Solitudeschule

Hohewartstraße 2

Bild 1 von 4: Solitudeschule1909 (Bild: Archiv Rieker)Bild 2 von 4: Solitudeschule 1877 (Bild: Archiv Rieker)Bild 3 von 4: Hohewartstraße 2 im Jahre 2011 (Bild: Arendt)Bild 4 von 4: Schulhäuser in der Sartoriusstraße  (Bild: Dettling)

Die seit 1477/1482 in Feuerbach bestehende Tübinger Universitätspflege hatte offensichtlich auch bei den Feuerbacher Dorfbewohnern den Wunsch nach schulischer Ausbildung entstehen lassen. So ist es wohl zu erklären, dass im Jahre 1551 anlässlich einer Visitation von Kirchenoberen (zum Zwecke der Bestandsaufnahme und Normenkontrolle) in Feuerbach der Wunsch nach einem eigenen Schulmeister vorgetragen wurde. Gestützt wurde dieses Begehren allerdings erst 1559 durch die von Herzog Christoph herausgegebene „Große Kirchenordnung“, in der er die zur Verantwortung des Pfarrers gehörende Einführung einer „teutschen Schule“ (Volksschule) in allen Städten und Pfarrdörfern befohlen hatte. Ob Feuerbach dieser Anordnung sofort Folge geleistet und Kinder schon unterrichtet hatte, geht aus den Quellen nicht hervor, erst im Jahre 1562 wird darüber berichtet, dass Hans Katz als erster Schulmeister die Kinder im Lesen und Schreiben unterrichtete. Die Lernmittelfrage ließ sich einfach lösen: Das Kirchengesangbuch diente als „Fibel“. Der wohl bekanntere der ersten Schulmeister war der 1581 erwähnte Johann Heinrich Sartor, der Sohn des damaligen Feuerbacher Pfarrers M. Johann Sartor, dessen Amtszeit von 1556 bis 1585 andauerte. Die Gemeinden mussten für die Bezahlung der Schulmeister aufkommen. Im Sommer hatten die Kinder schulfrei, da sie während dieser Zeit ihre Eltern bei der Feldarbeit unterstützen mussten. Erst Mitte des 17. Jahrhunderts kam es einer Veränderung: es wurde auch Rechnen gelehrt und auch im Sommer unterrichtet. Dazu gab es anno 1694  eine Verordnung zur Schulpflicht.

Nachdem zunächst einige Zeit in Nebenräumen der Kirche unterrichtet wurde, baute man in der Sartoriusstraße 1 (früher Schulstraße) noch im 16. Jahrhundert („bei der Kirche“) ein Schulhaus, welches jedoch wegen einer Erweiterung erst 1688 in den Quellen erwähnt ist. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde es das um 1725 erstellte und 1797 erweiterte neuere Schulhaus baufällig und 1808 abgerissen. Das heute an dieser Stelle stehende, 1809 erbaute  Schulhaus ist quasi der Nachfolger des ersten Schulhauses.

Weil die Schülerzahl in Feuerbach mit 720 die Kapazität der beiden Schulhäuser (Bild 4) von 1809 und 1841 in der Sartoriusstraße (vor 1938 Schulstraße) ausgelastet hatte, beantragte das Königlich Evangelische Konsortium am 10.05.1876 beim Amtsoberamt Stuttgart „die Einrichtung weiterer Schullokale“.  So wurde noch im Jahre 1877 auf dem Platz des ehemaligen, 1776 erbauten und nicht mehr benötigten Schafhauses der Gemeinde an der Ecke Solitude-/ Rosenstraße (heute Hohewartstraße/Stuttgarter Straße) unter der Leitung von Baurat Stahl mit dem Bau der Solitudeschule begonnen und 1878 beendet (Bild 2). Richard Kallee schrieb dazu: „So kommts, dass das erste Zeichen eines Aufschwungs in Feuerbach gerade ein Schulhaus war. Freilich kein Prachtbau! Es enthielt sechs geräumige Schulzimmer und zwei kleine, überbescheidene Lehrerwohnungen. Die Schulzimmer hatten und haben den Fehler, dass die Decke von eisernen Säulen getragen werden muss, die dem Blick und dem Fuß des Lehrers im Wege stehen.“

Bei einem Luftangriff am 21.03.1943 wurde diese Schule (Bild 1) von Bomben getroffen und brannte vollständig aus.
Heute steht an dieser Stelle ein Wohn- und Geschäftshaus  (Bild 3).