Campus Feuerbach:

Gymnasien arbeiten gemeinsam an ihrer Zukunft

Das Leibniz-Gymnasium (rechts) und das Neue Gymnasium wollen künftig noch enger zusammenarbeiten. Foto: Torsten Ströbele


Träumen ist in Feuerbach nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. In den kommenden rund zwölf Monaten werden Schüler, Eltern, Lehrer und Rektoren an den beiden Gymnasien gemeinsam mit einem externen Moderatorenteam erarbeiten, wie der Schulstandort in Zukunft aussehen soll.

„Wir gehen ergebnisoffen an die Sache heran“, sagt der Schulleiter des Leibniz-Gymnasiums, Otto Fischer. Seine Kollegin vom Neuen Gymnasium, Susanne Hess, kann da nur beipflichten. Das heißt, wenn am Ende des Prozesses herauskommen sollte, dass es sinnvoller wäre, beide Gymnasien zu einem zusammenzulegen, dann würde man dies auch akzeptieren. „Klar, beide Schulen haben eine lange Tradition. Das kann man nicht einfach so abtun. Aber wenn das neue Konzept am Ende überzeugend ist, müssen wir an die Schüler und den Bildungsstandort Feuerbach denken“, sagt Fischer. „Auch wenn es schwer fällt, darf der Blick in die Vergangenheit dann nicht wichtiger sein als der in die Zukunft.“

Zudem sei Fakt, dass der momentane Zustand – vor allem am Neuen Gymnasium – nicht länger tragbar sei. „Aktuell wird geprüft, ob die Gebäudesubstanz der Schule überhaupt noch zu retten ist“, sagt Hess. „Da wird demnächst eine Entscheidung fallen müssen, wie es weitergeht.“ Auch ein Abriss von Teilen oder des gesamten Gebäudes sei möglich. Die Leiterin des Schulverwaltungsamtes, Karin Korn, kann dies bestätigen: „Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie untersuchen wir derzeit nicht nur die Entwicklung der Schülerzahlen in Feuerbach, sondern auch den Zustand der Gebäude. Am Neuen Gymnasium müssen wir einfach noch einmal schauen, ob es sich überhaupt wirtschaftlich darstellen lässt, 12,5 Millionen Euro in eine Sanierung im Bestand zu investieren oder es nicht einfach zeitgemäßer wäre, sich am Standort Feuerbach konzeptionell, pädagogisch und inhaltlich ganz neu aufzustellen.“

Auch die Bismarckschule wird untersucht
Eine Option sei, die Idee eines Campus umzusetzen, wie es im Schulentwicklungsplan vorgeschlagen wird. „Der Reiz dieser Lösung liegt ganz klar in den Synergieeffekten“, sagt Susanne Hess. Sie, ihr Kollege Otto Fischer, Eltern und Lehrer hätten sich schon im Vorfeld des anstehenden Prozesses einmal Gedanken gemacht, was die Schule von morgen denn alles bieten sollte. „Wir haben bislang weder einen großen Ruhe- noch einen Bewegungsbereich. Es fehlt an Aufenthaltsräumen, Lernateliers und einer großen gemeinsamen Mensa“, sagt Hess. Zudem habe jeder Lehrer an der Schule bislang einfach zu wenig Platz, um auch in den unterrichtsfreien Stunden zu arbeiten oder seine Bücher und Unterlagen unterbringen zu können, sagt Fischer. „In Unternehmen gibt es an jedem modernen Arbeitsplatz einen Computer. Bei uns teilen sich 50 Lehrer fünf PCs.“ Das soll sich nun ändern. „Die beiden Lehrerkollegien sehen in dem eingeleiteten Prozess die Chance, Grundlegendes ändern, beziehungsweise verbessern zu können“, sagt Hess. „Und sie freuen sich vor allem auch darüber, dass sie gefragt werden und nicht irgendeine Lösung vorgesetzt bekommen.“

Ob die Vorschläge aus den beiden Gymnasien dann später aber auch umgesetzt werden, steht noch nicht fest. Der Kostenfaktor wird eine große Rolle spielen. „Wir müssen deshalb schauen, dass wir frühzeitig die politischen Würdenträger einbinden, die auch Grenzen aufzeigen müssen, wenn es sie geben sollte“, sagt Fischer. Doch auch wenn nicht alle Visionen finanzierbar seien, so sei jede Verbesserung des aktuellen Zustandes dennoch wünschenswert. „Wir stellen jetzt erst einmal zusammen, was wir für unsere pädagogische Arbeit brauchen, und ein Architekt aus dem Moderatorenteam wird sich dann damit beschäftigen, was dafür an Räumen notwendig ist“, sagt Susanne Hess. Dabei sei vieles denkbar. Festplatz, Straßenräume oder Baumstandorte: nichts müsse bleiben, wie es ist; alles könne in die Planungen einbezogen werden.

Auch die Bismarckschule, die nur wenige Meter von den beiden Gymnasien entfernt zu finden ist, spielt eine Rolle. „Wir haben den Standort erst erweitert, aber die Schülerzahlen gehen zurück. Deshalb nehmen wir den Raumbestand unter die Lupe“, sagt Karin Korn. Synergieeffekte sind auch hier gewünscht.

Mit dem Ergebnis aus dem Moderationsprozess, der mit Interviews an den beiden Gymnasien beginnt und mit einigen Workshops endet, ist laut den beiden Rektoren schon im Sommer kommenden Jahres zu rechnen. Danach muss der Gemeinderat entscheiden, wie es am Schulstandort Feuerbach weiter geht.


Von Torsten Ströbele
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau
06.08.2012 Kategorie(n): Bildung, Politik