Fünf Jahre „Gesundheit im Zelt“

Lebhafte Podiumsdiskussion rund ums Thema „Medizinische Versorgung“ im Hof der Alten Apotheke

V.l.n.r.: Ulrich Karle; Dr. Norbert Metke; Dr. Petra Steinbeck; Susanne Ramp; Karin Svete; Karin Maag; Christian Kratzke. Fotos: Privat

Vor kurzem fand zum fünften Mal die Podiumsdiskussion „Gesundheit im Zelt“, in diesem Jahr zum Thema „Medizinische Versorgung: Funktioniert das Zusammenspiel zwischen Krankenhaus, niedergelassenen Ärzten und Pflegenden?“, statt.

Dr. Petra Steinbeck von der Alten Apotheke in Stuttgart-Feuerbach hat erneut Experten aus dem Gesundheitssystem eingeladen und moderierte die Jubiläumsveranstaltung. Auf dem Podium saßen der für den Stuttgarter Krankenhausbereich zuständige Abteilungsleiter Ulrich Karle, in Vertretung des Krankenhausbürgermeisters Michael Föll, der leider kurzfristig verhindert war; Karin Maag MdB, Mitglied im Gesundheitsausschuss, Deutscher Bundestag; Karin Svete, gerichtlich zugelassene Rentenberaterin im Teilgebiet der Pflegeversicherung und Gründerin von Sans Souci; Christian Kratzke, Geschäftsführer der AOK-Bezirksdirektion Stuttgart-Böblingen sowie Dr. Norbert Metke als Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung BW.

Viele interessierte Bürgerinnen und Bürger waren gekommen, um direkt Fragen an die Fachleute zu stellen. Diesen beidseitigen Austausch schätzen auch die Podiumsteilnehmer, erhalten sie dabei doch Einblicke, wie die verabschiedeten Regelungen in der Praxis umgesetzt werden. Zu Beginn begrüßte Susanne Ramp, als stellvertretende Feuerbacher Bezirksvorsteherin und dankte Petra Steinbeck für die Bereicherung des Stadtteils durch diese Veranstaltungsreihe. Der stellvertretende Vorsitzende des Feuerbacher Gewerbe- und Handelsverein Peter Schmaus nutzte die Gelegenheit anlässlich der 25-jährigen Mitgliedschaft der Alten Apotheke die Ehrenurkunde an Petra Steinbeck zu überreichen. 

Das fünfjährige Jubiläum der Reihe nahm die Apothekerin zum Anlass, mit ihren Gästen eine Gesamtbetrachtung der vier bereits diskutierten Themen vorzunehmen und unter dem Aspekt der übergreifenden Zusammenarbeit zu beleuchten. In der ersten Veranstaltung in 2013 standen Rabattverträge im Fokus. Selbst Jahre nach Einführung dieses wichtigen Steuerungselements zur Kostensenkung der Arzneimittel haben vorwiegend chronisch Erkrankte und ältere Patienten große Probleme mit der Umstellung auf die neue Verpackungsoptik beim Wechsel der Herstellungsfirmen. Die Politik hat dem inzwischen Rechnung getragen und ermöglicht Apotheken, in begründeten Einzelfällen, durch Rezeptaufdruck einer "Compliance-Ziffer" Patienten weiterhin deren vertraute Packung abzugeben. Bei Arzneimitteln, die genau eingestellt werden müssen, wie z.B. Schilddrüsenhormone, wird ein Rabattaustausch nicht mehr eingefordert. Diese Entwicklung ist, laut Petra Steinbeck, vor allem den Apothekenverbänden zu verdanken, die diese Problematik durch Erfahrungsberichte der Apotheken vor Ort öffentlich gemacht hatten. So konnte eine akzeptable Lösung für die Patienten zusammen mit den Krankenkassenverbänden gefunden werden. Auch bei der zweiten Podiumsdiskussion 2014 waren Rabattverträge und Rabattierungen ein großes Thema. Professor Schweim hatte damals schon gewarnt, dass daraus langfristig in Deutschland Engpässe bei bestimmten Medikamenten resultieren werden. „Dies ist nun eingetreten“, so die Apothekerin. Durch Rabattabschlüsse mit nur wenigen Herstellern wurden bspw. Impfstoffe zum Teil kontingentiert, manche waren und sind über Monate nicht lieferbar. Hier hat die Politik sofort reagiert und die Möglichkeit zum Abschluss von Rabattverträgen mit Impfstoffherstellern gestrichen. 

