Liebe, Hass & Lügen im „Battle of the Queens“

Theaterkurs des Leibniz-Gymnasiums präsentierte Neuinterpretation von „Maria Stuart“ nach Schiller

Das Aufeinandertreffen der Königinnen bei Schloss Fotheringhay (blau: Elisabeth, gold: Maria), begleitet von ihrem Gefolge. Foto: Leibniz-Gymnasium

Im Mittelpunkt der Inszenierung des Literatur- und Theaterkurses des Abiturientenjahrgangs des Leibniz-Gymnasiums in Stuttgart-Feuerbach stehen zwei Königinnen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten und doch dasselbe Ziel haben:

Elisabeth I. und Maria Stuart wollen jeweils die rechtmäßige Königin Englands sein. Während Königin Elisabeth (Lisa Kagan), prädestiniert für diese Aufgabe durch ihre völlige Hingabe zum Volkswillen, mit aller Kraft und allerhand Intrigen versucht, sich auf dem englischen Thron zu halten, verbringt die schottische Königin Maria Stuart (Jana Schmidt) ihre Tage im Kerker Englands, gefangen gehalten durch Elisabeth, aus Angst Maria hätte eine höhere Legitimation auf den englischen Thron. Schlussendlich führt das dramatische Geschehen lediglich zum seelischen oder körperlichen Untergang der Protagonistinnen.

Mortimer (l. Lennard Biermann) diskutiert mit Graf Leicester (r. Haris Majstorovic) über Marias Schicksal. Foto: Leibniz-GymnasiumAufgeführt wurde die zeitgenössische Neuinszenierung – ein sogenanntes „Battle of the Queens“, von Schillers allseits bekanntem Drama „Maria Stuart“ kostenlos in der Feuerbacher Festhalle. Die jungen und unerfahrenen Schauspieler hauchten dem bereits mehr als 200 Jahre alten Stück eine interessante, avantgardistische Note ein und schafften es, das Jugendstück, geprägt von ambivalenten Motiven, wie Liebe und Hass, eingebettet in einen Komplex aus Lügen und Intrigen, in seiner Mannigfaltigkeit erfrischend darzustellen.

Aufgepeppt wurde diese jugendliche Atmosphäre nämlich durch zwei effektvolle Choreographien (von Nadja Röhm), die beispielsweise Mortimer (Lennard Biermann) bei der Erleichterung seines Gewissens, vorgetragen in Form eines Raps, begleiteten, während Marias Gewissen und ihre damit verbundenen Schuldgefühle durch Stimmen anonymisierter Schauspieler inszeniert wurden.

Mit tatkräftiger Unterstützung der Technik–AG der Schule gestalteten die Schüler das Stück, von den Kostümen bis zur Kulisse, fast von selbst.

Von der Erstlingsaufführung dieses Theaterkurses am 18. Mai zeigte sich letztlich nicht nur Regisseurin Tatjana Polo begeistert, die auch die funkelnden Kleider der Königinnen entwarf, sondern auch das mit dem Originalwerk z.T. bereits vertraute Publikum, welches sich durch das, mit einigen witzigen Details gespickte Drama, wie „Franzosen“, die mit Baguettes um Elisabeths Herz kämpfen, ein Lachen gelegentlich nicht verkneifen konnte.
22.05.2017 Kategorie(n): Bildung, Gesellschaft, Kultur