Bismarckschule

Wiener Straße 76

Bild 1 von 5: Bismarckschule 2011 (Bild: Arendt)Bild 2 von 5: Bismarckschule 1910 (Bild: Archiv Rieker)Bild 3 von 5: Bismarckschule 1910 (Bild: Archiv Rieker)Bild 4 von 5: Bismarckschule 1950 (Bild: Archiv Rieker)Bild 5 von 5: Erweiterungsbau der Bismarckschule (Bild: Arendt)

Bis ins Jahr 1938 hieß die Wiener Straße noch Bismarckstraße, welche nach Fürst Otto von Bismarck (1815-1898), dem preußischen Ministerpräsidenten und Reichskanzler des zweiten Deutschen Reiches, benannt war.
 
Ein Bericht über diese Schule kann nicht erfolgen, ohne auf die Schulentwicklung in Feuerbach zurückzuschauen:
Die seit 1477/1482  in Feuerbach bestehende Tübinger Universitätspflege hatte offensichtlich auch bei den Feuerbacher Dorfbewohnern den Wunsch nach schulischer Ausbildung entstehen lassen. So ist es wohl zu erklären, dass im Jahre 1551 anlässlich einer in gewissen Abständen durchgeführten Visitation von Kirchenoberen unter der Leitung eines Superintendenten (zum Zwecke der Bestandsaufnahme und Normenkontrolle) in Feuerbach der Wunsch nach einem eigenen Schulmeister vorgetragen wurde. Gestützt wurde dieses Begehren allerdings erst 1559 durch die von Herzog Christoph herausgegebene „Große Kirchenordnung“, in der er die zur Verantwortung des Pfarrers gehörende Einführung einer „teutschen Schule“ (Volksschule) in allen Städten und Pfarrdörfern befohlen hatte. Ob Feuerbach dieser Anordnung sofort Folge geleistet und Kinder schon unterrichtet hatte, geht aus den Quellen nicht hervor, erst im Jahre 1562 wird darüber berichtet, dass Hans Katz als erster Schulmeister die Kinder im Lesen und Schreiben unterrichtete. Die Lernmittelfrage ließ sich einfach lösen: Das Kirchengesangbuch diente als „Fibel“. Der wohl bekanntere der ersten Schulmeister war der 1581 erwähnte Johann Heinrich Sartor, der Sohn des damaligen Feuerbacher Pfarrers M. Johann Sartor, dessen Amtszeit von 1556 bis 1585 andauerte. Die Gemeinden mussten für die Bezahlung der Schulmeister aufkommen. Im Sommer hatten die Kinder schulfrei, da sie während dieser Zeit ihre Eltern bei der Feldarbeit unterstützen mussten. Erst Mitte des 17. Jahrhunderts kam es zu einer Veränderung: es wurde auch Rechnen gelehrt und auch im Sommer unterrichtet. Dazu gab es anno 1694  eine Verordnung zur Schulpflicht.
Nachdem zunächst einige Zeit in Nebenräumen der Kirche unterrichtet wurde, baute man in der Sartoriusstraße 1 (früher Schulstraße) noch im 16. Jahrhundert („bei der Kirche“) ein Schulhaus, welches jedoch wegen einer Erweiterung erst 1688 in den Quellen erwähnt ist. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das um 1725 erstellte und 1797 erweiterte neuere Schulhaus baufällig und 1808 abgerissen. Das heute an dieser Stelle stehende, 1809 erbaute  Schulhaus ist quasi der Nachfolger des ersten Schulhauses.

