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Fasten - Wo sich Körper und Seele treffen
Teil 1: Ursprung und Grundsätzliches

Für das Fasten als innere, körperliche und geistige, - kurz: ganzheitliche - Reinigung ist gerade jetzt im Frühjahr, wenn die Kräfte der Natur erwachen und das Leben aus seinen Startlöchern spriesst, die ideale Zeit! Wir möchten Ihnen in einer mehrteiligen Reihe dieses faszinierende Thema näherbringen, und sind uns sicher: Fasten wird Sie sich selbst näherbringen!

Fasten als heilsamer "Schnittpunkt"
Allgemein gibt es zwei grobe Fastenphilosophien: Die religiös-spirituelle und die heilmedizinische. Wir möchten uns hier nun dem Heilfasten (oder Saftfasten) nähern und versuchen, ein möglichst ganzheitliches Bild über dieses Thema zu zeichnen.

Das Fasten bedeutet einen markanten Schnittpunkt, der uns herausreisst aus dem Alltag und uns uns wahrlich selbst in jeder Hinsicht wieder näherbringt: Hier wird für Körper, Seele, Geist und Ego die Möglichkeit geschaffen, sich zu treffen! Man kann sich selbst in vielen Facetten neu kennenlernen und dabei eine innere Einheit dieser sonst viel zu streng getrennten "Bereiche" für sich (wieder-)ent-decken.

Deswegen werden wir bei diesem Thema von dieser grundlegenden Prämisse ausgehen - wobei wir den schulmedizinisch-ernährungswissenschaftlichen Aspekt als nützliche Ergänzung verstehen und in Form eines fachmännischen Beitrags des Diplom-Ernährungswissenschaftlers Udo Wiechert aus dem Haus der Gesundheit hinzuziehen werden.
Zudem begleiten wir dieses Thema persönlich in einem Selbstversuch (der Autor dieser Zeilen fastet mit...) und werden am ende der Woche darüber berichten. Diese Reihe richtet sich demnach auch lediglich an gesunde und unbeeinträchtigte Menschen, für die eigenständiges Fasten gedacht und geeignet ist und kann nie den Anspruch erheben, ärztlicher Ersatz zu sein oder ein gutes Fastenbuch zu ersetzen.

Im ersten Teil gehen wir auf den Ursprung des Fastens und dessen kontemplativ-spirituellen Urgrunds im Rahmen des Aspekts der "ganzheitlichen Reinigung" ein und hoffen, Ihnen damit ein wenig "Appetit aufs Fasten" machen zu können.


Der Ursprung des Fastens und der religiöse Aspekt
Fasten wird von vielen, die sich noch nicht mit diesem faszinierenden Thema auseinandergesetzt haben, oft entweder als eine Methode, schnell Pfunde loszuwerden oder aber lediglich als religiös begründetes Ritual verstanden - vermengt mit Dogmen aus uralten Zeiten. Was den Ursprung des Fastens angeht, ist das sogar gar nicht falsch, denn unser heutiges modernes naturwissenschaftliches Fasten kommt schon zu einem grösseren Teil vom traditionell-religiösen Fasten - jedoch gibt es das Fasten, solange es Menschen gibt: Fasten ist nämlich ein der Menschheit ältestes und ureigenstes Mittel zur Heilung und zur Gesunderhaltung. Wir kennen diesen inneren Reflex unseres Körpers, wenn wir krank werden und keinen Appetit haben - das ist kein schlechtes, sondern ein gutes Zeichen.


Der Körper weiss - oft anders als Ego und Verstand - genau, was er braucht und nicht braucht. Auch Tiere fasten instinktiv, wenn es ihnen schlecht geht - sie wissen um die Notwendigkeit und bei ihnen verzerren keine gedanklichen Sorgen über eine Unterernährung oder über Gefahren dieses innere Bedürfnis.