In 2015 wurden blutige, d.h. zu frühe, Entlassungen aus dem Krankenhaus wegen der Einführung von DRGs (Diagnosis Related Groups, d.h., diagnosebezogene Fallgruppen) heiß diskutiert. Dr. Metke berichtete, dass ab 01. Oktober 2017 Krankenhausärzte für die kommenden sieben Tage eines soeben aus dem Krankenhaus entlassenen Patienten Rezepte ausstellen dürfen und ein Entlassgespräch inklusive Brief Pflicht wird. „Diese neue Form des Entlassmanagements haben wir u.a. Karin Maag zu verdanken“, lobte Metke, „die von unserem Austausch hier stets Wichtiges in den Gesundheitsausschuss einbringt.“ Seit dem 01.01.2017 gibt es zudem eine neue Berechnung für die Wirtschaftlichkeit von Praxen, wodurch die Regressandrohung von 20 % auf 2 % gesenkt werden konnte. Hierbei wurde die parenterale Ernährung total aus der Budgetierung herausgenommen. Somit können Ärzte ohne Angst vor Regressen Schwerstkranke mit lebensnotwendigen Maßnahmen versorgen.Im vergangenen Jahr war das Thema von „Gesundheit im Zelt“ die Pflegereform, die Anfang 2017 in Kraft getreten ist. Karin Svete freut sich, dass das neue Bewertungsgesetz der Pflegeversicherung, das Pflegestärkungsgesetz II, seit Jahresanfang gut funktioniert und fünf Milliarden Euro mehr für die Pflegebedürftigen zur Verfügung stehen und so auch die an Demenz Erkrankten nicht mehr leer ausgehen. Probleme macht nach Aussagen von Svete noch  etwas der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK). Das Punktesystem ist zwar gut durchdacht, aber oft erfasst der Gutachter nicht alle Punkte oder bewertet diese nicht richtig. Svete rät dann Widerspruch gegen das Gutachten einzulegen, damit es von einem zweiten Gutachter nochmals überprüft wird.

Peter Schmaus vom Feuerbacher Gewerbe- und Handelsverein überreicht Dr. Petra Steinbeck die Ehrenurkunde.Anhand der von den Gästen vorgetragenen Fällen wurden noch weitere aktuelle Erfolge, aber auch Herausforderungen deutlich: AOK-Geschäftsführer Kratzke wies daraufhin, dass es seit dem 01.04.2017 eine Terminservicestelle der Ärzte in Baden-Württemberg gibt, die sicherstellt, dass jeder Patient innerhalb von vier Wochen einen Arzttermin erhält, selbst bei einem Psychotherapeuten. Ulrich Karle berichtete in dem Zusammenhang über die psychologische Erstberatung in Krebszentren in den Krankenhäusern sowie dem Onkologischen Schwerpunkt in Stuttgart, an die sich Betroffene wenden können. Bereits seit einem Jahr besteht, laut Karin Maag, der Rechtsanspruch auf einen Medikationsplan, der sicherstellen soll, dass die dem Patienten verordneten Medikamente auch zusammenpassen und keine Gegenreaktionen hervorrufen.

Bei einem der geschilderten Fälle waren sich die Experten einig, dass ausländische Ärzte nicht eingesetzt werden dürfen, wenn diese die deutsche Sprache nicht verstehen und aus ideologischen Gründen Frauen nicht behandeln wollen. Eine solche Missachtung des deutschen Grundgesetzes darf nicht toleriert werden. Genau so wenig darf akzeptiert werden, wenn Ärzte die Krankenakte nicht lesen und somit nicht Bescheid wissen wegen welcher Krankheit der Patient eigentlich im Krankenhaus liegt und dies bei jeder Visite von Neuem erfragen.Alle Teilnehmer waren sich einig, dass das deutsche Gesundheitswesen vom Prinzip her eines der besten der Welt ist, aber auch das komplexeste. Norbert Metke berichtete von jährlich 60 Millionen Behandlungsfällen, davon 58 Millionen im niedergelassenen Bereich und 2 Mio. im Krankenhaus. Eine Fehlerquote von anerkannten 3500 Fällen ist bei dieser Größenordnung, wirklich gering. Die Gesamtausgaben für Gesundheit in 2015 betrugen 344 Milliarden Euro, wovon 200 Milliarden Euro auf die gesetzlichen Krankenkassen entfielen. Damit sei eine große Machtfülle bei den gesetzlichen Krankenkassen entstanden, so Steinbeck.

„Die interdisziplinäre Zusammenarbeit zum Wohle des Patienten werde von niemanden in Frage gestellt und ist zweifelsfrei eine sinnvolle Forderung“, resümiert die Feuerbacher Apothekerin: „Es wurde in der laufenden Legislaturperiode schon viel erreicht, aber die Beiträge der Gäste zeigten auch, dass es noch viel zu tun gibt bis alles rund laufen und die Zusammenarbeit optimal umgesetzt und gelebt wird. Dazu wünsche ich den Entscheidungsträgern eine glückliche Hand in der Umsetzung der Anregungen und Mut in der Durchsetzung von sinnvollen Ideen und unseren Gästen eine Portion Gleichmut, Geduld und den Blick über den Tellerrand in andere Länder.“ 

Die Veranstaltung wurde ebenfalls zum fünften Mal vom Harmonika-Orchester Stuttgart-Feuerbach umrahmt und auch das leibliche Wohl kam mit kalten und warmen Getränken und kleinen Snacks vom Behindertenzentrum  Feuerbach, wie gewohnt, nicht zu kurz. 


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24.07.2017 Kategorie(n): Gesundheit, Handel/Gewerbe/Dienstleistung