Schneider Feuerverzinken

Wernerstraße 61

Bild 1 von 6: Unternehmensgründer Gottlob Schneider (Bild: A.Schneider)Bild 2 von 6: Stuttgarter Straße / Ecke Dornbirner Straße, hier stand einst das Gasthaus zum Paradies, in dem Gottlob Schneider mit dem Feuerverzinken begann. (Bild: Archiv Rieker)Bild 3 von 6: Visitenkarte Carl Schneider (Bild: A.Schneider)Bild 4 von 6: Originale Schneiderkanne (Bild: A.Schneider)Bild 5 von 6: Verzinkerei Wernerstraße um 1910 (Bild: Archiv Sonnabend)Bild 6 von 6: Wiegel Feuerverzinken 2013 (Bild: Arendt)

Der Unternehmensgründer Gottlob Schneider (1831-1887) entstammte einer Reutlinger Handwerkerfamilie (Bild 1). Nach Wanderjahren in Deutschland, der Schweiz und Frankreich eröffnete er im Jahre 1860 in Paris einen Flaschnereibetrieb.

Dort lernte er das neue, bis dahin in Deutschland weitgehend unbekannte Verfahren des Feuerverzinkens sowie die ovale Gießkanne mit der „französischen Form“,  kennen. Wegen des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 war er gezwungen, aus Frankreich zu emigrieren. So war es ein Glücksfall für Feuerbach, dass Schneider im Jahre 1876, also in der Phase der Industrialisierung Feuerbachs, sein Unternehmen als „Blechwarenfabrik“ in Feuerbach ansiedelte. Der erste Standort war das ehemalige Gasthaus „Paradies“ in der Stuttgarter Straße / Ecke Dornbirner Straße (Bild 2). Hier begann er, „wohl als erster in Deutschland“, mit der Verzinkerei und mit der Metallfabrikation. An seiner Seite arbeitete sein ältester Sohn Karl als Lehrling. Zunächst produzierte Schneider Gießkannen, Wannen, Eimer und Geschirre aus Eisenblech und verzinkte sie in einem eher kleinen Verzinkungskessel. Als Gottlob Schneider 56-jährig im Jahre 1887 starb, übernahmen Karl Schneider (*1862) und sein jüngerer Bruder Alexander das Unternehmen. Mit der Herstellung von Warmwasser- und Dampfheizungen erzielten beide einen großen Markterfolg, sodass die Firma zum Hoflieferanten sowohl des Königs von Württemberg als auch des Großherzogs von Hessen und bei Rhein avancierte (Bild 3). Für die inzwischen größere Produktionsmenge musste eine Kesselschmiede angegliedert werden. Die Verleihung zahlreicher Diplome und Medaillen entsprach dem Erfolg des Unternehmens.
Die Expansion zwang im Jahre 1908 zum Neubau einer Fabrik in der Wernerstraße 61 (Bild 5), wo mit der Massenfertigung von Gießkannen begonnen wurde, für die man neue Blechverarbeitungsmaschinen eingesetzt hatte. Am 24.05..1921 feierte das Metallwerk und Verzinkerei G. Schneider das 25-jährige Jubiläum mit weiterhin guten Marktaussichten, denn die Firma hatte den Ersten Weltkrieg und die folgenden Krisenjahre, auch durch die Erweiterung der Produktpalette, gut überstanden, im Zweiten Weltkrieg jedoch wurden die Gebäude und Produktionsanlagen fast vollständig zerstört. Nach dem schwierigen Wiederaufbau (Bild 6) und einer Neukonstruktion der Gießkannen durch Alexander Schneider wurde die „Schneiderkanne“ zum Erfolgsmodell und zum „Kult“-Objekt (Bild 4). Die Einführung von Kunststoffgießkannen brachte das Unternehmen aber in größere Schwierigkeiten, weil die Metall-Gießkannen sehr viel teurer waren. Die 100-Jahr-Feier des Hauses „G. Schneider Metallwarenfabrik“ mit seinen 250 Mitarbeitern im Jahre 1976 verbreitete nochmals Optimismus, aber der Konkurs 1983 war nicht abzuwenden. Das Metallwerk wurde geschlossen und die Verzinkerei Ende 1987 am bisherigen Standort (Bild 6) von der Firma Wiegel übernommen.
Die Schneiderkannen (Bild 4) galten als „Krönung der Gießkannen, sie waren und sind noch heute fast an jedem Friedhof zu finden. Seit 1989 werden sie nicht mehr hergestellt und sind nun zum Sammelobjekt geworden.


Quellen: Chronik Feuerbach, Adreßbuch Feuerbach, Alex Schneider, Jubiläumsschrift Schneider