Fasten ist in nahezu jeder Religion und Kultur in sehr unterschiedlicher Form und Intensität seit Urzeiten beheimatet. Der griechische Arzt Hippokrates (460-375 . Chr.), Mitbegründer der abendländischen Medizin, hatte das Fasten als Heilmethode erkannt ("Die Natur ist der Arzt der Krankheit"). Er empfahl bei vielen Krankheiten eine knappere Nahrungszufuhr. Jede Weltreligion hat in unterschiedlicher Form und mit unterschiedlichen Ritualen und Bräuchen das Fasten als Mittel zur inneren Reinigung und Sammlung als einen Pfeiler seiner Glaubenspraktizierung festgelegt.
Der Brauch des Fastens findet sich im Christentum schon seit über 1500 Jahren, geht aber eigentlich sogar noch weiter zurück - bis ins 2. Jahrhundert n. Chr. Alle grossen Religionsstifter, Moses, Christus, Buddha und Mohammed, haben auf diese Weise - indem sie fasteten und Askese übten - "Gott in Demut Dank bezeugt".
Das Fasten (von alt- und mittelhochdeutsch: vasten: fest; an den [Fasten]Geboten festhalten) beinhaltet das rituelle Weglassen bestimmter Lebensmittel und Ernährungsgewohnheiten, die nicht "lebensnotwendig" sind, in Verbindung mit dem geistigen Bestreben nach stärkerer psychischer (Selbst-)Kontrolle und geistiger Erleuchtung.
Den zahlreichen religiösen Fastenarten, die um dieses Thema gesponnen wurden, haften sogar teilweise amüsante Anekdoten an - so haben z.B. Mönche im Mittelalter den Biber kurzerhand als "Fisch" deklariert, um ein wenig Abwechslung in ihren ach so "einseitigen" Fastenspeiseplan zu bringen...
Im Christentum soll das Fasten in seiner ursprünglichen Bedeutung auf das Osterfest vorbereiten. Man bezeichnet die "Passionszeit" (wie die Fastenzeit auch genannt wird) als die Spanne zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag, also insgesamt 46 Tage, wobei die Sonntage davon ausgenommen sind, da Christen an Sonntagen die Auferstehung feiern.

Ein Hauptgrund, warum Menschen heute aber immer mehr das Bedürfnis haben "nichtreligiös" zu fasten, ist der Wunsch, abzunehmen. Die Aussicht, durch einen kurzen, aber prägnanten Nahrungsverzicht in einer Woche 3 - 5 Kilo loszuwerden, lockt und verheißt. Doch das ist ein krasser Trugschluss, denn der berühmte Jojo-Effekt schlägt nach dem Fasten unbarmherzig zu, und die Form, die der Körper vor dem Fasten hatte, wird wieder gnadenlos "aufgefüllt" - wenn man nicht nach dem Fasten seine Ernährungsgewohnheiten und idealerweise auch seine Einstellung zum Thema Ernährung grundlegend ändert.


Der spirituelle und ganzheitliche Aspekt
Daneben gibt es aber noch einen weiteren Fastenaspekt: Fasten als innere - körperliche und geistige - kurz: ganzheitliche - Reinigung. Gerade jetzt im Frühjahr, wenn die Kräfte der Natur erwachen und das Leben aus seinen Startlöchern spriesst, ist die ideale Zeit zum Fasten! Das Wetter ist nicht zu kalt oder zu warm, ausserdem hat der Winter - bei vielen die Zeit vermehrter Nahrungsaufnahme bei gleichzeitig verringereter körperlicher Aktivität - vielen von uns sein unübersichtliches Souvenir in Form üppiger Pfunde mit ins junge Jahr gegeben.


