Für die dringende Angelegenheit ist eine Lösung in Sicht

Stammheim will es nicht, deshalb wird es in Feuerbachs Zentrum aufgestellt: ein öffentliches WC

Wer bisher im Ortskern von Feuerbach und beim Einkauf auf der Stuttgarter Straße ein dringendes Bedürfnis verspürte, der hatte ein Problem. Keine öffentliche Toilette war weit und breit zu finden, das nächste stille Örtchen befand sich entweder am Feuerbacher Bahnhof im Bereich des Spitzbunkers am unteren Ende der Stuttgarter Straße.

Im anderen pressanten Fall musste der Passant ganz am anderen Ende der langen Einkaufsmeile beim "alten Friedhof" sein Glück versuchen. Die dortige Anlage soll übrigens saniert und behindertengerecht ausgebaut werden, wenn der Park neu gestaltet wird. Nichtsdestotrotz reichen die vorhandenen WCs nicht: "Ich finde, dass ist ein Armutszeugnis für Feuerbach. Wir haben so eine schöne Geschäfts- und Einkaufsstraße, aber keine für jeden zugängliche Toilette im Zentrum Feuerbachs", klagt eine ältere Feuerbacher Bürgerin aus der Grazer Straße.

Doch nun herrscht Erleichterung. Denn Bezirksvorsteherin Andrea Klöber verkündete neulich den Bezirksbeiräten, dass Feuerbach eine der vollautomatischen Bedürfnisanstalten bekommt, die der Stadtmöblierer JC Decaux auch in anderen Stadtbezirken betreibt. Einen geeigneten Standort habe man bereits gefunden. Bei einem Ortstermin mit dem Betreiber und Vertretern verschiedener städtischer Fachämter und des Eigenbetriebes Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) kam man überein, dass der öffentliche Lokus an der Ecke Stuttgarter/Grazer Straße richtig platziert sei. "Dort ist der Anschluss an Wasser und Strom völlig unkompliziert", sagt Klöber.

Zudem störe die in eine Plakatsäule integrierte Toilette an dieser Stelle niemanden, der Abstand zu den dort vorhandenen Einzelhandelsgeschäften sei gewahrt. Dass Feuerbach den Vorzug bekomme, habe man Stammheim zu verdanken, sagt Klöber. Der dortige Bezirksbeirat hatte es abgelehnt, eine derartige WC-Säule auf dem Freihofplatz aufstellen zu lassen. Der zentral gelegene Platz soll umgebaut werden. Die Kommunalpolitiker wollten sich die Entwicklung des Platzes offenhalten. Deshalb stimmten sie gegen diese Lösung. Stattdessen will man dort gemeinsam mit dem Handels- und Gewerbeverein Stammheim versuchen, die Aktion "Nette Toilette" auf die Beine zu stellen. Im benachbarten Kornwestheim läuft die Aktion seit längerem erfolgreich. Wer dort ein dringendes Bedürfnis verspürt, kann Ausschau nach der "netten Toilette" halten. Ein roter Aufkleber mit dem freundlichen Smiley auf den Türen der an dem Aktionsbündnis beteiligten Restaurants, Cafés, Geschäfte oder öffentlichen Einrichtungen signalisiert: Hier kann jeder das WC kostenlos nutzen, auch wenn er kein Kunde ist.

Nachdem Stammheim abgewunken hatte, meldete sich die AWS bei Klöber und bot ihr das heimatlos gewordene stille Örtchen an. Die Chefin des örtlichen Bezirksamtes ließ sich nicht zweimal bitten und war hocherfreut über das Angebot. Auch der Bezirksbeirat stimmte der Aufstellung zu. In der Vergangenheit hatte das Gremium bei passender Gelegenheit immer wieder darauf gedrängt, im Stadtbezirk ein weiteres öffentliches WC zu installieren.

"Das Baugesuch wird derzeit erstellt und eingereicht. Die Inbetriebnahme der öffentlichen Toilettenanlage wird voraussichtlich Ende des Jahres erfolgen", sagt AWS-Sprecherin Annette Hasselwander. Insgesamt gibt es in Stuttgart 26 der grauen Toilettenhäuschen der Firma JC Decaux. Der Passant steckt 30 Cent in einen Schlitz am öffentlichen WC und dann öffnet sich vollautomatisch eine graue Tür. Nach der Benutzung wird das Sitzbecken vollautomatisch gereinigt und desinfiziert.

 

Von Georg Friedel
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau
26.05.2011 Kategorie(n): Gesellschaft, Politik