„Aber wenigstens der Hund ist glücklich!“

Ausstellung in der Stadtteilbibliothek Feuerbach zum Gedenken an die zwei „schwäbischen Afrikaner“ Klaus und Angela Paysan

Foto: Stadtteilbibliothek Feuerbach

Werke und Sammelstücke aus dem umfangreichen Lebenswerk der Feuerbacher Künstler Angela und Klaus Paysan sind seit dem 10. Januar in der Stadtteilbibliothek Feuerbach ausgestellt. Am 08. März findet die abschliessende Finissage mit einem kleinen Vortrag und afrikanischer Musik statt.

„Aber wenigstens der Hund ist glücklich!“ Der Spruch stammt aus einem afrikanischen Märchen, zu dem Angela Paysan den Linolschnitt vom Titelblatt gefertigt hat:

Der liebe Gott und der Hund:
Als der Hund erschaffen war, bat er den lieben Gott, daß er bei ihm wohnen bleiben dürfe – auf dem Fußabstreifer vor der Tür des lieben Gottes. Aber Gott entgegnete, dass er keinen Hund brauche, weil er keine bösen Lebewesen geschaffen habe.
- Wann schaffst du weiter?
- Jetzt jedenfalls nicht mehr. Ich habe fünf Tage gearbeitet, ich brauche meine Ruhepause.
-Der Hund seufzte tief. Er fragte den lieben Gott:
- Was soll ich auf Erden denn tun, Herr? -
- Du frißt, du säufst, du vermehrst dich. – Der Hund seufzte noch einmal, aber er schien schon
etwas erleichtert zu sein. - Aber warum kommst du nicht mit mir auf die Erde, Herr?
- Weil ich nicht kann, ich habe hier zu viel Arbeit, die Engel, die Himmel, die Sterne...
-Der Hund senkte den Kopf und machte ein ganz unglückliches Gesicht, aber er bat seinen Meister noch ein drittes Mal:
- Herr, wenn du mir wenigstens auf Erden einen Herrn beschaffen könntest, der so ist wie du...
- Den gibt es nicht. Ich habe getan, was ich konnte, mein Werk ist jetzt vollendet. Übrigens könnte ich wohl auch keine liebere Kreatur schaffen, als du es bist.
-Ach, lieber Herr und Gott! Selbst wenn dir eine solche Kreatur nicht gut gelänge, würde es mir nichts ausmachen. Ich möchte nur jemanden haben, mit dem ich überall hinlaufen kann und an dessen Seite ich mich des Abends schlafen legen darf.

Auf diese Worte hin schmunzelte der liebe Gott: er war über sich selbst erstaunt, das ihm eine so gutmütige Kreatur gelungen war. Und um dem Hund eine Freude zu machen, schuf er noch schnell den Menschen. Aber Mensch jedoch gelang dem lieben Gott nicht so gut, so dass er sich seither immer sagt: Aber wenigstens der Hund ist glücklich!


Klaus PaysanKlaus Paysan
(08.01.1930 – 17.09.2011) Autor und Fotograf
Begeisterte sich, auf mehrjährigen Reisen in den
60er Jahren mit seiner Frau Angela ( + 1992) für
Afrika. Über 100 mal besuchte er als
Naturfotograf und Reiseleiter den Kontinent,
immer mit dem Ziel, die menschlichen Qualitäten
der Afrikaner in ihrer traditionellen Kultur
herauszustellen und platte Vorurteile zu
entkräften.
Es entstanden zahlreiche Kontakte und enge
Freundschaften. Publikationen in Europa und
Afrika sowie intensive Gespräche mit führenden
Persönlichkeiten trugen dazu bei, die
traditionellen Gesellschaften zu erhalten, die ihn
im Laufe der Jahre mit hohen Titeln ehrten.
Zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Angeline
Jabosung Paysan-Mukum leitete er noch bis 2008
mehrere Fotoreisen. In den letzten Jahren
beschäftigte er sich wieder intensiv mit
afrikanischer Kunst und seiner umfangreichen
Sammlung.

Angela PaysanAngela Paysan
(20.11.1936 – 09.01.1992)
Grafikerin und Autorin
Bekannt wurde sie als Illustratorin von
naturkundlichen Werken sowie von
Erzählungen, Kinder- und Schulbüchern.
Unvergessen bleibt der mit Tieren bemalte
Bauzaun der Wilhelma an der Pragstraße. Als
begeisterte Reiterin ließ sich die Illustratorin vom
ungeheuren Reichtum alter Mythen und
Legenden zu Bildzyklen inspirieren, die sie in
Tuschezeichnungen und Hochdrucktechniken
umsetzte z.B.: Mappen zur Odysee und
Götterliedern der älteren Edda sowie dem Buch
“Ich heisse dich Gefährte – Pferde in Mythos
und Legende”.
Ihre ausgedehnten Reisen nach Afrika waren
der Anlass für eine Reihe von Druckgrafiken zu
Märchen aus Kamerun, von denen eines den
Titel dieser Ausstellung lieferte:
“Aber wenigstens der Hund ist glücklich.”

Einladung zur Finissage am Do., 8. März, um 19.30 Uhr. Über die Künstler spricht Moritz Paysan
Afrikanische Musik mit Martin Ngoubamdom, Balafon und Trommel

 

Stadtteilbibliothek Feuerbach
St. Pöltener Str. 29 im Burgenlandzentrum 1. OG
70469 Stuttgart
Tel: 0711-216-5317

23.01.2012 Kategorie(n): Kultur