Grundsätzliche Gedanken
Der Mensch hat im Lauf der Geschichte viele Dinge ge- und aber auch ver-lernt. So ist z.B. unsere christlich geprägte Trennung in Körper, Geist und Seele schuld daran, dass viele feinfühlige Menschen entweder körperliches als suspekt oder gar sündig empfinden und lediglich geistiges - oder seelisches - als erstrebenswert ansehen. Andersrum ist vielen schulwissenschaftlichen Lehrmeinungen der Aspekt des geistig-spirituellen völlig abhanden gekommen.
Jedoch werden wir mit der Zeit offener - so akzeptieren wir heute z.B. ohne Probleme fernöstliche Methoden und Philosophien, die dem Menschen alle eine höhergeistige Komponente zugestehen und deren Heilerfolge einfach niemand mehr anzweifeln kann. Die Wahrheit muss also irgendwo dazwischen liegen - und zwar in einer "gleichberechtigten Spiritualität" - oder wenn man so will "Wertung" - dieser drei Teile, die in Wahrheit eins sind.
Das Fasten ist eine Möglichkeit, diese Trennung aufzuheben und vorteilhaft in einem "Schnittpunkt" zusammenzuführen, der uns im sonstigen Alltag voll Stress und Sorgen verwehrt bliebe und stellt eine wirklich ganzheitliche Erfahrung dar, bei der der Mensch seinen Körper - sowie seinen Geist - tiefer kennenlernen kann.
Eine weitere grundlegende Tatsache, über die sich nur wenige Menschen im Klaren sind, ist, dass unsere Gedanken unsere Realität erschaffen und nicht andersrum. Jeder Krieg, jede Ideologie, aber auch jede Erfindung und Idee der Menschheit war zuerst in Gedankenform da. So wird auch jeder Körper neben den äusseren Umwelteinflüssen in allererster Linie durch Gedanken und Glaubenssätze geformt. Das können z.B. Gedanken und Glaubenssätze wie "Ohne Fleisch kann man nicht gesund leben", "Ich bin zu dick", "Ich bin zu dünn", "Ich bin krank" oder "Im Alter wird man zwangsläufig krank und siecht dahin" u.v.m. sein. Jeder, der schon mal erlebt hat, wie seine "Befürchtungen wahr wurden" oder seine "Hoffnungen sich erfüllt haben", kann diese Tatsache sehr leicht nachvollziehen.

Der Mensch ist in erster Linie, was er (von sich selbst und der Welt) denkt - und erst in zweiter Linie, was er isst, wie er sich kleidet, was er arbeitet usf.

Unser Körper ist kein "Ding", welches man beim Arzt mit den Worten "reparier mich mal" oder bei anderen Heilern einfach wie ein zu reparierendes Auto abgeben kann. Auch, wenn genau diese Einstellung, welche auf ein fehlendes Verständnis von tieferen Wechselwirkungen herrührt und auf Massensuggestionen der Medien, sogenannten wissenschaftlich belegten Tatsachen (denen nicht selten kommerzielle Interessen zugrunde liegen) und unserer Erziehung zurückuzführen ist, in unserer Zeit so sehr verbreitet ist wie Coca Cola oder Mc Donald's.
Vielmehr hat jeder Mensch seine eigene Verantwortung über seinen Körper - sowie er auch die Verantwortung - und Eigenmacht - über sein Handeln innehat. Wenn er diese Eigenmacht allzu schnell und unbedacht anderen überträgt, entzieht er sich einem Stückweit seiner Verantwortung - die sie mit offenen Händen entgegennehmen.

Hier stellt das Fasten als Mittel zur Selbstfindung eine geeignete und sehr heilsame Methode dar, dieses innere Gewahrsein und diese innere Mitte in sich selbst wiederzufinden.


Für wen ist Fasten geeignet?
Von den Höhen grundlegender Philosophie zurück in den Alltag: Fasten ist natürlich nicht für jedermann geeignet - und uns Menschen kann man leider nicht automatisch mit Tieren, Mönchen oder Buddhas gleichsetzen. So schreibt Dr. Andreas Buchinger - Sohn und Nachfolger des weltberühmten "Fasten-Papstes" Dr. Otto Buchinger, der Deutschlands erste Fastenklinik in Bad Pyrmont gründete, sowie Leiter dieser Fastenklinik - auf seiner Homepage: "Grundsätzlich kann jeder gesunde Erwachsene fasten. Nicht geeignet ist eine Fastentherapie für Kinder, Schwangere und stillende Frauen. Auch für Krebspatienten und Menschen mit Schilddrüsenüberfunktion ist eine Heilfastenkur eher ungeeignet. Menschen mit schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen und endogenen Depressionen sollten, wenn überhaupt, nur mit besonderer fachkundiger Betreuung fasten", so der Fastenexperte. Um jegliches Risiko gänzlich auszuschalten, sollte jeder vor einer Fastenkur auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen und auch später die Fastenkur - besonders, wenn sie sich über mehrere Wochen erstreckt - ebenfalls ärztlich überwachen lassen.

