Städtisches Heimatmuseum

Wiener Straße 157

Bild 1 von 7: Ehemaliges Städtisches Heimatmuseum (Bild 2012: Arendt)Bild 2 von 7: Gedenktafel am ehemaligen Heimatmuseum (Bild 2012: Arendt)Bild 3 von 7: Städtisches Heimatmuseum 1925 (Bild: Alfred Bogisch jr.)Bild 4 von 7: Innenansicht Städtisches Heimatmuseum (Bild: Archiv Rieker)Bild 5 von 7: Richard Kallee (1854-1933), Pfarrer und Archäologe (Bild: Museumsbroschüre 1926)Bild 6 von 7: Richard Kallee (1854-1933), Pfarrer und Archäologe (Bild: unbekannter Maler)Bild 7 von 7: 3 Steinkreuze (sie standen seit der Errichtung des alten Friedhofs 1680 in Fortsetzung der Friedhofsmauer an der Stuttgarter Straße)

Als Richard Kallee (Bilder 5 und 6) im Oktober 1923 sein Amt als Stadtpfarrer aufgab und in den Ruhestand ging, blieb er noch neun Monate danach im Pfarrhaus wohnen, was ihm eine Räumungsklage durch das Oberkirchenamte einbrachte. Das Verfahren gegen Kallee kam aber am 8.6.1925 zum Abschluss. Zu diesem Zeitpunkt war Kallee kurz zuvor bereits in die Bismarckstraße 157 (heute Wiener Straße) umgezogen. Die Stadt Feuerbach hatte in den Jahren 1924/25 vorausschauend vom Stadtbaurat Holstein ein Haus (Bild 3) bauen lassen, worin sowohl ein am 4. November 1926 unter der Leitung Kallees eröffnetes Heimatmuseum (Bild 4) als auch Wohnungen eingerichtet wurden. Im Jahre 1926 schrieb Kallee dazu: “Als ich nach meiner Pensionie­rung im Okt.1923 in Gefahr geriet, wohnungs­los zu wer­den, griff OB Geiger ein. Auf seinen Rat und An­trag beschloss der Gemeinderat den Bau eines Heimatmuseums, das meine Sammlungen aufneh­men und mir und meiner Frau eine schöne Heimat werden solle, aus der man uns nicht mehr ver­treibt.“
Neben dem Ehepaar Richard und Mathilde Kallee, welches sich im 1. Stock eingerichtet hatten, wohnte auch der bis zum Kriegsende 1945 aktive Bürgermeister Emil Paulus, der 1928 sein 25-jähriges Dienstjubiläum gefeiert hatte, in diesem Hause.
Das von Kallee eingerichtete Heimatmuseum diente neben anderem in Sonderheit zur Aufnahme der von ihm selbst sichergestellten Fundstücke aus dem alamannischen Gräberfeld und damit vieler Zeugen der Feuerbacher Geschichte.
Der Zweite Weltkrieg hatte auch geringfügige Schäden am Heimatmuseum hinterlassen, welche aber wieder beseitigt wurden, sodass es am 18.März 1950 zur Wiedereröffnung kam. Gerüchten zufolge soll das Museum nach dem Einmarsch der Besatzungstruppen mehrfach geplündert worden sein. Nachgewiesen werden kann aber, dass die Exponate 1970 in Stuttgarter Museen gelangten und das Feuerbacher Heimatmuseum vermutlich aus Kostengründen im selben Jahr geschlossen wurde. Eine Zeitlang wurden wichtige Fundstücke im Foyer des Feuerbacher Bezirksrathauses ausgestellt.
Das ehemalige Städtische Heimatmuseum ist mit einer Gedenktafel ausgestattet (Bild 2) und gehört seit 1933 der Stadt Stuttgart, Vermietungen erfolgen über die SWSG.

Das ehemalige Heimatmuseum (Bild 1) bleibt stets verbunden mit dem Namen Kallee, der blieb bis zu seinem Tode 1933 Leiter des Museums blieb. Seine archäologischen Leistungen standen offensichtlich eher im Focus als die Seelsorge des Stadtpfarrers. Über die mit „Ecken und Kanten“ ausgestattete Persönlichkeit wurde jedoch überwiegend positiv beurteilt. So schrieb der Lokalhistoriker Gotthilf Kleemann: „Kallee gehörte ohne Zweifel zu jenem Kreis markanter Persönlichkeiten, die in dieser Zeit das geistige Gepräge Feuerbachs mitbestimmten.“ Und weiter: “ …die 1903 einsetzende Forschertätigkeit des Pfarrers Richard Kallee…Er wandte sich vor allem der Aufdeckung des alamannischen Gräberfeldes beim Alten Friedhof zu. Er veranlasste 1908 auch die Untersuchung der frühgeschichtlichen Wälle auf dem Lemberg.“
Der Heimatforscher und Heimatmuseumspfleger Peter Goessler meinte in seinem Nachruf: „Kallee war geistig beweglich, vielseitig interessiert, rasch auffassend und fähig, was ihn bewegte, in geschickter Form als Redner und Publizist wiederzugeben.“ 
Im Jahre1938 wurde die frühere Feuerbacher Paulinenstraße zu seinem Gedenken in Kalleestraße umbenannt.

Das Heimatmuseum wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auch in die Liste der Kulturdenkmale aufgenommen, mit dem Hinweis, dass die Fenstergitter expressionistische Formen aufweisen. Am Gebäude ist eine Gedenktafel angebracht.


Quellen: P.Gössler, R.Kallee, G.Kleemann, Liste der Kulturdenkmale, Wikipedia