Der „Transport vor Ort“ wird revolutioniert

GHV Feuerbach stellt E-Bike-Logistiker „Velocarrier“ als neuen Kooperationspartner vor. Änderungen beim Ortsbusangebot

Foto: Fahrer Manuel Kunz bewegt sein Cargo-E-Bike täglich bis zu 80 km – fast ein Tour-de-France-Pensum. Jedoch sind Steroide nicht nötig, denn ein starker elektrischer Akku hilft ihm dabei. Foto: feuerbach.de

Der Feuerbacher Gewerbe- und Handelsverein (GHV) hat das E-Bike-Transportunternehmen Velocarrier für den Warentransport innerhalb des Stadtbezirks als Kooperationspartner gewonnen. Zudem wird das Ortsbus-Angebot erweitert.

Als „kleiner Bruder für Waren“ des Ortsbusses wurde der Cargo-E-Bike-Logistiker Velocarrier in Feuerbach schon einmal bezeichnet – und das trifft es relativ gut. Nicht weniger als eine deutliche Belebung des Einzelhandels durch ein völlig neues und dazu noch durch und durch grünes lokales Transportkonzept strebt der GHV Feuerbach nun zusammen mit diesem Unternehmen aus Tübingen für den Stadtbezirk an und verwirklicht damit ein schon lange Monate geplantes Vorhaben. Dabei sind die Erwartungen des GHV durchaus berechtigt, denn die Logistik per E-Bikes ist deutlich umweltfreundlicher, sparsamer und schneller als motorisierte Logistiker. So ein „Cargo-E-Bike“ ist mit einem starken Akku ausgestattet, der immerhin 5 Stunden hält. Trotzdem muss der Fahrer mit in die Pedalen treten und kommt in Stuttgart, wo Velocarrier bereits für über 200 Kunden arbeitet, täglich auf bis zu 80 km Fahrstrecke.

Die Vision, die der GHV-Vorsitzende Jochen Heidenwag beim Pressetermin am vergangenen Donnerstag vor dem Feuerbacher Rathaus der Öffentlichkeit präsentierte, ist also schnell erläutert: Der Kunde soll im Internet seine Waren von den Geschäften in Feuerbach bestellen und Velocarrier bringt sie ihm nach Hause. Das, was der Ortsbus sozusagen „andersherum“ und mit Menschen macht – also die Personen zu den Geschäften und den Waren nach Feuerbach zu bringen – soll Velocarrier nun für den Warenverkehr in der umgekehrten Richtung übernehmen.

„Unsere Cargo-E-Bikes können problemlos Lasten von bis zu 250 kg transportieren, kommen überall viel besser durch als Autos und zudem tragen wir zu einer Entschärfung der Umweltverschmutzung und der Feinstaubbelastung in Stuttgart bei.“, so Velocarrier-Vertriebsleiter Sebastian Bühler. Das Konzept klingt tatsächlich bestechend und es verwundert fast, dass die Idee sich erst jetzt beginnt, langsam durchzusetzen. Jedenfalls ist Velocarrier aktuell mit ihr kräftig auf dem Vormarsch und kann sich in Stuttgart bereits über bekannte Kunden freuen wie etwa Vincent Klink, der den Dienst der Tübinger für sein Restaurant nutzt oder andere, weltbekannte Namen aus der Grossindustrie, die in Feuerbach, Zuffenhausen oder Untertürkheim ansässig sind. Anfragen aus zahlreichen anderen Städten, bis sogar hin nach Paris, liegen dem Unternehmen auch schon auf dem Tisch. Der Logistiker verspricht, dass wer seine Bestellung bis 16 Uhr macht, die Ware bis um 20 Uhr geliefert bekommt – ein durchaus nicht unrealistisches Unterfangen, wenn man sich vergegenwärtigt, dass so ein Cargo-E-Bike im Strassenverkehr besser durchkommt, Fahrradwege nutzen kann, kaum Unfälle baut und sogar Einbahnstrassen in entgegengesetzter Richtung befahren darf, von denen es ja in Feuerbach nicht gerade wenige hat. Velocarrier ist für die Ausweitung seines Dienstes auf den Stadtbezirk Feuerbach nun auf der Suche nach einem zentralen Zwischenlager vor Ort.
Jochen Heidenwag will die Feuerbacher Einzelhändler – egal, ob im GHV oder nicht – jetzt vermehrt für die Nutzung und Teilnahme an diesem neuen Konzept erwärmen: „Die Feuerbacher Einzelhändler bekommen mit dieser neuen Dienstleistung eine zusätzliche attraktive Möglichkeit an die Hand, neue Kunden zu gewinnen. Dadurch wird insgesamt der lokale Handel gestärkt, der Übermacht der grossen Internethändler entgegengewirkt und die Umwelt deutlich entlastet. Ausserdem werden solche grünen Transportkonzepte hinsichtlich eines spätestens ab 2018 zu erwartenden Fahrverbots bei Feinstaubalarm eine adäquate Problemlösung darstellen. Wir vom GHV und Velocarrier streben zudem danach, die Logistikkraft etwa auch für die 15.000 Angestellten der Firma Bosch einzusetzen und somit dazu beizutragen, diese Arbeitsplätze in Feuerbach zu sichern und noch attraktiver zu machen. 

Ein weiterer Punkt, der bei dem Termin vorgestellt wurde, sind Erweiterungen und Änderungen beim Angebot des Feuerbacher Ortsbusses. Mario Graunke vom zuständigen Betreiber Wöhr Tours, sagte, dass nachd em Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2016 sich auch das Fahrplanangebot des Ortsbusses erweitern werde. Der Bus wird regelmässiger fahren und zudem auch immer Vormittags, er wird Weilimdorf mit Feuerbach verbinden und immer zu den selben Zeiten fahren. Diese Erweiterungen stehen und fallen allerdings mit der Rentabilität und damit, wie der Ortsbus weiter von den Bürgerinnen und Bürgern genutzt und angenommen sowie vom Einzelhandel getragen würde. So ist dem Ortsbus vor Kurzem mit Lidl einer der Premiumpartner abhanden gekommen, was die Haltestelle Lidl, die der Bus bisher angefahren hat, in Frage stellt. Grundsätzlich würde aber alle Routen erhalten bleiben und soll mit der Verbindung nach Weilimdorf zur Gewinnung neuer Nutzer und Kunden sogar noch ausgeweitet werden.

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