Beim „Zufallsspiel“

sollen alle Teilnehmer zu Gewinnern werden

Du bist anders als ich: Beim Theaterstück „Zufallsspiel“ treffen zwei Cliquen aufeinander, die „Einheimischen“ und die „Ausländer“. Foto: Bernd Zeyer

Jugendliche der Föhrich-Förderschule und des
Leibniz-Gymnasiums führen zusammen ein Theaterstück auf. „Du musst lauter
reden, sonst versteht dich im Publikum niemand“, ruft Kristin Sroka der
13-jährigen Maria zu.

Die Leibniz-Gymnasiastin hat in dem Stück "Zufallsspiel" die Rolle von "Frankie" übernommen, einem Mädchen, das eine Gruppe von ausländerfeindlichen Kindern anführt. In dem Theaterstück des österreichischen Autors Claus Tröger dreht sich alles ums Thema Integration.

Wo ist mein Zuhause? Was bedeutet der Begriff Heimat für mich? Was bestimmt einen Menschen, seine Herkunft oder sein Reisepass? Solche Fragen sind für viele Jugendliche heute aktuell. Dieses Problem wird im "Zufallsspiel" aufgegriffen. Zwei Cliquen, die "Einheimischen" und die "Ausländer", treffen aufeinander. Dabei kommen Themen wie Ausgrenzung, Identität und Gruppenzwang zur Sprache. Gezeigt werden aber auch gemeinsame Wege, das Trennende zu überwinden. Neben Theaterelementen spielen auch Musik und Tanz eine zentrale Rolle.

Seit Oktober vergangenen Jahres proben 21 Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren für das Stück. Die eine Hälfte von ihnen besucht die Föhrich-Förderschule, die andere das Leibniz-Gymnasium. "Wir möchten zwischen diesen beiden völlig verschiedenen Systemen Berührungspunkte schaffen", sagt die Tanzpädagogin Kristin Sroka, die für den Jugendtreff Camp Feuerbach arbeitet und die künstlerische Leitung des Projektes hat. Neben den beiden Schulen und dem Jugendtreff sind auch das Freie Musikzentrum, das Theaterhaus und die Volkshochschule im Boot.

Gab es anfangs noch Berührungsängste zwischen den beiden Schülergruppen, so hat sich mittlerweile alles eingespielt. Viele Jugendliche, egal ob aus der Förderschule oder dem Gymnasium, haben selbst einen Migrationshintergrund. Das ist allerdings auf den ersten und oft auch auf den zweiten Blick nicht ersichtlich. "Die Leute denken, ich bin Deutsche", erzählt Maria, deren Eltern aus Griechenland stammen. Etwas andere Erfahrungen hat Ruby gemacht. Wegen ihrer braunen Hautfarbe ist sie früher in der Schule gehänselt worden. "Ich habe einfach nicht darauf gehört", erzählt sie und lobt das Theaterprojekt: "Dabei lernt man, andere besser zu verstehen."

Besonders wichtig ist es, den Schülern Erfolgserlebnisse zu vermitteln. Die bekommen sie vor allem, wenn das "Zufallsspiel" aufgeführt wird. Zunächst werden die Mädchen und Jungs ihr Können ihren Mitschülern und Eltern am 1. Juni in der Festhalle des Leibniz-Gymnasiums zeigen. Dann folgen zwei öffentliche Auftritte: Am Dienstag, 7. Juni, wird das Stück von 20 Uhr an im Theaterhaus aufgeführt. Am Freitag, 10. Juni, gastiert es von 19 Uhr an im Treffpunkt Rotebühlplatz.

 

Von Bernd Zeyer
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau

16.05.2011 Kategorie(n): Gesellschaft, Kultur, Soziales