Ehemaliges Wohnhaus Wilhelm Geiger

Elsenhansstraße 2

Bild 1 von 11: An dieser Stelle hat bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg das Wohnhaus von OB Wilhelm Geiger gestanden (Bild 2012: Arendt)Bild 2 von 11: Leobener Straße/Elsenhansstraße 2013: an dieser Ecke hat das Wohnhaus von Wilhelm Geiger gestanden. Perspektive wie Bild 3. (Bild: Arendt)Bild 3 von 11: Vorn rechts stand das Wohnhaus von Wilhelm Geiger bis zu seiner Zerstörung 1945, im Hintergrund der Turm der katholischen Kirche. (Bild: Archiv Rieker)Bild 4 von 11: OB Wilhelm Geiger (1869-1940) (Bild: Archiv Rieker)Bild 5 von 11: Wilhelm Geiger an seinem Arbeitsplatz (Bild: Archiv Rieker)Bild 6 von 11: Stadterhebungsfest und Rathaus-Grundsteinlegung 1907 (Bild: Archiv Rieker)Bild 7 von 11: Feuerbacher Straßenbahn 1909 an der Endhaltestelle Rosenstraße (Bild: Archiv Rieker)Bild 8 von 11: Eingemeindungsfeier 1933 in der Turn- und Festhalle (Bild: Archiv Rieker)Bild 9 von 11: Figurine „Wilhelm Geiger“ am Zugang zur U-Bahn-Haltestelle Wilhelm- Geiger-Platz (Bild 2013: Arendt)Bild 10 von 11: Lageplan des Wohnhauses (Bild: Stadtarchiv)Bild 11von 11: Wohnhaus vor dem Umbau ca. 1910 (Bild: Stadtarchiv)

Wie die drei Ehrenbürger Feuerbachs, Fabrikant August Happold, Hofrat Oswald Hesse und Unternehmer Robert Bosch, welche ihre Auszeichnungen zwischen 1908 und 1917 erhalten haben, gehört der ehemalige Oberbürgermeister Wilhelm Geiger (1869-1940)  zu den Feuerbacher Persönlichkeiten, welche nicht aus Feuerbach stammten, aber viel für „ihre“ Stadt geleistet haben.

Das Wohnhaus Wilhelm Geigers (Bilder 10 und 11)  wurde 1893 vom Architekten Eberhard Holstein für Wilhelm Mößner erbaut und Anfang 1900 von Geiger erworben. Es stand an der Ecke Leobener Straße/Elsenhansstraße (Bilder 1-3).
Mit dem Namen Wilhelm Geiger (Bilder 4 und 5) ist Aufstieg und Weiterentwicklung der Industriestadt Feuerbach verbunden, aber im Jahre 1933 auch die Zwangseingemeindung (Bild 8) durch die Nationalsozialisten in die Großstadt Stuttgart mit der Umbenennung vieler alter Straßennamen mit österreichischen Städtenamen und vorübergehend auch mit Namen von Nazigrößen. Bis August 1945 führte danach Bürgermeister Emil Paulus das zur Geschäfts­stelle der Stuttgarter NS-Verwaltung abgewertete Rathaus.

Geigers Initiativen, welche sich in Erfolge wandelten, sind zahllos, man nannte ihn einen „Glücksfall für Feuerbach“. Seine Leistungen beinhalteten den Bau von Wohnungen, Schulen und Straßen, die Errichtung des neuen Rathauses und der Turn- und Festhallte, die Industrieansiedelung im Osten der Stadt, die Einrichtung der Straßenbahn (Bild 7), Wasser- und Gasversorgung, die Kanalisierung und Überwölbung des Feuerbachs, die Gründung des städtischen Wohlfahrtsamts  und im Jahre 1927 die Vergrößerung des Stadtgebiets durch die vertraglich vereinbarte Eingemeindung Weilimdorfs. Wer mehr darüber wissen möchte, der lese das Heft 9 der Feuerbacher Geschichtsblätter.

Wilhelm Geiger wurde 1869 in Merklingen bei Weilderstadt geboren, wo er nach seiner Schulzeit eine Verwaltungslehre absolvierte. Im Jahre 1893 kam er als Beamter des mittleren Verwaltungsdienstes nach Feuerbach und wurde Assistent des damaligen Schultheißen Christian Friedrich Dieterle (1860-1900), in dessen Amt man ihn nach Dieterles Tod einstimmig wählte. Bereits während der langen Krankheit Dieterles sammelte er Erfahrungen in der Amtsführung, sodass kein Gegenkandidat benötigt wurde.
Das Logo Feuerbacher Talkrabb ist eine gesetzl. geschütze Marke.Das wohl bedeutendste Ereignis während seiner Amtsvorstandschaft war die Erhebung Feuerbachs zu Stadt. An der Ausgestaltung des damit verbundenen zweitägigen Stadterhebungsfestes (Bild 6) waren u.a. Studiendirektor und Heimatdichter Eugen Geiger sowie der Kunstmaler Lebrecht beteiligt. Stadtpfarrer und Hobbyarchäologe Richard Kallee hielt in der Stadtkirche eine Festpredigt unter dem Motto „Suchet der Stadt Bestes“. Wilhelm Geiger erhielt nun den Titel „Stadtschultheiß“, welchem erst 1923 der Titel „Oberbürgermeister“ folgte. Für die Feuerbächer gab es dabei auch einen Wermutstropfen: bei der Gestaltung des neuen Stadtwappens mit den Farben der Weiß-Rot der Frauenberger, wurde als Wappentier nicht der traditionelle „Talkrabb“, sondern der Biber gewählt.

Sein 25-jähriges Amtsvorstandsjubiläum im Jahre 1926 bot noch einmal der Bevölkerung Feuerbachs die Möglichkeit, ihr Stadtoberhaupt für seine vielen Leistungen zu danken, welche damit umrissen sind, dass er das Wengerter- und Steinbrecherdorf zur ansehnlichen Industriestadt geformt und weiterentwickelt hat.

Das „Schicksalsjahr“ 1933 der Machtübernahme der Nationalsozialisten und der Zwangseingemeindung nach Stuttgart (Bild 8) war auch das Ende der Amtsführung Wilhelm Geigers, „der sich aus guten Gründen standhaft“, aber letztlich doch vergeblich gegen die Eingemeindung gewehrt hatte.  Nach 40 Jahren in städtischen Diensten musste er seinen Abschied nehmen, angeordnet durch den neuen Stuttgarter Stadtkommissar Bühler.
Aus der Nachbarschaft Geigers stammt die Information, dass er stets ein Lächeln ausstrahlte und deshalb „Herr Lächele“ genannt wurde.
Wilhelm Geiger verstarb am 29.Mai 1940 und wurde auf dem Feuerbacher Friedhof beigesetzt. Zu seinen Ehren wurde noch  im selben Jahr der Feuerbacher Karlsplatz in Wilhelm-Geiger-Platz umbenannt. Seit September 2013 zeigt sich Wilhelm Geiger als Scherenschnitt am Zugang zur U-Bahn-Haltestelle. 


Quellen: Rolf Adam, Ernst Haigis, Reinhard Heinz, Jörg Kurz, Karl Müller, Die Stuttgarter Straßennamen, WIKIPEDIA, Stadtarchiv