Neuapostolische Kirche

Klagenfurter Straße 26

Bild 1 von 14: Neuapostolische Kirche (Bild 2012: Arendt)Bild 2 von 14: Neuapostolische Kirche (Bild: Unger)Bild 3 von 14: Kirche an der Rendlenstraße 1985 (Bild: Archiv Rieker)Bild 4 von 14: Kirchen-Innenraum (Bild vor 2004: NAK)Bild 5 von 14: Café Welz, Elsenhansstraße 8 (Bild: Archiv Rieker)Bild 6 von 14: Elsenhansstraße 8 (Bild 2012: Arendt)Bild 7 von 14: Schenkensteinstraße 11 (Bild: NAK)Bild 8 von 14: Schenkensteinstraße 11 (Bild 2012: Arendt)Bild 9 von 14: Hohewartstraße 77 (Bild: NAK)Bild 10 von 14: Hohewartstraße 77 (Bild 2012: Arendt)Bild 11 von 14: Lageplan 1901 (Bild: Stadtarchiv)Bild 12 von 14: Gasthaus KRONE, Hintergrund links: Gasthaus HIRSCH (Bild: Archiv Rieker)Bild 13 von 14: Gasthaus KRONE (Bild: Archiv Rieker)Bild 14 von 14: Festsaal im Gasthaus KRONE (Bild: Archiv Rieker)

Neuapostolische Kirche in Feuerbach
In die Zeit des starken Bevölkerungswachstums von Feuerbach im beginnenden 20. Jahrhundert fällt die Gründung der neuapostolischen Gemeinde Feuerbach. Bereits ab 1900 besuchten Einwohner Feuerbachs neuapostolische Gottesdienste im Stutt­garter Westen.
Von 1902 bis 1905 gab es Zusammenkünfte in der Wohnung der Familie Widmann in der Schenkensteinstraße 11 (Bilder 7 und 8). Nachdem 1905 in Feuerbach fünf neuapostolische Familien wohnten, wurde durch Eigenleistungen der neuapostolischen Christen ein Versammlungsraum hergerichtet und eine kleine neuapostolische Gemeinde gegründet, die etwa 20 Mitglieder hatte.
Die aufblühende Gemeinde war in ständiger Raumnot. Deshalb mussten mehrfach größere Versammlungsräume angemietet werden. Als wegen der Auswirkungen des Ersten. Weltkriegs der Gemeinde 1914 ihr Mietlokal im Hinterhaus der Elsenhansstraße 8 (Bilder 5 und 6) entzogen wurde, besuchten die Gemeindemitglieder die Gottesdienste im Stuttgarter Westen im heute noch bestehenden Kirchengebäude in der Rosenbergstraße 72A. Dies ist auch das älteste Gotteshaus der Neuapostolischen Kirche in Stuttgart.
Im Jahr 1924 konnte dann wieder in Feuerbach eine eigene Versammlungsstätte angemietet und in ein würdiges Gottesdienstlokal umgebaut werden. Die Gemeinde zählte damals rd. 200 neuapostolische Christen.
Als etwa 10 Jahre später auch dieser Raum zu klein geworden war, mietete die Kirchenleitung einen größeren Raum im damaligen Gasthaus KRONE (Bilder 11 und 12), der heutigen Klagenfurter Straße 25, an. Seit der 1933 erfolgten Eingemeindung Feuerbachs in die Stadt Stuttgart führt die neuapostolische Gemeinde den Namen "Gemeinde Stuttgart-Feuerbach".
Nach der kriegsbedingten Beschlagnahme des Gasthauses KRONE 1942 (1944 durch Luftangriff zerstört) besuchten die Gemeindemitglieder aus Feuerbach die Gottes­dienste in der Kirche in Stuttgart-Weilimdorf, die im Krieg unversehrt geblieben war.
Für ältere und kranke Mitglieder fanden in der Wohnung der Familie Stegmüller in der Hohewartstraße 77 (Bilder 9 und 10) regelmäßig Gottesdienste statt. Dies war zusätz­lich notwendig geworden, weil die Kirchengemeinde zum Ende des Krieges bis zum Bezug des Kameradschaftshauses auf dem Rosergelände Gottesdienste in Weilim­dorf besuchte. 1946 wurde die Gemeinde dann im ehemaligen „Kameradschaftshaus“ (dieser Name wurde in der NS-Zeit geprägt) der Firma Roser wieder zusammengefasst. Dieser Raum für die nun­mehr auf über 300 Mitglieder angewachsene Gemeinde konnte durch das Entgegen­kommen der Firma Roser bis 1954 für Gottesdienste genutzt werden.
Die Kirchenleitung der Neuapostolischen Kirche plante wegen der Raumprobleme in Stuttgart-Feuerbach schon längere Zeit, ein eigenes Kirchengebäude zu erstellen. Im Herbst 1953 konnte auf dem Grundstück des zerstörten Gasthauses KRONE  in der Klagenfurter Straße 26 mit dem Kirchenbau begonnen werden. Das von Architekt Friedrich Berkmann entworfene Kirchengebäude musste der bestehenden Baulinie angepasst werden, was im ehemaligen Ortsmittelpunkt Feuerbachs -gegenüber der Kelter und einen Steinwurf vom Standort des ehemaligen Rathauses entfernt- planerisch große Mühe bereitete.
Endlich konnte am 21.August.1954 für die nunmehr rund 400 Gemeindemitglieder das eigene Gotteshaus (Bilder 1 und 2) eingeweiht werden. Die Presse lobte das architektonisch schlichte Kirchenschiff, das in vorbildlicher Weise zeige, wie moderne Bauauffassung und neuer Stilwille einen Raum der Andacht schaffen könne. Im Jahr1968 wurde das Kirchengebäude erstmals renoviert.
Nach einem grundlegenden Umbau im Jahr 1984/85 bietet die Kirche nun Platz für ca. 450 Gottesdienstteilnehmer. Aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Kirchengemeinde fand Ende 2004 eine Innenrenovierung (Bild 3) statt, die sich besonders vorteilhaft auf die Akustik auswirkte.
Textbeitrag: NAK

