Hochbunker II

Wiener Platz 5

Bild 1 von 3: Hochbunker (einst) (Bild: Schutzbauten e.V.)Bild 2 von 3: Hochbunker 2011 (Bild: Arendt)Bild 3 von 3: An dieser Stelle war einer der Eingänge zum Luftschutzstollen im Bahndamm (Bild: Forschungsgruppe Untertage e.V.)

Dieser Hochbunker wurde 1939/40 errichtet als Luftschutz­bunker während des Zweiten Weltkrieges durch Firma Wayss und Freytag nach Plänen des Konstrukteurs Leo Winkel.
Dieser denkmalgeschützter Bau besteht aus Eisenbeton, hat eine Höhe von 21 Metern sowie ein Fassungsvermögen von 305 Personen auf 9 oberirdischen Etagen. Die spitze Form soll­te Fliegerbomben ablenken. Dieser letzte von ehemals vier Win­keltürmen in Stuttgart war zugleich der einzige in Deutsch­land, der noch im Kalten Krieg als Schutz­raum diente.
Eine Aus­stellung im Turm informiert über den Luftschutz von 1933-1945.
Als Ergänzung ein Bericht der Forschungsgruppe Untertage e.V. über den Luftschutzstollen im benachbarten Bahndamm:
„Im Spätsommer 1939 begannen die Arbeiten für einen Luftschutzstollen neben dem Bahnhofsgebäude in Feuerbach. Es war das erste Bunkerprojekt an diesem Standort, mit dessen Bau begonnen wurde. Im Bahndamm unter den Gleisen entstand ein 75 Meter langer und 3 Meter breiter Stollen, der vom Bahnhofsgebäude bis zum Bahndurchlass der Borsigstraße reicht. Zugänge soll es neben dem Bahnhofsgebäude und im Bahndurchlass gegeben haben. Der Stollen wurde komplett ausbetoniert. Toiletten und elektrisches Licht wurden eingebaut. Die Anlage wurde als öffentlicher Luftschutzraum vom Reich bezahlt und vom Tiefbauamt der Stadt Stuttgart als lokalem Bauherrn erstellt.
Zum Zeitpunkt des Baubeschlusses für den Winkelturm am 10.Oktober 1939 waren am Wiener Platz die Bauarbeiten für den Luftschutzstollen längst im Gange. In einer nichtöffentlichen Sitzung der Ratsherren der Stadt Stuttgart vom 21. September 1939 berichtete Stadtrat Dr. Schwarz jedoch von erheblichen Schwierigkeiten bei der „Beifuhr der Baustoffe“ „wegen der bekannten Einschränkungen im Kraftwagenverkehr“. Die laufenden Bauprojekte litten unter der Kontingentierung von Kraftstoffen und der Requirierung von Transportkapazitäten für die Wehrmacht. Dr. Schwarz führte daher in seinem Bericht aus: „Es ist vorgesehen, nach Möglichkeit die Straßenbahn einzusetzen.“ So kamen wohl Baustoffe für den Stollen und den benachbarten Winkelturm auch mit Fahrzeugen der Straßenbahn zum Wiener Platz.
Im Frühjahr/Sommer 1940 war der Stollen fertig und konnte genutzt werden. Der Winkelturm war zwar am 05. Mai 1940 im Rohbau fertig, doch erst im Oktober wurde dort die Lüftungsanlage eingebaut. Die Bauarbeiten am Wiener Platz waren damit aber nicht abgeschlossen, sondern steuerten geradewegs auf einen neuen Höhepunkt zu: Den Bau des Tiefbunkers, der im Herbst 1940 beschlossen wurde. Bis zu dessen Fertigstellung 1941 standen den Pendlern am Feuerbacher Bahnhof der Stollen im Bahndamm und der Winkelturm zur Verfügung.
Wurde der Tiefbunker während des Kalten Krieges noch in Zivilschutzbindung genommen, geriet der Stollen am Bahnhof in Vergessenheit. Mit der Neugestaltung des Wiener Platzes 1988-90 verschwanden auch die letzten Spuren des Bauwerks.So waren im Sommer 2014 die Erwartungen durchaus beträchtlich, als im Rahmen der Baumaßnahmen für Stuttgart 21 auch Untersuchungen begannen, die den Verbleib und Erhalt dieses ersten Bunkers am Feuerbacher Bahnhof klären sollten. An Ideen zur musealen Nutzung hatte es nicht gefehlt. Der Standort in unmittelbarer Nähe der beiden bereits existierenden Museumsbunker wäre hoch attraktiv gewesen. Die Untersuchungen ergaben jedoch im Herbst 2014, dass das Bauwerk spätestens im Zuge der Umgestaltung des Wiener Platzes vollständig und dauerhaft verfüllt worden war. Für die Bauleiter des Feuerbacher Stuttgart 21-Bauloses war dies eine gute Nachricht, für die Unterstützer der Idee eines weiteren Museumsbunkers eine Enttäuschung.“

Weitere Informationen: www.schutzbauten-stuttgart.de