Abrissbagger zerlegen

die einstige Ölmühle

Auf dem Kiefer-Areal wird ein Teil der Gebäude abgerissen, um Platz für einen Garten- und Baumarkt zu schaffen. Foto: Georg Friedel

Feuerbach. Auf dem Kiefer-Gelände gab es einst eine Mühle.Das Gebäude muss neuen Bauplänen weichen.

Der Abrissbagger mit dem stählernen Gebiss scheint großen Appetit zu haben. Er schnappt sich einen riesigen Happen Beton, beißt sich im Gemäuer fest, reißt ganze Stahlträger aus dem Baukörper heraus und frisst sich durch Ziegelsteinwände. Unermüdlich macht sich diese überdimensionale Raupe Nimmersatt an dem alten Gebäude auf dem Kiefer-Gelände zu schaffen.

"Ganz früher war das mal eine Ölmühle. 1863 ging sie in Betrieb. Das Besondere war, dass das Gebäude auf Zuffenhäuser Gemarkung stand, während sich das Wasserrad der Mühle auf Feuerbacher Gebiet befand", weiß der Heimathistoriker Winfried Schweikart. Ein Kanal war damals extra gebaut und vom ganz in der Nähe verlaufenden Feuerbach abgezweigt worden, um das Mühlrad anzutreiben. Der Betreiber hieß Gottlob Bauer. Doch sein Betrieb lief nur knapp zwei Jahrzehnte. Denn 1881 kaufte Georg Kiefer die Mühle samt den Wasserrechten. Damit begann in Feuerbach die Ära Kiefer. "Georg Kiefer ist unser Firmengründer", sagt Lothar Kiefer, der heutige Seniorchef des Traditionsunternehmens. 1877 war das Geburtsjahr der "Stuttgarter Maschinenfabrik G. Kiefer". Anfangs wurden Müllerei-Maschinen nach eigenen Patenten produziert. Die Firma hatte zunächst ihren Sitz an der Stuttgarter Rotebühlstraße und wechselte wenige Jahre später an die Heilbronner Straße. Georg Kiefer, der von 1842 bis 1915 lebte, galt als erfinderischer Kopf. Er entwickelte auf dem neuen Firmengelände so genannte "Mahlgang-Aspirationen". Dabei handelte es sich um Filter zur Entstaubung von Getreidemühlen. Das war sozusagen seine Basiserfindung und das Fundament weiterer unternehmerischer Aktivitäten. "Georg Kiefer hat anfangs noch die Wasserkraft der Mühle genutzt", sagt Schweikart. In der 1977 herausgegebenen Firmenchronik "100 Jahre Luft- und Klimatechnik Kiefer" heißt es: "Georg Kiefer war in den Gründungsjahren Konstrukteur, Meister, Buchhalter und Vertreter in einer Person. Er erkannte, dass seine Exhaustoren und Staubfilter für Entstaubungsanlagen aller Art in Frage kamen. Generell erfuhr die Lufttechnik in dieser Zeit durch die staatlich geförderte Gewerbehygiene einen starken Auftrieb. Um 1890 war das Programm mit Entstaubungs-, Lüftungs-, Luftheizungs- und Trocknungsanlagen weitgehend abgerundet."

Inzwischen ist das Unternehmen 134 Jahre alt. Seit 1974 prägt das Kiefer-Verwaltungsgebäude an der Kreuzung Krailenshaldenstraße/Heilbronner Straße das äußere Erscheinungsbild des Unternehmens. Es bleibe wie bisher auf dem Gelände und sei weiterhin der Sitz des zentralen Arbeitsgebiets der Firma Kiefer: die Gebäudeausrüstung mit Luft- und Klimatechnik, betont Firmenchef Kiefer. Abgerissen werde in den kommenden Wochen auch die Backsteinhalle an der Heilbronner Straße 384. Auf dem Teil des Kiefer-Geländes, auf dem gerade abgerissen wird, soll ein Garten- und Baumarktes angesiedelt werden. Die Praktiker-Gruppe will dort voraussichtlich im kommenden Jahr einen ihrer Heimwerker-Baumärkte eröffnen. Kiefer stelle sein Erbpachtgrundstück zwar der Baumarktkette für deren Vorhaben zur Verfügung, die Fläche bleibe aber weiterhin im Besitz des Feuerbacher Unternehmens. Der Bau werde gemeinsam mit dem späteren Nutzer realisiert, betont Kiefer.

Parallel zu diesen Bauplänen strebt die Stadt an, von der Firma Kiefer eine etwa 2000 Quadratmeter große Fläche des Geländes entlang der Heilbronner Straße zu erwerben. Die Stadt braucht den Streifen, um dort die Heilbronner Straße auf drei Spuren erweitern zu können. Seit mehreren Jahren wird in dieser Sache hart verhandelt. Nun scheinen sich die Stadt und die Firma Kiefer weitgehend geeinigt zu haben. Der Abriss der ehemaligen Ölmühle und Lagerhalle ist voraussichtlich in einigen Wochen erledigt.

Die Tankstelle auf dem Kiefer-Gelände an der Heilbronner Straße solle später vergrößert und erneuert werden, sagt Kiefer. Um den Weg freizumachen für die dritte Spur der Heilbronner Straße stadtauswärts, muss aber auch das abrissreife Wohngebäude in Richtung Auffahrtsrampe Friedrichswahl beseitigt werden. Jürgen Mutz vom Tiefbauamt sagte neulich im Bezirksbeirat, der Abriss solle voraussichtlich im Sommer erfolgen. Mit dem letzten Ausbau-Abschnitt der B 10/27 könnte also - wenn alles glatt geht - noch in diesem Jahr begonnen werden.



Von Georg Friedel
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau