Burgenlandzentrum: Die „große Mauer“

im Zentrum von Feuerbach

Der Eingangsbereich in das Burgenlandzentrum soll attraktiver gestaltet werden. Foto: Georg Friedel

Feuerbach - Neulich waren mehrere Chinesen zu Gast im Burgenlandzentrum. Die Journalisten aus dem Reich der Mitte informierten sich über die Pflege dementer Menschen im Richard-Bürger-Heim, dessen guter Ruf inzwischen über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist.

Beim Anblick des Burgenlandzentrums (BLZ) mit seinen tristen und fleckigen Fassaden meinte die Delegation allerdings später, die Gebäudefront wirke von der Sankt-Pöltener-Straße aus gesehen „like a big wall“, also wie eine große Mauer. Den Eindruck der ausländischen Medienvertreter kann Eva Trede-Kretzschmar, die Leiterin des Richard-Bürger-Heims und Sprecherin der Initiative Burgenlandzentrum, nur bestätigen. Das Gebäude sehe von außen alles andere als einladend aus, auch der Innenhof könnte attraktiver gestaltet werden: „Der Eingangsbereich ist viel zu dunkel und schlecht einsehbar.“ Die Fassaden müssten dringend gesäubert und gestrichen werden. Auch an anderen Stellen sei deutlich sichtbar, dass das Gebäude saniert werden müsse. Eva Trede-Kretzschmar forderte den Bezirksbeirat auf, die Initiative bei ihrem Bemühen politisch zu unterstützen: „Dabei geht es zunächst einmal gar nicht so sehr um das Geld.“

Gebaut wurde das Burgenlandzentrum Anfang der 1980er Jahre. „Es war ein Pionierprojekt, und es funktioniert ja bis heute gut“, sagte SPD-Bezirksbeirat Robert Thurner. Der Gebäudekomplex nahe der Stuttgarter Straße hat sich zu einem wichtigen Bestandteil des kulturellen und sozialen Lebens im Stadtbezirk entwickelt. Es herrscht eine bunte Vielfalt in dem Gebäude: Pflegeheim, Jugendmusikschule, Seniorenwerkstätten, Stadtteilbücherei, Gemeinderäume, Begegnungsstätte, Seniorenwohnungen, eine Kindertagesstätte und Arztpraxen befinden sich unter einem Dach. Wenn die Evangelische Kirche ab 2017 aus den Räumen rausgehe, sollte dieser Bereich als Ort der Begegnung erhalten werden, forderte Thurner. „Es muss eine Nutzung gefunden werden, die ins Gesamtkonzept passt. Ein Glück wäre, wenn die Stadt diesen Bereich übernehmen würde.“ Der triste Eingang des BLZ könnte nach seiner Ansicht mit wenig Aufwand optisch aufgewertet werden: „Da müsste man mal mit dem Hochdruckreiniger rangehen.“

Es sei wichtig, dass BLZ attraktiver zu gestalten

Seit etwa drei Jahren treffen sich die Leiter der im BLZ ansässigen Einrichtungen und Institutionen regelmäßig. Die Initiative versucht seitdem, das BLZ mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken und hat eine Reihe gemeinsamer Veranstaltungen durchgeführt. Beispielhaft war im Oktober des vergangenen Jahres die Aktionswoche „Konfetti im Kopf“. Es gab Konzerte, Lesungen, Filme, Ausstellungen und Vorträge.

„Ich finde, das BLZ ist ein lebhaftes und generationenübergreifendes Zentrum, andere Stadtbezirke entwickeln neue Konzepte für ähnliche Quartiere, so etwas haben wir hier bereits seit langem“, sagte Bezirksvorsteherin Andrea Klöber. Umso wichtiger sei, das BLZ attraktiver zu gestalten. „Wir brauchen mehr Unterstützung von der Stadt, aber auch von Seiten der Eigentümer“, sagte auch Pfarrer Harald Küstermann. Letzteres zu bekommen, ist nicht leicht bei insgesamt rund 85 Eigentümern. Bezirksbeirat Martin Wöhr (CDU) erinnerte daran, welch zähe Verhandlungen notwendig waren, um den Ausbau der Stadtteilbücherei vor einigen Jahren zu realisieren. Anderthalb Jahre habe man gekämpft. Ohne das schriftliche Plazet jedes einzelnen Besitzers geht im BLZ gar nichts. „Man braucht eine Einstimmigkeit bei bauverändernden Maßnahmen“, sagte Wöhr.

Momentan wird im zweiten Stock des Gebäudes gebaut. Die Evangelische Altenheimat investiert zwei Millionen Euro, um das Richard-Bürger-Heim umzugestalten. „Die Bauarbeiten laufen seit März“, sagt Trede-Kretzschmar. Statt 60 älteren demenzkranken Menschen sollen auf dem Stockwerk in Zukunft nur noch 42 Bewohner in Einzelzimmern untergebracht und gepflegt werden. Die Initiative will nun in der kommenden Bezirksbeiratssitzung in einem Antrag konkrete Vorschläge für Verbesserungen formulieren.



Von Georg Friedel
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau
04.06.2012