohlfahrt (Awo) getragen werden. Im Stuttgarter Norden sind zehn Einrichtungen angesiedelt. Schulkinder zwischen sechs und vierzehn Jahren können dort einige Wochen der Sommerferien verbringen. Wie der Name verrät, sind die Waldheime stets am Waldrand gelegen; entsprechend naturnah ist das Freizeitprogramm.

Außerhalb der Sommerferien stehen die meisten Waldheime jedoch ungenutzt leer. Aus diesem Grund fürchtet die CDU-Gemeinderatsfraktion um den Fortbestand dieses "Schatzes". Durch den lang andauernden Leerstand sei ein wirtschaftlicher Betrieb kaum möglich. "Es droht die Gefahr, dass einzelne der Waldheime ganz aufgeben werden könnten. Wir halten es für angebracht, dass diese Waldheime intensiver ganzjährig genutzt werden", heißt es in dem Antrag. Vorgeschlagen wird, die Räumlichkeiten Seniorengruppen und vor allem Kindertageseinrichtungen zur Verfügung zu stellen.

"Wir stehen dem Vorschlag durchaus offen gegenüber", sagt Wibke Zdunek von der Awo auf Nachfrage. Es sei schließlich auch für die Gebäude besser, wenn diese mehr genutzt würden. Derselben Meinung ist Jörg Schulze-Gronemeyer vom Evangelischen Kirchenkreis. "Wir brauchen auf jeden Fall ein Konzept für eine Ganzjahresnutzung. Ein Träger, der das nicht hat, kann mittelfristig sein Waldheim nicht weiter betreiben", sagt der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Kinder-Stadtranderholung. Schließlich müssten neben dem normalen Betrieb auch Rücklagen für Investitionen geschaffen werden, was ohne Mieteinnahmen undenkbar sei.

Dem Vorschlag, die Waldheime an Kindergärten zu vermieten, steht Schulze-Gronemeyer positiv gegenüber. Denkbar sei zwar auch, wie im Botnanger Ferienwaldheim Johannes, die Räume an eine Gaststätte zu verpachten. "Wir haben aber ein Interesse daran, dass man eine soziale Nutzung findet", sagt er. Zudem böten sowohl die Räumlichkeiten als auch die Außenanlagen ideale Bedingungen für naturorientierte Kindertagesstätten. Ein Manko sei hingegen, dass durch die waldnahe Lage die Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel meist schlecht sei.

Uli Seeger vom Evangelischen Kirchenkreis gibt zusätzlich zu bedenken, dass die Kindergärten im Sommer zwischen vier und sieben Wochen schließen müssten, um den Waldheimen Platz zu machen. "Das ist der einzige Interessenkonflikt, den wir sehen. Da bedarf es konkreter Absprachen im Vorfeld", sagt er. Als funktionierendes Beispiel nennt er das Waldheim Feuerbachtal. Dort werden die Räume das ganze Jahr über vom Maria-Montessori-Kindergarten genutzt. Während der Ferienfreizeiten hat der Kindergarten geschlossen, die Räume werden freigeräumt. "Das passiert nicht ohne Emotionen, schließlich haben Kinder und Erzieher persönliche Dinge dort. Aber da der Mietvertrag von vornherein so gestaltet ist, klappt das recht gut", berichtet Seeger.

Ulrike Brand-Schulz, die die Waldheime des katholischen Caritasverbands vertritt, plädiert dafür, dass alle Seiten die Bereitschaft aufbringen, anderweitige Nutzungsmöglichkeiten aufzutun. "Wir müssen offen und kreativ sein und den Mut haben, neue Wege auszuprobieren", sagt sie. Die Erfahrungen, die vergangenen Sommer gemacht wurden, als zwei Gruppen des Kinderhauses St. Stephan interimsweise für einige Wochen im Waldheim Gallenklinge in Botnang untergebracht wurden, seien positiv gewesen. Dass es Beschwerden einiger Anwohner gab, die sich über den Kinderlärm und zusätzlichen Verkehr in der Sackgasse beklagten, kann sie nicht verstehen. "Es ist zweimal am Tag, einmal morgens und einmal abends, dass die Kinder gebracht und geholt werden. Es ist ja keine Autobahn, die da vorbeifährt. Ich denke, das ist im Rahmen."

Vonseiten der Stadt besteht ein "grundsätzliches Interesse" daran, dass Kindergärten in Waldheimen untergebracht werden, sagt Daniela Hörner vom Jugendamt. Man sei schließlich froh um jeden Raum, der sich biete, um zusätzliche Betreuungsplätze zu schaffen. Als problematisch bezeichnet Hörner planungsrechtliche Fragen, da die Waldheime häufig in Gebieten lägen, die keine ganzjährige Nutzung zuließen - beispielsweise Schutzgebiete. "Das ist aber von Waldheim zu Waldheim unterschiedlich und muss einzeln geprüft werden", sagt sie. Eine Umfrage unter den Trägern hat ergeben, dass 16 der 30 Waldheime dafür in Frage kämen, das restliche Jahr über von Kindertageseinrichtungen genutzt zu werden. In einem zweiten Schritt muss laut Hörner geschaut werden, welche Umbaumaßnahmen nötig wären. Damit unterschieden sich die Waldheime aber nicht von anderen Orten, die ebenfalls nach ihrer Tauglichkeit für Kindergärten überprüft werden müssten. "Wir versuchen, die Waldheime schnellstmöglich zu prüfen, um bei den Haushaltsplanungen im Herbst Finanzmittel beantragen zu können", kündigt Hörner an.

 

Von Leonie Hemminger
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau

23.02.2011 Kategorie(n): Politik