Kelter

Rudolf-Gehring-Platz 5

Bild 1 von 2: Kelter (Bild: Archiv Rieker)Bild 2 von 2: Kelter 2011 (Bild: Arendt)

Der Weinbau hat in Feuerbach eine jahrhundertelange Tradition. Laut Bebenhäuser Güterbuch gab es hier bereits 1356 zwei (andere Quellen berichten von drei) Keltern, welche zwei verschiedenen Frauenberger Herren gehörten. Damals nannte man die Weinpressen „Torklari“.
Die Weingärtner waren Pächter, sie mussten ihre Trauben in der Kelter ihrer Grundherren pressen lassen und Abgaben entrichten. Im Jahr 1469 wird von Kelterknechten berichtet, die „von den Amtleuten für jede der vorhandenen Herrenkeltern bestellt“ wurden. Sie hatten zu schwören, das Recht der Vogtherren zu respektieren und ihnen treu zu dienen, aber auch mit dem „gewöhnlichen Lohn“ zufrieden zu sein. Der Bedeutung des Weinbaus entsprechend wurden später Unterscheidungen eingeführt, womit den verschiedenen  Tätigkeiten Rechnung getragen wurde: es gab Keltermeister, Kelterzimmermann und Kelterknecht. Der Keltermeister hatte auf genaue Einhaltung der Kelterordnung zu sehen. Um 1700 wurde diese Ordnung im Fleckenlagerbuch niedergelegt. Ab 1481 waren die Grafen von Württemberg, die den Rest des Frauenberger Besitzes vertraglich übernommen hatten, somit die Rechtsnachfolger der Frauenberger.
Die 1524 erwähnte große herrschaftliche Kelter war ab etwa 1580 die einzige Kelter; alle Wengerter waren in diese Kelter „gebannt“. Sie wurde mehrfach umgebaut und 1789 vom Herzogtum Württemberg ganz neu errichtet. Neben der Mühle, (erbaut vor 1300) war die Kelter der älteste Wirtschaftsbau der Dorfgemeinschaft. Ein amtlicher Bericht aus dem Jahr 1796 weist darauf hin, dass „die Feuerbacher Bevölkerung größtenteils aus bloßen Weingärtnern“ bestehe.
Die mittelalterlichen Weinpressen nannte man „Bäume“ mit einer immensen Größe, weshalb die Kelter noch heute eine auffallende Höhe besitzt.
1834 erwarb die Gemeinde dieses herrschaftliche Keltergebäude, womit auch der Kelterbann, die Abgabepflicht, entfiel.
Im Jahre 1899 beschloss der Gemeinderat den Ersatz des alten Kelterbaums durch eine moderne Presse.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kelter erheblich zerstört und 1946 wieder im alten Stil instandgesetzt. Sie blieb damit Zeuge des Feuerbacher Weinbaus, welcher über viele Jahrhunderte die Existenzgrundlage der Dorfbewohner gewesen ist. Mit dem Einzug der Technik wurden die Kelterbäume zunächst durch Spindel- und später durch hydraulische Pressen und 1980 die kleine Presse in der Kelter durch eine Horizontalweinpresse ersetzt.
Bis in die siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts waren die höl­zernen Presskörbe und auch die hölzernen Zuber und Bütten sowie die hölzernen Raspeln im Einsatz. Die Zu­ber wurden auf Kunststoff umgestellt.
Seit 1974, initiiert vom damaligen WOGV-Vorsitzenden Karl Munz, wird jeden ersten Freitag nach dem 15. August das Kelter­fest gefeiert.
1992 übernahm der WOGV durch eine ganzjährige Pacht auch den kompletten Betrieb der denkmal­ge­schützten Kelter zum Erhalt der Weinberge in Feuerbach. Mit der Übernahme wurde auch alles be­weg­liche Inventar von der Stadt erworben.


Quellen: R. Adam und G. Kleemann (14. Geschichtsheft)



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