Das Kelterfest

wird zum Wasserfest

Die gut gefüllte Kelter-Halle. Fotos: Bernd Zeyer

Drei Tage ist in und um die Kelter gefeiert worden. Wegen der großen Hitze war vor allem Sprudel gefragt. „Aus dem Kelterfest ist in diesem Jahr ein Wasserfest geworden“, bilanzierte Helmut Wirth, Vorsitzender des Feuerbacher Wein-, Obst- und Gartenbauvereins (WOGV), am Sonntagnachmittag.

Bei der drückenden Hitze hatten zahlreiche Gäste lieber zum Sprudel als zum Rebensaft gegriffen. Dennoch zeigte sich Wirth mit dem Verlauf der Traditionsveranstaltung, die dieses Jahr zum 38. Mal über die Bühne ging, "nicht unzufrieden".

Einen durchaus zufriedenen Eindruck hat am Eröffnungsabend auch Michael Föll gemacht - wenn er zunächst auch Opfer eines kleinen Scherzes wurde. Der Erste Bürgermeister der Stadt Stuttgart war von Wirth augenzwinkernd als "Michael Foll" begrüßt worden. Voller Lob über seine Gastgeber war der Stadtkämmerer trotzdem. In Feuerbach, so beschied er, herrschten geradezu paradiesische Zustände, da man Wein anbaue und eine eigene Kelter habe. Sogar ein Gedicht hatte Föll mitgebracht: "Wer Nüsse schält und sie nicht isst, bei schönen Frauen sitzt und sie nicht küsst, beim Weine weilt und nicht schenkt ein, der kann kein echter Feuerbacher sein." Föll, Wirth, seine Vorstandskollegin Ingrid Hörenberg sowie Bezirksvorsteherin Andrea Klöber setzten das Gesprochene sogleich in die Tat um und stießen auf ein gutes Gelingen an. Zuvor hatte Klöber noch kurz die zahlreichen Vorteile des Rebensaftes erläutert und erinnerte an den "Dreiklang von Wein, Weib und Gesang."

"Grondecht ond bodaschtändig", so lautete das diesjährige Kelterfest-Motto. Dahinter, das erklärte Wirth in seiner Eröffnungsrede, stecken gleich mehrere Grundgedanken. So hätten die alten Feuerbächer sich und den Wein, den sie erzeugten, als "grondecht" bezeichnet. Ein Wein, der "bodaschtändig" war, weil er so nur auf diesem Boden gedeihen konnte. "Grondecht ond bodaschtändig" sei aber auch die Industrie, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Feuerbach entstanden war. "Sie war Grundlage für den Wohlstand. Außerdem hat sie nichts von den Weinbergen abgezwackt", erzählte Wirth.

V.l.: Bezirksvorsteherin Andrea Klöber, Finanzbürgermeister Michael Föll sowie Ingrid Hörenberg und Helmut Wirth vom gastgebenden WOGV stießen am Freitag zur Eröffnung an.Obwohl an den drei Kelterfesttagen hektoliterweise Wasser ausgeschenkt wurde, kam es doch zu Engpässen beim Wein. Vor allem der Rosé stand hoch im Kurs. Der, so Wirth, sehe zwar leichter aus, habe aber am meisten Alkohol. Trotz der Hitze fanden auch viele warme Mahlzeiten Abnehmer. Besonders gut mundeten den Besuchern die Brathähnchen. Dass Hähnchen, Würste und Getränke überhaupt serviert werden konnten, war einmal mehr den ehrenamtlichen Helfern des WOGV zu verdanken. Hatte bis wenige Wochen vor dem Fest noch Personalmangel geherrscht, standen nun doch 150 Leute parat. "Wie haben alte Helfer reaktiviert und neue gefunden", sagte Wirth.

Die Helfer werden auch nach dem Fest dringend gebraucht. Da die Weinlese dieses Jahr vegetationsbedingt zwei bis drei Wochen früher als sonst, also Anfang Oktober, ansteht, muss die Kelter recht bald wieder umgebaut und in einen funktionsfähigen Zustand versetzt werden. Eventuell, so Wirth, wird es zur Lese in diesem Jahr einen Tag der offenen Tür geben. Dann können sich die Besucher davon überzeugen, dass die Kelter nicht nur zum Feiern gebraucht wird.

 

Von Bernd Zeyer
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau
24.08.2011 Kategorie(n): Gesellschaft, Kultur