Gasthaus KRONE
Es wird berichtet, dass es im Jahre 1865 bereits 8 Schildwirtschaften in Feuerbach gegeben habe, darunter wahrscheinlich auch das renommierte, gutbürgerliche  Gasthaus KRONE. Aufgrund der „Nachsitzungen“ der Gemeinderatsmitglieder nach ihren Gemeinderats- und Bürgerausschusssitzungen im benachbarten alten Rathaus erhielt die KRONE den Beinamen „Kleines Rathaus“.
Neben den bekannten Gasthäusern HIRSCH und ADLER war auch die KRONE das Ziel für regelmäßige Besuche von Stuttgarter Familien.
Im Jahr 1894 erwarb der Gemeinderat David Friedrich Fahrion von der Familie Friedrich Weischedel das Gasthaus KRONE. 1901 entsteht an der Hofseite ein Anbau (Bild: 11) und 1902 ein Bühnenausbau.
Im Jahre 1937 war der Gasthof im Besitz von Gotthold Maier und Rudolf Bauer, und 1942 war als Pächter die Süddeutsche Kühlerfabrik Julius Behr genannt.
Der schöne Saal dieses Gasthauses (Bild 14) diente für Hochzeitsfeiern und auch für Veranstaltungen Feuerbacher Vereine wie dem Wein-, Obst- und Gartenbauverein (WOGV), der seit seiner Gründung im Jahre 1881 hier abwechselnd mit anderen Lokalen Vorstandssitzungen abhielt und im Jahre 1906 hier auch sein 25-jähriges Bestehen feierte.
Die am 11.November 1859 vom HIRSCH-Wirt Carl Haffner und Kaufmann Carl Gabler gegründete „Mittwochsgesellschaft“, welche sich aus Bürgern und Honoratioren Feuerbachs zusammensetzte, war Jahrzehnte hindurch das kulturelle, kommunal- und wirtschaftspolitische Zentrum. Man pflegte sowohl das Gesellige und gab auch Anstöße zur Weiterentwicklung der Gemeinde Feuerbach.
Aus dieser Gesellschaft kam auch die Anregung, einen Verein für das Feuerbacher Gewerbe einzurichten. Zu diesem Zweck traf man sich am 23.März 1887 in der KRONE, um den Gewerbeverein Feuerbach zu gründen, der noch heute im Gewerbe- und Handelsverein (GHV) weiterbesteht. Auf Initiative der „Mittwochsgesellschaft“ gehen auch die Gründungen des Liederkranzes (1863), der Handwerkerbank (1865), der Bürgerbank (1866), der Freiwilligen Feuerwehr (1870), der Feuerbacher Zeitung (1875), des Verschönerungsvereins sowie des Flottenvereins zurück. Zahlreiche Feuerbacher Persönlichkeiten wie Schultheiß Veit oder Rektor Eugen Geiger waren Mitglieder oder auch Funktionsträger in der „Mittwochsgesellschaft“.
Der KRONENSAAL wurde immer wieder für kulturelle  Veranstaltungen genutzt. So berichtete die Schwäbische Kronik, dass unter Mitwirkung des Stadtpfarrers Raitelhuber und des Oberreallehrers Eugen Geiger Anfang Februar 1913 im Saal der KRONE eine Uhlandfeier stattgefunden hat, ausgerichtet vom Evangelischen Kirchenchor.
Während des Ersten Weltkrieges war der KRONE-Saal in den Jahren 1917/1918 mit Militär belegt. Auch im Zweiten Weltkrieg wurde seit 1942 die KRONE durch die kriegsbedingte Beschlagnahme des Lokals militärisch genutzt; aus diesem Grunde musste die neuapostolische Gemeinde, welche in der KRONE seit etwa 1934 einen größeren Saal angemietet hatte, diesen wieder aufgeben.
Im Jahre 1944 haben bei einem der zahlreichen Luftangriffe Bomben auch dieses Gasthaus total zerstört.
Auf dem KRONE-Grundstück steht nun seit 1954 die Neuapostolische Kirche.


Das Kirchengebäude ist mit einer Objekttafel ausgestattet.
 
Quellen: NAK, Volksbank-Jubiläumsschrift, J. Hagel, WOGV, K. Müller, U. Gohl, Stadtarchiv Stuttgart

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