Besorgter Blick

hinter die Fabriktore

Foto: Nord-Rundschau

Feuerbach. Beim Tag der offenen Tür auf dem Schoch-Areal konnten sich Bürger informieren und Vorschläge machen.

Was passiert auf und mit dem Schoch-Areal? Diese Frage treibt in Feuerbach viele Menschen um. Bei einem Tag der offenen Tür konnten am Samstag Bürger einen Blick hinter die Tore des ehemaligen Galvanisierungsbetriebes werfen und Vorschläge für die zukünftige Nutzung des 1,4 Hektar großen Areals machen.

Aus gelb mach farblos - so könnte man die Devise der Firma Eneotech im Bezug auf ihre Arbeit auf dem Schoch-Areal umschreiben. Das Wasser, das vier Brunnen aus dem Gelände pumpen, ist dermaßen mit Chromat verunreinigt, dass es aussieht wie Urin. Nachdem es die Reinigungsprozedur hinter sich gebracht hat, ist von der gelben Farbe nichts mehr zu sehen. "Es hat Trinkwasserqualität", sagt Eneotech-Mitarbeiter Hans-Jürgen Stanger und erläutert: "Das Chromat wird reduziert und ausgefällt, der übrig gebliebene Schlamm entsorgt." Das gereinigte Wasser wird wieder ins Kanalnetz geleitet. Das sind rund 4000 Liter pro Stunde, übrig bleiben acht Kilogramm Chromat pro Tag. "Damit hätte man schon viel früher anfangen sollen", sagt ein Zuhörer und schüttelt den Kopf. Ihm ergeht es wie vielen anderen Besuchern am Tag der offenen Tür. Zwar hat über das Schoch-Areal schon viel in der Zeitung gestanden, und den 70 Meter hohen Schornstein kennt fast jeder. Ein Blick hinter die Fabriktore blieb bislang allerdings nur Vertretern der Stadtverwaltung und Lokalpolitikern vorbehalten.

Das Interesse an den geführten Rundgängen ist am Samstag so groß, dass zusätzliche Termine angesetzt werden müssen. Zwar dürfen die Tauchbäder nur durch Absperrgitter hindurch besichtigt werden, dennoch sind die Besucher beeindruckt. "Schade, dass das Gelände so lange brach gelegen hat", sagt einer und erzählt, dass er seit gut fünf Jahrzehnten in Feuerbach lebt und beklagt, dass er die besten Informationen über das Areal nicht von der Stadt, sondern von ehemaligen Beschäftigten bekommen hat. Dass das Gelände auch wegen starker Schäden eines Bombenangriffs im Jahr 1944 so stark verseucht ist, war ihm bislang unbekannt. Auf Missfallen stößt bei einigen Besuchern, dass die beiden historisch bedeutsamen Gemälde an der Kantinenwand nicht besichtigt werden dürfen. Ein Herr war extra 80 Kilometer gefahren, um einen Blick darauf zu werfen. Matthias Schmid vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung verweist darauf, dass das Obergeschoss aus Sicherheitsgründen geschlossen bleiben muss.

Was mit dem Areal passiert, sollen die Bürger mitentscheiden. Zahlreiche Vorschläge sind gesammelt worden. Sie reichen vom Anlegen einer Grünzone über den Bau von Wohnungen bis hin zur Schaffung von Vereinsräumen. Bis 31. Oktober gibt es Gelegenheit, Vorschläge in schriftlicher Form in einen Kasten im Feuerbacher Rathaus zu werfen. Grundsätzlich, das erklärt Thomas Zügel, Leiter des Liegenschaftsamts, müssen zunächst Altlasten saniert werden, danach können die Brachflächen aufgewertet werden. "Im Moment gibt es keinen Zeitdruck", sagt Baubürgermeister Matthias Hahn. Dem Gemeinderat sei besonders wichtig, dass nicht nur einer, sondern mehrere Investoren gefunden werden. Im ersten Quartal 2012 soll es eine Planungswerkstatt geben, danach stünde dann ein Architektenwettbewerb an.

"Mit dem Verlauf der Veranstaltung sind wir sehr zufrieden", sagt Regine Zinz vom Amt für Liegenschaften und Wohnen. Es sei wichtig, durch die Anregungen der Bürger neue Blickwinkel zu bekommen. Für Investoren sei der Zeitpunkt jetzt noch zu früh. Zunächst müsse planerisch entschieden werden, was künftig auf dem Areal passieren soll.



Von Bernd Zeyer
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau
20.10.2011 Kategorie(n): Politik, Umwelt