Zehntscheuer

Untere Querstraße 10B

Bild 1 von 5: Zehntscheuer vor 1889 (Bild: Archiv Rieker)Bild 2 von 5: Untere Querstraße 10B im Jahre 2011 (Bild: Arendt)Bild 3 von 5: Torbogen der zerstörten Zehntscheuer 1944 (Bild: Archiv Rieker)Bild 4 von 5: Wappenschlussstein 2011 (Bild: Arendt)Bild 5 von 5: Wappenschlussstein als Skizze (Bild: Archiv Rieker)

Die Straße erhielt ihren Namen um das Jahr 1897. Vor 1876 wurde sie noch Zwerchgässle oder auch Zwerchgasse genannt. In diesem Zusammenhang bedeutet „zwerch“ quer, d.h. quer zu den beiden West-Ost-Achsen (Stuttgarter Straße und Oswald-Hesse-Straße).
Stadtpfarrer Richard Kallee vermutet, dass die Zehntscheuer (Bild 1), auch Fruchtkasten genannt, aus der Zeit des Kollegialstifts Sindelfingen (1396-1477) stammt, um die Abgaben aller Art für die Herrschaft aufbewahren zu können. „Der Feuerbacher Grundbesitz war mit Grundabgaben (Zehnten, Fruchtgülten, zelgliche Gülten, Boden- und Teilwein, Hellerzinse und Kü­chengefälle) mehr als irgendeine andere Gemein­de des Bezirks belastet.“
„Nachdem 1481 alle Teile Feuerbachs auf die Landesherren übergegangen waren, trat auch eine Änderung in der Verwaltung des Ortes und seiner Erträgnisse und alle anfallenden Einnahmen und Ausgaben, natürlich auch die bezüglich des Weinbaus wurden nicht mehr durch einen Amtmann der Orts­herren verrechnet. Feuerbach war nun dem Amtsbezirk Stuttgart eingegliedert. Anstelle jener Amtsmänner trat der Kastellerpfleger zu Stuttgart, der die Rechnungsstellung auch für die übrigen Orte des „Amtes Stuttgart“ zu fertigen hatte. Er musste auch um Transport, Einbringung, Aufbewahrung und Lagerung der steuerlich erfassten Naturalleistungen besorgt sein. Zur Hilfe der vielbeschäftigten Ver­waltungs- und Rechnungsbeamten wurde hier wie in den anderen „Amtsflecken“ ein Kasteller-Unterpfleger aufgestellt, welcher die Zehntscheuer für die staatlichen Abgaben weiter nutzte.“
Die Scheuer wurde  im Jahre 1772 umgebaut, sie sei größer und höher gewesen als die anderen Feuerbacher Scheuern. Bemerkenswert war das „schön verzierte Rundborgenportal“ (Bild 2 nach der Zerstörung 1944) mit einem Wappenschlussstein, welchen Kallee nach dem Brand der Zehntscheuer im Jahre 1889 im Bandhof gefunden und nach seinem Einzug im Herbst 1896 im Pfarrhaus eingemauert hat (Bilder 4 und 5). „Der von Kallee im Pfarrhaus eingemauerte Wappenstein war eine zwischen 1616 und 1624, also in der Barockzeit, gefertigte Nachbildung des Torbogenschlusssteins (Zeichen R772) der alten Zehntscheuer, die der damalige Tübinger Universitätspfleger Bernhard Hermann hatte anfertigen lassen. Der Grund mag gewesen sein, dass der ursprüngliche Stein verwittert war, denn er stammte aus dem 15. Jahrhundert, und der Steinmetz konnte die ursprünglichen Gravierungen nicht mehr alle erkennen.  Aus dem Abtsstab wurde deshalb eine Pflanze, und das Doppelkreuz weist auf das Stift Sindelfingen hin, das zuletzt Lehnstift in Feuerbach war.“
Die Scheuer wurde 1850/51 von der Gemeinde gekauft.
Das Mauerwerk der Zehntscheuer wurde nach dem Brand wieder notdürftig aufgebaut, mit einem Dach versehen und in ein Gemeindemagazin umgewandelt. So berichtet die Chronik 1910, dass „die alte Zehntscheuer für die Zwecke der Aufbewahrung des Sanitäts- und Leichenwagens nicht mehr geeignet sei.“ Dieser Wagen landete danach im neu erbauten Waaghaus.
Im Jahre 1944 wurde die ehemalige Zehntscheuer total ausgebombt (Bild 3) und 1949 abgerissen.
Heute steht an dieser Stelle ein Mehrfamilienhaus mit Tiefgarageneinfahrt (Bild 2).


Quellen: Chronik Feuerbach,Feuerbacher Geschichtsblätter Heft 9,  R. Heinz, R. Kallee, G. Kleemann