Bezirksrathaus

Wilhelm-Geiger-Platz 10

Bild 1 von 9: Rathaus der Stadt (Bild: Archiv Rieker)Bild 2 von 9: Rathaus des Stadtbezirks (Bild: Arendt)Bild 3 von 9: OB Wilhelm Geiger (Bild: Archiv Rieker)Bild 4 von 9: Wandgemälde im Sitzungssaal: Wengerter (Bild: Arendt)Bild 5 von 9: Wandgemälde im Sitzungssaal: Steinbrecher (Bild: Arendt)Bild 6 von 9: Aufnahme-Urkunde Württemberg (Bild 4: Willrett)Bild 7 von 9: Aufnahme-Urkunde Feuerbach (Bild 5: Willrett)Bild 8 von 9: Biberbrunnen 2011 (Bild: Arendt)Bild 9 von 9: Objekttafel 2012  (Bild: Arendt)

Die Grundsteinlegung dieses stattlichen Hauses (Bilder 1 und 2) erfolgte im Beisein des Gemeinderates und des bis 1919 noch existenten Bürgerausschusses bei der Feier zur Stadterhebung am 1. September 1907. Der nach so kurzer Bauzeit von 11 Monaten entstandene Komplex auf dem bis 1940 so genannten Karlsplatz konnte am 1. August 1909 eingeweiht werden, als Sitz des bis 1933 amtierenden Schultheißen und ab 1923 Oberbürger­meisters Wilhelm Geiger (Bild 3) sowie als Verwaltungszentrum der Stadt Feuerbach.

Unter der Leitung der Stuttgarter Architekten Ludwig Eisen­lohr und Carl Weigle war eine recht­winklige Zweiflügel­an­lage mit einer repräsentativen halboffenen Treppe in der Architektur-Tradition des späten Historismus mit Elementen der süd­deut­schen Re­naissance, des Neoklassizismus und des Ju­gendstils entstan­den.

Im großen Sitzungssaal des Bezirksrathauses zeigen die als Teile eines Triptychons von Robert von Haug (1857-1922) geschaffenen Wandgemälde die noch in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts dominierenden traditionellen Berufe der Gemeinde Feuerbach, die Wengerter und die Steinbrecher (Bilder 4 und 5). Haug gehörte dem 1898 gegründeten  Stuttgarter Künstlerbund an; dieser Verein bildender Künstler gilt als ältester Künstlerbund Deutschlands.

Neben dem Eingang zu diesem Sitzungssaal hängt eine mit der Jahreszahl 1734 datierte Tafel, auf der die Göttin Justitia abgebildet ist. Über ihr steht in lateinischen Lettern „suum cuique“, also jedem das Seine, vielleicht ein Wahlspruch für den (Bezirksbei-)Rat, der Bevölkerung gegenüber tolerant zu sein.

Vier verschiedene Staatsformen Deutschlands, das Deutsche Reich als Kaiserreich, das  Deutsche Reich in der Weimarer Republik, das Deutsche Reich als nationalsozialistische Diktatur und schließlich die demokratische Bundesrepublik, haben die vom Feuerbacher Rathaus ausgehenden Wirkungen und Kompetenzen in nun bereits über 100 Jahren deutlich verändert. Die im Königreich Württemberg entstandene Stadt verlor im Dritten Reich ihre Selbstständigkeit, das einst städtische Rathaus, welches Feuerbacher Belange selbst entschieden hatte, ist heute nur noch ein Stuttgarter Bezirksrathaus. Anstelle der Feuerbacher Stadträte findet man im großen Sitzungssaal nunmehr die Bezirksbeiräte, welche um die besten Lösungen im Stadtbezirk ringen und dem Stuttgarter Gemeinderat ihre Vorschläge und Meinungen unterbreiten.

Interessant zu sehen ist es auch, wie sich die Handhabung eines Zuzugs nach Württemberg und Feuerbach geändert hat. Während vor 100 Jahren im Königreich die Obrigkeit die Aufnahme eines Bürgers mittels einer Urkunde genehmigen musste (Bilder 6 und 7), so genügt heute eine schlichte Anmeldung im Einwohnermeldeamt.

Seit dem Jahre 1901 stand mit dem Schultheiß und späteren  Ober­bürgermeister Wilhelm Geiger (1869-1940), dem man mit der Umbenennung des Karlplatzes zum Wilhelm-Geiger-Platz ein Denkmal gesetzt hatte, ein Mann an der Spitze der Ver­waltung, der sich um die Entwicklung der Stadt große Ver­dien­ste erwarb. So erreichte er u.a. 1929 die in einvernehmlicher Weise vollzogene Eingemeindung Weilimdorfs, die allerdings 1933 wieder gelöst werden musste. Mit der Zwangseingemeindung der Stadt Feuer­bach nach Stuttgart am 1. Mai 1933 musste Geiger sein Amt niederlegen.

Bis August 1945 führte Bürgermeister Emil Paulus das zur Geschäfts­stelle der Stuttgarter NS-Verwaltung abgewertete Rathaus.

Vor dem Rathaus steht ein von Ludwig Eisenlohr und Carl Weigle in den Jahren 1907-1909 im Jugendstil gestalteter Brunnen, auf dessen Spitze das Wappentier Feuerbachs, der in Bronze gegossenen Biber, thront (Bild 8). Dieser Biberbrunnen besteht aus einem großen runden Sandsteintrog, in dessen Mitte eine sechseckige Säule steht, welche eine schmiedeeiserne Halbkugel trägt.

Seit 1945 ist das zusammen mit dem Biberbrunnen denkmalgeschützte Rathaus Sitz des/der Vorstehers/Vorsteherin des Stadtbezirks Stuttgart-Feuerbach.

Als erstes Gebäude in Feuerbach hat das Bezirksrathaus am 17.Januar 2012  eine mit Kurzinformationen versehene Objekttafel erhalten (Bild 9).

 

Weiterführende Links
www.stuttgart.de/feuerbach