Alte Lasten, neue Ideen und Pläne

Der lange Streit ums Schoch-Areal ist beendet.

Das Schoch-Areal. Foto: Nord-Rundschau

Die Stadt als Eigentümerin will die Fläche zügig entwickeln. „O, Friede, was bist du so ein edler Schatz, und hast bei den Menschen so wenig Platz.“ Der Satz steht in verschnörkelten Buchstaben an der Wand der einstigen Schoch-Kantine.

Er mag wohl den Beschäftigten des einst branchenführenden Metallveredelungswerks mit der Marke "Eloxal" als Memento und Mahnung gedient haben, niemals die Schrecken der Kriege zu vergessen. Außerdem befinden sich in dem früheren Essensraum zwei Landschaftsbilder des Malers Hans Bechstein. Beide Gemälde zeigen Feuerbach als heile Welt und vorindustrielle Idylle.

Ein ziemlich krasses Kontrastprogramm zu dem schöngeistigen Spruch und den malerischen Feuerbacher Ansichten in der früheren Schoch-Kantine ist das, was da derzeit aus dem Untergrund des Industrie-Geländes beim Feuerbacher Bahnhof zu Tage gefördert wird. "So sieht das Grundwasser aus, das wir derzeit hochpumpen", sagt ein Mitarbeiter der Firma "Eneotech" und zeigt auf den gelbfarbenen Inhalt einer Plastikflasche. Daneben ist eine Flasche mit klarer Flüssigkeit zu sehen: "So sieht das Grundwasser aus, nachdem es durch unsere Reinigungsanlage gelaufen ist."

Seit einigen Wochen sind die Brunnen zur Grundwassersanierung auf dem Schoch-Areal in Betrieb. Auf einem Monitor in dem Baucontainer sind die aktuellen Werte stets ablesbar. Das hochgepumpte Grundwasser ist, je nachdem aus welchem Brunnen es kommt, sehr stark mit Chromat belastet. Der Schaden erstrecke sich über verschiedene Stockwerke des Grundwassers, sagt Hermann Kirchholtes vom Amt für Umweltschutz. Auch in 25 Meter Tiefe seien noch "0,61 Milligramm pro Liter im Grundwasser enthalten", stand bereits in einem nicht öffentlichen Gemeinderatspapier zur Altlasten-Situation auf dem Industriegelände. Dort ist auch zu lesen, dass bereits im Jahr 1975 bei Grundwasserproben aus dem Brunnen im Bereich des Zivilschutzbunkers beim Feuerbacher Bahnhof ein Chromatgehalt von 59 Milligramm pro Liter festgestellt worden sei. Mitte der 1980er Jahre wurden in den Grundwassermessstellen auf dem 12 000 Quadratmeter großen Betriebsgelände an der Kremser Straße auch erhebliche Verunreinigungen durch chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW) festgestellt.

"Die Altlasten auf dem Schoch-Areal sind im wahrsten Sinne des Wortes sehr alt", sagte Kirchholtes vom Amt für Umweltschutz neulich im Bezirksbeirat. Der zähe juristische Kampf der unteren Wasserbehörde in Stuttgart gegen die Ausbreitung der gelben Brühe im Untergrund des Schoch-Areals zog sich über Jahrzehnte hin. Viel erreicht wurde bisher nicht. Auch der Boden auf dem Gelände ist massiv verunreinigt. Ein Sanierungsplan für das Gelände werde in Auftrag gegeben, man werde aber wohl kaum um eine umfassende Bodensanierung und den Aushub des Erdreichs herumkommen. "Das Problem liegt in dem komplexen Aufbau des Untergrunds", erklärt Kirchholtes. Die Stadt rechnet mit Sanierungskosten in Höhe von 7,2 Millionen Euro. Mitte des kommenden Jahres liegen vermutlich die Ergebnisse vor, dann könne man genauere Aussage machen, meint Kirchholtes. Gleichzeitig werden im kommenden Jahr die Weichen dafür gestellt, das Gelände neu zu bebauen. Auf dem Areal sollen verschiedene Nutzungen wie Wohnen und Gewerbe ermöglicht werden.

Die benachbarte Lackfirma Klumpp will wachsen und plant eine Erweiterung im nördlichen Teil des Schoch-Areals. Die Stadt lässt ein schalltechnisches Gutachten erstellen. Ein möglicher Erhalt einzelner Schoch-Bauten soll im Lauf der weiteren Entwicklung in einem gesonderten Gutachten geprüft werden. Es existieren außerdem zwei Masterpläne zu dem Gebiet, den einen hat Schwarz Architekten, den anderen Lamott und Lamott entwickelt.

Es ist zudem geplant, die Bürger vor Ort an der Weiterentwicklung der Fläche zu beteiligen. Beim "Tag des offenen Schoch-Areals" am 15. Oktober können sich Interessierte zum Auftakt vor Ort über Pläne und Chancen des Standorts informieren. Im ersten Halbjahr 2012 wird zudem ein städtebaulicher Wettbewerb für die Industriebrache ausgeschrieben.

 

Von Georg Friedel
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau
28.09.2011 Kategorie(n): Gesellschaft, Politik, Umwelt