Von der Hauptschule zum Studium: Vjolca Hasan

2. Teil unserer Reihe „Sprungbrett Bismarckschule“

Vjolca Hasan. Foto: S. Müller-Baji

Für Vjolca Hasan ist die Stippvisite an der Bismarckschule auch eine an einen tiefen Einschnitt in ihrem Leben. Sie ist erst 2007 aus Mazedonien nach Deutschland gekommen: „Ich kam an einem Sonntag an, und am Montag begann ich hier die Schule“, erinnert sie sich.

Damals sprach sie kein Wort Deutsch; und es hatte damals wohl niemand geglaubt, dass sie einmal Abitur machen und ein Studium anstreben würde. „Da nebenan war mein erstes Klassenzimmer“, erinnert sie sich an ihren Förderunterricht.

Heute spricht sie akzentfrei, besucht ein Wirtschaftsgymnasium und möchte nach dem Abitur studieren – am liebsten BWL und Spanisch. Vielleicht aber auch Italienisch: „Spanisch hatte ich in der Schule – vielleicht mache ja mal was Neues.“, sagt sie. Das muss sich doch wirklich toll anfühlen: Die Wahl zu haben, den Beruf nach seinen eigenen Neigungen auswählen können? Doch Vjolca hat so intensiv auf ihren Traum hingearbeitet, dass ihr das Erreichte heute ganz normal vorkommt.

Sie hatte Hilfe dabei, wurde an die Hand genommen, gefördert und betreut. Von ihrer Lehrerin Sandra Irtenkauf, die die Berufswegeplanung in der Bismarckschule betreut. Und von Gertrud Greif, Seniorpartnerin im Projekt STARTklar, das Hauptschüler intensiv auf Bewerbungen und Berufslaufbahn Laufbahn vorbereitet. Seniorpartner sind Menschen, die im Ruhestand Schülern mit Rat und Tat beim Start ins Leben helfen. „Ehrgeizig war sie!“ erinnert sich Gertrud Greif, die sei damals gefördert hat. Weiterführende Bildung sei schon in Mazedonien etwas gewesen, um das die albanische Minderheit kämpfen musste, erinnert sich Vjolca Hasan: „Ich wollte das!“

Mit Hilfe ihrer Seniorpartnerin machte sie in der 8. Klasse ein Praktikum bei Bosch und in der 9. Klasse eines bei einer Tageszeitung. Sie absolvierte auch das zehnte Jahr an der Bismarckschule, und wechselte danach auf ein Wirtschaftsgymnasium. „Es war sehr hart“, sagt sie heute; doch sie biss sich durch. Anderen würde sie empfehlen lieber nach der 9. Klasse zunächst eine Beruffachschule zu besuchen und so den Wechsel ans Gymnasium durch einen Zwischenschritt abzumildern.

Sie möchte anderen Hauptschülern Mut machen: Man müsse zwar hart dafür arbeiten, aber auch von der Hauptschule aus könne man sich seine Berufswünsche erfüllen: „Man muss nicht unbedingt Abitur machen!“, gibt sie zu bedenken. Sie kenne viele, die einem falschen Ehrgeiz heraus auf dem Gymnasium blieben, obwohl sie den Anforderungen nicht gewachsen sind: „Ein schlechtes Abitur nützt auch nichts“, sagt sie. Sie sieht auch nicht alles am Gymnasium positiv: „Da ist man schon sehr allein, jeder macht sein Ding und die Schule ist sehr groß.“ Die Jahre auf der Bismarckschule möchte sie auf keinen Fall missen Mitschüler und Lehrer seien für sie wie eine Familie gewesen, und der Kontakt untereinander hält bis heute. Sie habe auf der Hauptschule sehr viel praktische Erfahrung gemacht, durch die Praktika und mit Hilfe der Seniorpartner: „Das hätten die Gymnasiasten auch nötig!“

Zitat: „Wie gesagt: Man kann alles schaffen!“


Lesen Sie den 1. Teil der Reihe „Sprungbrett Bismarckschule“ hier

V.l.: Sandra Irtenkauf, Gertrud Greif, Domenic Collmer und Vjolca Hasan in der Bismarckschule. Fotos: Susanne Müller-Baji
20.01.2014 Kategorie(n): Ausbildung/Beruf, Gesellschaft, Soziales