Erst Kaffee und Kuchen, dann wird geschwoft

Schüler der Bismarckschule luden Bewohner des Richard-Bürger-Heims zu Tanztee-Nachmittag

Fotos: S. Müller-Baji

Zunächst erkennt man die Akteure dieses Donnerstagnachmittags noch an den bordeaux-farbenen Schürzen. Auf ein Zeichen hin schwärmen die acht Werkrealschüler aus, bieten Kuchen an und gießen Kaffee nach.

Ihre Lehrerin Susanne Hall und Martin Haag, der die Jugendlichen im Rahmen des Projekts STARTklar als so genannter Seniorpartner beim Abenteuer Berufsfindung begleitet, sehen es mit Freude: Denn der Tanztee im Gemeindesaal von St. Josef ist tatsächlich ein Kooperationsprojekt zwischen der Bismarckschule und dem Richard-Bürger-Heim und bricht eine Lanze für soziale Berufe. 

Idealerweise mündet das Interesse am Umgang mit alten Menschen in ein Praktikum im Richard-Bürger-Heim und eventuelle sogar in eine entsprechende Ausbildung: Sie wisse von einem ehemaligen Bismarckschüler, der nun im Feuerbacher Heim tätig sei, darüber hinaus könne sie es nicht mit Sicherheit sagen, erklärt Susanne Hall, die das Fach “Gesundheit & Soziales” unterrichtet. Sie ist realistisch: “In diesem Alter kann man die Jugendlichen nur schwer für den Beruf des Pflegers begeistern.” Die Kooperation mache aber auch so Sinn: “Die Freude am Umgang mit alten Menschen zu vermitteln, ist doch auch schon viel. Das macht soziale Kompetenz aus und kann den Schülern nur zugute kommen.”

Die Sympathie ist an diesem Donnerstag jedenfalls gegenseitig. Alte und Junge tun einander sichtlich gut: Für die Senioren sind die Jugendlichen die absoluten Helden, und den Schülern tut die Anerkennung sichtlich gut. Susanne Hall erzählt, sie habe bei diesem Tanztee ihr “absolutes Dreamteam” dabei: Alle acht Werkrealschüler haben im Frühjahr schon einmal einen Tanztee gestaltet und auch für diese Veranstaltung sofort wieder gemeldet. 

Zwei von ihnen sind Nadine Ortlepp (14) und Efi Androniadou (14). “Es ist eine gute Sache. Und sehr schön, wenn  die alten Leute lachen und sich freuen, dass wir da sind”, sagt die eine und die andere ergänzt. “Es macht einfach Spaß”. Könnten Sie sich auch vorstellen, einen entsprechenden Beruf zu ergreifen? “Im medizinischen Bereich vielleicht”, sagt eine junge Helferin, aber nach einem kurzen Zögern. Entschlossener ist die Antwort auf die Frage, ob sie beim nächsten Tanztee wieder mit dabei sein werden: “Wenn man uns einlädt, dann kommen wir gern, auf jeden Fall!”

Und dann werden die Schürzen abgelegt, der Alleinunterhalter tritt an seinen Synthesizer und hat genau die Art von Musik mitgebracht, die die Senioren mögen: “Rosamunde” klingt nun durch den Gemeindesaal von St. Josef und die Schüler schwärmen erneut aus: Jetzt wird geschwoft. Sie müssen nicht lange zum Tanzen auffordern: An den Tischen wird geschunkelt, in den Rollstühlen mitgewippt und wer kann, dreht sich bald fröhlich im Kreis zu zweien, zu dreien, zu vielen. Und natürlich gibt es auch eine Polonäse mit vielen Extrarunden durch den Saal.

Und dann geht eine Wandlung durch die Gäste bei diesem Tanztee: Zwei Damen wollen sogar aus dem Rollstuhl aufstehen, und von vielen gestützt gelingt das auch. Sie halten das nicht lange durch, müssen sich bald wieder setzen und den Tanz im Rollstuhl fortsetzen, aber sie strahlen über das ganze Gesicht. Und der nächste Tanztee? Der soll wohl im Januar oder Februar stattfinden, stellt Martin Haag in Aussicht. Zahlreiche Menschen unterschiedlichen Alters freuen sich bereits darauf.

Von Susanne Müller-Baji
30.10.2017 Kategorie(n): Ausbildung/Beruf, Gesellschaft, Soziales