Wenige Unterschriften schaffen viel Zukunft

Bildungskooperation zwischen Feuerbacher Schulen mit überregionalem Vorbildcharakter ins Leben gerufen

Unterschreiben quasi am laufenden Band: Die acht Schulleiter der Feuerbacher Schulen bei der Unterzeichnung. Fotos: S. Müller-Baji

Am Dienstag, dem 17. Oktober, unterzeichneten die Schulen im Stadtbezirk eine Kooperationsvereinbarung, die vielen Jugendlichen neue Berufsperspektiven eröffnen soll.

Der Festakt in der Gewerblichen Schule für Farbe und Gestaltung war Bezirksvorsteherin Andrea Klöber so wichtig, dass sie sogar die Bezirksbeiratssitzung um eine halbe Stunde verschob. Auch Jochen Heidenwag, Vorsitzender des örtlichen Gewerbe- und Handelsvereins, nahm an der Feierstunde teil. Denn mit dem Vertrag erhält die Zusammenarbeit der Feuerbacher Schulen in Sachen Berufsvorbereitung einen offiziellen Rahmen. Und wird so zum Projekt mit Vorbild-Charakter, das in Stuttgart seinesgleichen sucht. 

Schulleiter Herwig Rust von der Feuerbacher Realschule erläutert die Kooperation.Ein erklärtes Ziel
Die beiden bald fusionierenden Gymnasien, die Realschule, die Bismarckschule, die Louis-Leitz-Schule, die Kerschensteiner Schule, die Gewerbliche Schule für Holztechnik und die Gewerbliche Schule für Farbe und Gestaltung - acht Einrichtungen verfolgen mit der Vereinbarung ein gemeinsames Ziel, nämlich möglichst vielen Schülern den Einstieg in den Wunschberuf zu erleichtern. Davon haben letztendlich alle was: Die Jugendlichen und ihre Eltern, aber auch die Schulen, die so dem allgemeinen Trend der Akademisierung entgegenwirken. Außerdem die Betriebe und das Handwerk vor Ort, die so geeignete Bewerber finden und die Zahl der Ausbildungsabbrüche reduzieren.  

Ausbildungsberufe neu entdecken
Die Kooperation selbst gibt schon seit einigen Jahren, bei der Berufsorientierung, den Elternabenden und natürlich bei der Ausbildungsmesse im November. Beim so genannten Berufscasting im Februar hat man sich nun außerdem auf ein fixes Zeitfenster verständigt: Jeweils in der Woche vor den Faschingsferien sollen Jugendliche der Klassen 8 bis 11 gemäß ihrer Neigungen Ausbildungsberufe an den beruflichen Schulen kennenlernen. Entsprechende Ansätze gab es schon vorher, nun soll die Aktionswoche verbindlicher und verlässlicher für alle Seiten werden. 

Vorbildcharakter
Entsprechend lag am Dienstag Feierlaune in der Luft, und Sven Brockmeier vom Regierungspräsidium war ebenfalls in die Schule gekommen und betonte die Vorreiterrolle, die Feuerbach in Sachen Berufsvorbereitung einnehme. Er wisse von keinem vergleichbaren Bildungsstandort in der Region, “allerdings sind bereits andere Bezirke aufmerksam geworden und verfolgen das Projekt mit Interesse.” 

Acht Schulleiter, acht Einrichtungen, ein erklärtes Ziel: die Bildungskooperation.Ein lachendes, ein weinendes Auge
Auch die Gymnasien wollen sich künftig stärker als bisher beteiligen. Schulleiter Otto Fischer vom Leibniz-Gymnasium bezeichnete die Kooperation als gute Chance, mehr Praxisnähe in den Unterricht zu bringen. Gerald Mandl von der einst initiierenden Bismarckschule sieht sich in seiner Arbeit bestätigt, betrachtet die Entwicklung aber mit einem lachenden und einem weinenden Auge: “Klar hätten wir gerne mehr Förderung für unsere Schüler alleine gehabt.” Jetzt könne es durchaus vorkommen, dass die Werkrealschüler neben Realschülern und Gymnasiasten bestehen müssten: “Wir werden sehen, was das bedeutet”

Extraaufwand
Außerdem hätte er sich über weitere “Ressourcen” gefreut, “also über Kapazität bei den Lehrern, die den Extraaufwand stemmen müssen, der in den ersten Jahren besonders groß sein wird. Die machen das zusätzlich zu ihrer Arbeit und jetzt bekommen sie noch mehr oben drauf.” Ilaria Schütz, die die Bildungskooperation für die Bismarckschule betreut, ist beispielsweise längst bei der Planung der Ausbildungsmesse, die am 16. November ab 18 Uhr in der Festhalle stattfindet: “Alle Tische sind belegt, der Hallenplan steht.” 

Ausbildungsmesse als Chance
Was würde sie sich für die Messe wünschen? “Dass mehr Eltern zusammen mit ihren Kindern die Ausbildungsmesse besuchen.”. Der Einfluss der Eltern bei der Berufswahl sei nicht zu unterschätzen, gleichzeitig seien viele Berufsbilder entweder nicht bekannt oder sie hätten sich in den letzten Jahren rasant verändert. Für ihre Schüler biete die Messe aber auf jeden Fall eine gute Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen und das Gespräch mit den Firmenvertretern zu suchen. “Daran kann man in einer Bewerbung prima anknüpfen.”

Ausbildungsmesse 2017: Donnerstag, den 16.11., 18.00 bis 20.30 Uhr, Festhalle Feuerbach. Kärntner Straße 48.


Von Susanne Müller-Baji
19.10.2017 Kategorie(n): Bildung, Gesellschaft, Soziales