Wir sitzen nun mal in diesem Boot, welches sich Zivilisation nennt - mit all seinen Regeln, Dogmen und Richtlinien. Der, der sich und seinem Körper vertraut und vor allem um seine Eigenverantwortung - und vor allem -macht - weiss, wird weniger Schwierigkeiten damit haben, sich getrost in ein mehrtägiges oder auch mehrwöchiges Fasten hineinzubegeben. Es liegt immer bei jedem selbst - so, wie es auch bei jedem selbst liegt, ob er sich vorteilhafte oder nachteilige Glaubenssätze aussucht, nach denen sich seine Realität - inklusive seinem Körper - formt.



Weiterführende Literatur zum Thema Fasten:
Mit diesen Büchern - die allesamt gute Fastenführer sind und mit genauen Anleitungen, Hintergründen und vielen wertvollen Tipps aufwarten, finden Sie eine geeignete Auswahl zum Thema Fasten:


Wunder des Fastens. Fitness und Jugend durch individuell richtiges Fasten
von Paul C. Bragg, Patricia Bragg
ISBN: 3898815021

DER moderne und aktuelle Fastenklassiker - übersichtlich, leicht verständlich und praktisch.



Das Heilfasten
von Dr. med Otto Buchinger
ISBN: 3830453159

DAS klassische Fastenbuch des "Erfinders des Heilfastens" in Deutschland.



Gesundheit durch Entschlackung
von Peter Jentschura / Josef Lohkämper
ISBN: 3933874335

Diese kritische Buch über zivilisationsbedingte Ernährungsprobleme und -krankheiten ist ausführlich und behandelt generell die Themen Entschlackung, ernährungsbedingte Krankheiten und gesunde Ernährung. Besonders als Zusatz- und vor allem als Folgelektüre - für fastende ist es geeignet.



Wie neugeboren durch Fasten

von Dr. Hellmut Lützner
ISBN: 3774264287

Dieser kleine, übersichtliche, sehr praktische und leicht zu lesende Führer ist einer DER Bestseller über das Thema Fasten. Richtig für alle, die es kurz und knapp mögen und keine Lust auf lange Abhandlungen und zu viel Theorie haben.



Fasten - aber richtig!
von Max O. Bruker
ISBN: 3891890613

Der alternativ-Ernährungsarzt Dr. med. Max O. Bruker geht in seinem Buch neben den üblichen allgemeinen Tipps und Ratgebern sehr detailliert auf die historische und die religiöse Bedeutung des Fastens ein. Seine weiteren Bücher über Ernährung sind jedoch noch besser und für die Zeit nach dem Fasten äusserst empfehlenswert für alle, die ihre Ernährung grundlegend und nachhaltig ändern möchten.









Wichtige Hinweise:
Zu Ihrer und unserer Sicherheit möchten wir darauf hinweisen, dass alle hier geäusserten Aussagen nie einen Arzt oder Heiler bzw. ein gutes Fastenbuch oder -führer ersetzen können und sollen und erheben ausdrücklich keinen Anspruch auf Ganzheit und genaue wissenschaftliche Korrektheit. Die gesamte Berichterstattung über das Fasten bezieht sich ausdrücklich nur auf gesunde Menschen! Für kranke und sonstig eingeschränkte Menschen ist eigenständiges Fasten ohne ärztliche Aufsicht in vielen Fällen ungeeignet und wir empfehlen in solchen Fällen einen Arzt oder Mediziner aufzusuchen.



Hier geht's zum zweiten Teil der Fasten-Reihe


10.04.2006

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