Barrieren:

Die Hürden sollen bis 2016 weichen

Die Feuerbacher Bezirksvorsteherin Andrea Klöber und der Vorsitzende des Bürgervereins, Gerhard Zeeb, haben 2009 getestet, wie behindertengerecht der Bahnhof ist. Nun hat die Deutsche Bahn reagiert. Foto: privat

Feuerbach - Wer am Feuerbacher Bahnhof in die S-Bahn einsteigen möchte, sollte am besten gut zu Fuß und kräftig sein. Koffer, Fahrrad oder Kinderwagen müssen nämlich auf den Bahnsteig getragen werden. Einen Aufzug gibt es nicht.

Wer in Richtung Innenstadt unterwegs ist, kann zumindest noch über eine etwas versteckte Rampe außerhalb des Bahngebäudes auf Gleis 1 gelangen. Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator werden diesen Weg aber nicht meistern können. Dieser Meinung sind zumindest der Stadtseniorenrat und Andrea Klöber. Feuerbachs Bezirksvorsteherin hat die Rampe 2009 selbst im Rollstuhl getestet. Ihr Urteil: „Ohne Hilfe war es für mich einfach unmöglich, auf den Bahnsteig zu kommen.“

Am vergangenen Dienstag hat sich nun die SPD-Regionalfraktion im Verband Region Stuttgart am Bahnhof Feuerbach getroffen, um mit Vertretern der Deutschen Bahn AG über die Barrierefreiheit des Gebäudes zu sprechen. „Wir sind der Lösung schon einen Schritt näher gekommen“, sagte Sven Hantel, Leiter Regionalbereich Südwest der DB Station und Service AG. Bis Mitte 2014 sollen zwei Aufzüge dafür sorgen, dass die Fahrgäste barrierefrei auf Gleis 1 und 2 kommen können.

Im August vergangenen Jahres war Sven Hantel in einer Sitzung des Bezirksbeirats zu Gast und konnte berichten, dass die Aufzüge nicht erst 2019, sondern schon Ende 2015 in Betrieb gehen. „Nun sind wir noch früher dran“, sagte Hantel am Dienstag. Doch von einem barrierefreien Bahnhof wolle er nicht sprechen. „Da tue ich mich schwer.“ Denn wer am Feuerbacher Bahnhof auf dem Gleis stehe, habe erst einmal noch weitere Hürden auf dem Weg in die Bahn zu überwinden. Zwanzig Zentimeter beträgt der Höhenunterschied zwischen Bahnsteig und Zug. „Dieses Problem zu beheben, ist schwierig“, sagte Hantel. „Bis vor kurzem hieß es, dass dies nicht gehe. Aber wir haben nachgehakt. Technisch ist es möglich. Doch die Finanzierung ist noch nicht gesichert.“ Land, Stadt, der Verband Region Stuttgart und die Bahn müssten nun in Verhandlungen treten.

Neue Züge

Wie viel diese Maßnahme kosten wird, kann Hantel noch nicht sagen: „Ich möchte nicht spekulieren.“ Wenn die Finanzierungsfrage geklärt sei, könne 2015 oder 2016 der Höhenunterschied beseitigt sein. „Was bleibt ist aber der Abstand vom Zug zum Bahnsteig“, sagte Hantel. Daran könne er aufgrund der Kurvenlage des Bahnhofs nichts ändern. Allerdings gebe es in naher Zukunft Züge, die den Spalt durch eine ausfahrbare Trittplatte überbrücken könnten. Das bestätigt Bahnsprecher Martin Schmolke auf Nachfrage: „Ab Juli 2013 werden diese neuen Züge auf den S-Bahnlinien 4, 5 und 6 fahren.“ Somit profitieren auch die Fahrgäste am Feuerbacher Bahnhof von der neuen Baureihe.

Bis es aber soweit ist, sollen sogenannte ÖPNV-Begleiter vor Ort zur Seite stehen, die beim Tragen des Kinderwagens oder der Koffer behilflich sein können. Theoretisch endet das Projekt im März 2013. „Wir hoffen aber, dass wir das Angebot aufrecht erhalten können, bis die Aufzüge in Betrieb gehen“, sagte Hantel. Allerdings plagen Frank Schröter vom Sozialunternehmen Neue Arbeit seit Anfang des Jahres Personalsorgen. „Wir haben nur zwei Helfer“, sagte der Ansprechpartner für das Projekt ÖPNV-Betreuer. Somit leidet auch das Hilfeangebot beim Aussteigen am Feuerbacher Bahnhof, das eigentlich telefonisch unter 81477133 in Anspruch genommen werden kann. Momentan hört man am anderen Ende der Leitung aber nur die Mailbox.


Von Torsten Ströbele
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau
25.06.2012 Kategorie(n): Politik, Verkehr