Senioren schlagen Brücken

zwischen Jung und Alt

Die Stadtseniorenräte in Feuerbach haben die Zukunft im Blick: Gerd Schulz, Ilse Bächtle, Hans-Joachim Kientzle, Marianne Hafner und Siegfried Zimmerer, v.l. Foto: Georg Friedel

Feuerbach. Der Stadtseniorenrat hat in den vergangenen Jahren einiges bewegt. Neue Projekte sind bereits geplant.

Der demografische Wandel schreitet auch in der Landeshauptstadt voran. Derzeit leben in Stuttgart rund 140 000 Menschen, die älter als 60 Jahre sind. In Feuerbach haben die Delegierten des Stuttgarter Stadtseniorenrats in den vergangenen Jahren einiges auf den Weg gebracht. Die Liste des Erreichten ist lang. Da wäre zum Beispiel das Engagement im Rahmen der Aktion "Seniorenfreundlicher Service" zu nennen. Eine Arbeitsgruppe hatte vor zwei Jahren den Feuerbacher Einzelhandel unter die Lupe genommen. Die Geschäfte wurden nach einem einheitlichen Bewertungsschlüssel begutachtet. Erreichte ein Betrieb bei der Überprüfung die notwendige Punktzahl, bekam er das Zertifikat "Seniorenfreundlicher Service" verliehen. An 30 örtliche Firmen konnte die entsprechende Auszeichnung vergeben werden. Vor einigen Jahren besuchten Schüler der zwölften Klasse des Leibniz-Gymnasiums in Feuerbach regelmäßig ältere und gebrechliche Menschen im Seniorenzentrum "Pfostenwäldle" der Arbeiterwohlfahrt. Sie lasen den Senioren vor, sprachen mit ihnen, hörten ihnen zu und gingen mit ihnen spazieren. Nun soll es eine Neuauflage dieser gelungenen Initiative geben. Die Idee dazu hatte die Stadtseniorenrätin Ilse Bächtle. Sie koordinierte die Aktion. Die Zeit, die die Jugendlichen im Paul-Hofstetter-Haus mit den alten Menschen verbracht hätten, sei meist für beide Seiten ein Gewinn, findet die Stadtseniorenrätin.

Brücken zu schlagen zwischen Alt und Jung ist aber nur ein Ansatzpunkt von vielen. Erfolgreich waren die Delegierten des Stadtseniorenrats auch auf politischem Gebiet. Sie rückten Themen wie Mobilität und barrierefreie Einstiege in öffentlichen Verkehrsmitteln verstärkt ins öffentliche Blickfeld. Als alltäglichen Stresstest empfinden ältere Menschen die Situation am Bahnhof Feuerbach. Wer schlecht zu Fuß ist, hat dort seine liebe Not. Auch Mütter oder Schwiegereltern, die einen Kinderwagen auf Gleis 2 befördern wollen, müssen viele Treppen steigen. Doch dort hören die Probleme nicht auf. Weil die S-Bahn in der Kurve hält, klafft eine Lücke zwischen der Bahnsteigkante und dem Einstiegstritt der S-Bahn.

Der Stadtseniorenrat hat in den vergangenen Jahren immer wieder auf die Barrieren für mobilitätseingeschränkte Menschen hingewiesen. Inzwischen hat die Bahn angekündigt, dass der Bau von zwei Aufzügen in den kommenden Jahren geplant sei. Ein Teil der Kosten könne aus S-21-Mitteln finanziert werden. Auch für eine weitere öffentliche Toilette haben sich die Delegierten eingesetzt. Im ASB-Pflegeheim "Haus am Feuerbach" engagieren sie sich ebenfalls und singen mit den Senioren. Referenten informieren regelmäßig über die Themen Patientenverfügung, Generalvollmacht und Fürsorgevollmacht. Nicht recht vorangekommen sei bisher das Projekt "24-Stundenpflege", bei dem ehemalige Krankenschwestern wieder aktiviert werden sollen, berichtet Stadtseniorenrat Hans-Joachim Kientzle. Erfolgreich sei hingegen die Messe "Älter werden in Feuerbach" gewesen. Dort hatte sich der Stadtseniorenrat vorgestellt.

Für die kommende Periode haben sich Kientzle und seine Mitstreiter wieder einiges vorgenommen. Ein Projekt ist, Sponsoren und Förderer für den Bau eines Bewegungsparkes in Feuerbach zu finden. Ziel sei, verschiedene Spiel-, Sport- und Bewegungsgeräte für ältere Menschen im öffentlichen Raum aufzustellen. Vorbild seien ähnliche generationenübergreifende Angebote in Fellbach-Schmiden, Münster und Gerlingen. Ein geeigneter Standort ist der Park an der oberen Stuttgarter Straße, findet das Gremium. Ein weiteres Vorhaben, das die örtlichen Delegierten unterstützen wollen, ist eine Begegnungsstätte für ältere Menschen im Burgenlandzentrum einzurichten. Dort gibt es Pläne, regelmäßig ein warmes Mittagessen zu einem günstigen Preis anzubieten. Auch in der kommenden Wahlperiode wollen die Vertreter des örtlichen Stadtseniorenrats für die Sorgen und Wünsche der älteren Generation offen sein. "Für neue Anregungen und Ideen aus der Feuerbacher Bevölkerung sind wir jederzeit dankbar", sagt Ilse Bächtle. Ihr Kollege Hans-Joachim Kientzle betont, es sei wichtig, auch einen Zugang zu denjenigen älteren Menschen zu finden, die sich kaum äußern und zu Hause vergraben.



Von Georg Friedel
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau
17.11.2011 Kategorie(n): Gesellschaft, Politik, Soziales