Weil die Schülerzahl in Feuerbach mit 720 die Kapazität der beiden Schulhäuser von 1809 und 1841 in der Sartoriusstraße ausgelastet hatte, beantragte das Königlich Evangelische Konsortium am 10.05.1876 beim Amtsoberamt Stuttgart „die Einrichtung weiterer Schullokale“.  So wurde noch im Jahre 1877 mit der Solitudeschule eine weitere Volksschule gebaut.
Es folgten 1895 die „Freiwillige (katholische) Konfessionsschule“ (die spätere Brühlschule) sowie die 1896 in der Nähe des noch offen fließenden Feuerbachs erbaute Bachschule.
Aus der Liste der Feuerbacher Kulturdenkmale ist zu entnehmen, dass es sich bei der Bismarckschule um einen
Zweiflügelbau in Ecklage handelt mit Gliederungen in Formen des Historismus und der deutschen Renaissance. Der Ortsbaumeister Karl Kress hat diesen Bau als damals größte Schule im Königreich Württemberg in den Jahren 1904-1906 errichtet (Bilder 2 und 3). Dieses Backsteingebäude war das fünfte Schulhaus in Feuerbach und kostete damals etwa 355.000 Mark.
Im Jahre 1906 war der Bau allerdings noch nicht vollständig, denn seine beiden Dachgeschosse sind erst später aufgesetzt worden.

Der Gemeinderat Feuerbach hatte 1903 beschlossen, diese Schule als evangelische Volksschule am Rande des Wohngebiets, in den Eychen, einem feuchten Wiesengelände,  bauen zu lassen, um alle damals über 1500 Feuerbacher Schüler aufnehmen zu können.
Nach der Fertigstellung dieser heute denkmalgeschützten Schule gab es sogleich kritische Reaktionen: „„Was ist denn das für eine Fabrik?“ murrten viele, während andere über die recht nostalgisch anmutende Portalverzierung staunten. Der Name der Schule wurde zur Überraschung des Feuerbacher Gemeinderats vom Ortsbauamt eigenmächtig festgelegt.
Nach Beschluss des Gemeinderats mussten die Volksschulklassen der Schule in der Schulstraße und der Bachschule in die Bismarckschule umziehen. Das auf Zuwachs geplante Schulgebäude beherbergte anfangs  auch zwei städtische Ämter, und bis 1913 wurden auch Klassen der Höheren Mädchenschule aufgenommen.

Im Jahre 1909 hatte ein neues Volksschulgesetz des Königreiches Württemberg anstelle der Kirche den Staat in die Schulaufsichtspflicht gebracht
Der Erste Weltkrieg zwang die Schule zu einer Nutzungsänderung: seit 1915  diente sie als Kaserne für  2000 Soldaten, ein Jahr später war die Schule schon ein Lazarett. Die Klassen mussten in der 1912 erbauten Realschule und in anderen Räumen zum Unterricht erscheinen. Erst ab Mai 1919 stand das Gebäude wieder für den Schulbetrieb zur Verfügung.
Während der Kriegsjahre verstarb 1917 der in den Ruhestand getretene erste Rektor der Schule, Oberlehrer und Lokalhistoriker Wilhelm Bliklen.
In den Folgejahren gab es weitere bauliche Schritte: Im Jahre 1920 wurde auf der Plattform der Schule ein Luft- und Sonnenbad aufgebaut, und 1921 folgte die Neueinrichtung der städtischen Badeanstalt im Erdgeschoss der Schule.
Im Jahre 1929 wurde anstelle der bisherigen Gasheizung eine Niederdruckdampfheizung eingebaut.
Auch der Zweite Weltkrieg blieb nicht ohne Einfluss auf den Schulbetrieb (Bild 4). Durch vielfältige Einberufungen entstand Lehrermangel, die Bismarckschule diente einige Zeit als Polizeiunterkunft, sie hat aber als neben der Schule in der Sartoriusstraße einziges Volksschulgebäude den Zweiten Weltkrieg ohne größeren Schaden überstanden.
Nachdem im Frühjahr 1945 zunächst französische Sanitäter im Schulhaus ihren Dienst verrichteten, konnte der Schulunterricht erst im Herbst 1945 wieder aufgenommen werden.
Seit der Umstrukturierung der Schularten gehört seit 1975 die Bismarckschule als Hauptschule mit Werkrealschule zu den weiterführenden Schularten.
Am 10.Dezember 2010  wurde ein moderner Erweiterungsbau eingeweiht (Bild 5)..


Quellen: Felix Burkhardt, Manfred Hampp

Die Bismarckschule ist am Eingang mit einer Informationstafel ausgestattet.