Vom Bunker und vom Bunkern

Eines der markantesten Gebäude im Norden und bis heute für Überraschungen gut: Ein Besuch im Hochbunker auf der Prag

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Durch eine Schleuse geht es hinein und dann hinauf: Der Aufzug, gebaut nicht für die Schutz suchenden Menschen, sondern für den Munitionstransport zu den Flakgeschützen auf dem Dach, ist seit Kriegsende stillgelegt.

Sieben Stockwerke umfasst der eigentliche Schutzbereich, das Geschoss mit den Fenstern darüber beherbergt heute die Sendeanlage eines Mobilfunkanbieters. “Der Bunker wurde 1941/42 gebaut, feiert also sein 75-jähriges Bestehen”, erzählt der Vereinsvorsitzende Rolf Zielfleisch bei der Führung. 

Ein Gebäude seiner Zeit
Geplant hat den Bunker Paul Bonatz. Was sich heute als nüchterner Betonbau mit einem verblassenden Anstrich darstellt, hätte eigentlich eine Verkleidung aus rotem Sandstein erhalten sollen, inklusive Reichsadler und Hakenkreuz. Soweit kam es nicht mehr. Man muss sich seiner Sache aber schon sehr sicher sein, wenn man einen Hochbunker weithin sichtbar auf eine Anhöhe setzt, oder? Für einen Hochbunker wird weniger Beton als für einen Tiefbunker verbaut, erklärt Zielfleisch. Über die Prag führten schon damals wichtige Straßen und auch das Robert-Bosch-Krankenhaus befand sich in der Nähe. Und mit seinen ein Meter starken Beton-Wänden war der Bau zunächst ja auch nahezu unzerstörbar – bei Kriegsende aber schon nicht mehr.      

Nach dem Krieg
Einige Räume hat der Verein mit den Originalpritschen versehen, “damit man sich ein Bild machen kann”, so Zielfleisch. Zu sehen ist auch die Nachkriegsnutzung als Flüchtlingsunterkunft und zuletzt als Wohnheim für obdachlose Männer. Besonders die Belüftung der fensterlosen Räume sei bei Langzeitnutzung schwierig gewesen – und die Lebensumstände der vielfach kriegsversehrten Bewohner oft katastrophal. “Im Vergleich haben wir einen Raum einer modernen Flüchtlingsunterkunft nachgebaut – Kühlschrank und Flachbildschirm sind da Standard.”

Gut vorbereitet?
Nachdenkenswert ist auch die Ausstellung in den unteren Stockwerken zum Katastrophenschutz. Der Verein hat hier etwa Exponate vom Löschwagen bis zur Pumpe zusammengetragen, Schutzmasken und Bildmaterial von den großen Unwetterschäden und Katastrophen in der Region. Vor einigen Monaten hat die Regierung die Bürger aufgefordert, für den Notfall Vorräte für zehn Tage anzulegen. Zielfleisch zeigt, was es in jedem Haushalt geben sollte – Konserven, Trinkwasser, Radio und Batterien, Kerzen, Streichhölzer. “Was machen Sie, wenn der Strom weg ist und beim Supermarkt nicht mal mehr die Türen aufgehen?”

Zum guten Schluss
So wird der Rundgang zum Denkanstoß, wie viel oder wenig man zum (Über)-Leben braucht – und auf welch tönernen Füßen der Alltag im Grunde steht. Die Erleichterung am Ausgang sei bei fast allen Gästen groß, hat Zielfleisch bemerkt. 


Von Susanne Müller-Baji



Weitere Infos unter www.schutzbauten-stuttgart.de

Siehe auch den feuerbach.de-Beitrag „Erleichtertes Aufatmen inklusive“

24.10.2017 Kategorie(n): Gesellschaft, Kultur, Politik