Mühle

Mühlwasen

Bild 1 von 5: Alte Mühle 1888 (Bild: Archiv Rieker)Bild 2 von 5: 2012: Feuerbacher Weg 203 / Mühlwasen 5: Hier hat einst die Mühle gestanden (Bild: Arendt)Bild 3 von 5: Aufteilung des Feuerbachs im Schwellwag zur Wasserversorgung der Mühle (Karte: Archiv Rieker)Bild 4 von 5: Standort der ehemaligen Mühle (Karte: Archiv Rieker)Bild 5 von 5: Verlauf des Feuerbacharms zur Mühle, nordöstlich der Häuser an der Kräherstraße (Bild: Archiv Rieker)

Die Bezeichnung „Mühlwasen“ stammt aus dem Jahre 1905. Das Grasgelände bei der Mühle wurde immer wieder vom Feuerbach überschwemmt, weshalb eine landwirtschaftliche Nutzung nicht möglich war. Solche Flächen nannte man Wasen und benützte sie als Weide oder auch als Fest- und Spielplatz.

Der Feuerbacher Historiker Gotthilf Kleemann hat festgestellt, dass bereits um 1300 „wohl als erste gewerbliche Anlage“ die Mühle als Eigentum der Herren von Frauenberg urkundlich („molendino meo apud Fiurbach“) erwähnt wurde und noch Anfang des 18. Jh. der einzige Gewerbebetrieb gewesen sei. Im Jahre 1525 wurde sie genannt als zwi­schen dem Wäldlin, genannt Häglin, und dem Bach beim Märzenbrunnen gelegen.
Dieser Brunnen wurde bereits 1451 erwähnt: „…us sinem garten by dem mertzenbronnen“. Da aber die Merzenäcker wohl nach diesem Brunnen benannt und bereits 1356 erwähnt wurden, ist er (nach Kleeman) der älteste Schöpfbrunnen Feuerbachs gewesen. Dieser in der Nähe vom Mühlwasen einst existierende Schöpfbrunnen wurde später in einen Pumpbrunnen verwandelt. Sein Verbleib ist nicht bekannt. Herbert Brauch vermutet, dass der Name des Brunnens von der Tatsache abgeleitet wurde, das nur im Frühjahr (März) diese Quelle sprudelte. Im Volksmund wurde dieser Brunnen auch „Kindlesbrunnen“  genannt, weil man von da her die Neugeborenen geholt habe.

Auskunft über die frühe Existenz der Mühle geben auch die weltlichen Lagerbücher von 1407 und 1524, wie Herbert Brauch berichtet: „Der Feuerbach in der Nähe der Mühle hieß Mühlbach („…genannt die Merzenwisen zwischen dem Milbach“). Nach der Mühle benannt sind die Mühlgasse („…liget aneinander an der Badstuben und stoßet an die Müllgassen“), der Mühlberg (die heutige Mühlbergstraße), der Mühlwasen und die Mühlwiese.“

 (Die Mühlbergstraße wurde im Jahre 1935 in Feuerbacher Weg umbenannt.) Dieser Text bestätigt auch die Existenz einer Badstube, welche am Fuße des heutigen Bärenstäffele gelegen war (siehe auch Seite Bärenstäffele).
Die Mühle, welche von dem geteilten Feuerbach (Bild 3) mit Wasser versorgt wurde (Bild 4) hatte immer wieder unter Wassermangel zu leiden: „Anno 1714 klagte die Mühlebesitzerin, Witwe Katharine Schneider, dass ihre Mühle wegen Wassermangels still stehen müsse.“
Im Jahre 1865 hatte A. Gerlach einen Lokomotivkessel mit 8-10 PS „zur Ergänzung der Wasserkraft“ in der Mahlmühle aufgestellt. Der Schornstein (Bild 1) beweist, dass zur Aufrechterhaltung des Mühlenbetriebes eine der ersten Dampfmaschinen eingebaut wurde.
Sie wurde 1870 wieder in Betrieb genommen. Der damalige Müller hieß Peter Miller. Der jeweilige Mühlenbesit­zer war auch verpflich­tet, den herrschaftli­chen Hund zu halten. Es gibt eine Aufnah­me von 1870, auf der die Mühle am offenen Bach zu sehen ist.
Auch Reinhard Heinz hatte sich mit der alten Mühle befasst und herausgefunden, dass  der Müller Friedrich Wöhr die Feuerbacher Mühle am 12.August 1897 übernahm und sie wieder in Betrieb setzte.
Die Mühle wurde aber nach 1910 wegen Wassermangels endgültig stillgelegt.

Das Problem mit dem nicht nur für die Mühle lebenswichtigen Wasser hat auch Gotthilf Kleemann mit einem Bericht verdeutlicht: „Der Besitzer der Feuerbacher Mahlmühle, K.G. Gerlach, erfuhr von dem Vorhaben, eine in dem Mezgerhau-Stadtwald in der Nähe von Botnang entsprin­gen­de Quelle zu fassen und mit dem Vogelsangwasser verbinden zu lassen. Da der Feuerbach als sein treibendes Mühlwasser neben mehreren Quellen auch von der Mezgerhauquelle in der Gallenklinge gespeist wurde, erhob er Einspruch gegen die Quellfassung und die schon begonnene Ableitung. An der Begründung der Be­schwerde muss schon etwas Wahres gewesen sein, denn im Steuerrevisions­pro­to­koll von 1728 wird zugegeben, dass ´solche Mühle nur von einem geringen Bächlein getrieben und vielmal kein Wasser hat und manchen Tag gar nicht oder nur eine Stunde mahlen kann.‘  Am 5.1.1803 wurde der Einspruch abgelehnt.“

In seinem in den Jahren 1900 bis 1920  spielenden Roman „Verlassene Zimmer“  bringt der Stuttgarter Schriftsteller Hermann Lenz (1913-1998) die alte Mühle in Erinnerung. Sein Romanheld Julius Krumm „kam zum Mühlwasen mit der stillgelegten Mühle, sah das schwarz-hölzerne, ausgetrocknete Rad und die Weinberge, die herabzusteigen schienen von den Hügeln.“

Quellen: F. Burckhardt, G. Kleemann, K. Seehafer, H. Brauch, T. Häussermann: „Die Stuttgarter Straßennamen“