"Für die, die tiefer denken und anders sehen":

Vorgestellt: "...und Rosen Silberperlen tragen" von Sibylle Sophie


ImageDie Feuerbacher Autorin und Künstlerin Sibylle Sophie hat ein neues Buch mit Gedichten und Erzählungen veröffentlicht. Es trägt den Titel "...und Rosen Silberperlen tragen" und enthält sprichwörtliche Perlen; treffsicher pointierte Gedankenver-Dichtungen über das Leben für, wie Sie selbst sagt, "Menschen, die tiefer denken und anders sehen".

Die Gedichte und Erzählungen in dieser, ihrer bereits 6. Veröffentlichung, reichen von zeitkritisch über sinnlich-schön bis tief bewegend. Sogar in bester schwäbischer Mundart oder perfektem Englisch brachte die Buchautorin und Malerin, die in Bälde sogar eine weitere Veröffentlichung feiern wird - einen Roman -, treffsicher Gedanken und Impressionen aufs Papier.

Wir möchten Ihnen nun exklusiv einige Kostproben aus dem neuen Buch "...und Rosen Silberperlen tragen" von Sibylle Sophie vorstellen.



Geschichten zur »Schlechten-Nacht«
»Nicht-Einschlaf-Geschichten« für Dich

Geschichten erzählt der wütende Wind,
von Leuten in Türmen, die aus Elfenbein sind,
darinnen die Wände aus purem Gold.
Diamanten versperren den Blick aus den Fenstern,
die Leute leben gleich Albtraumgespenstern,
von außen schimmernd, doch innen ganz hohl.
Sie tanzen und singen. - In ihren Adern fließt Öl,
im Magen liegen Aktien, in ihren Herzen die Gier.
Die Arroganz sieht nicht den Totentanz.
Es tobt der Wind, er schüttelt die Türme,
die Leute, die halten am Golde sich fest.
Da brechen die Fenster
und Albtraumgespenster
tanzen ihren letzten Tanz.



Vernissage
Vernissage - wie angewurzelt stehe ich vor dem Bild an der
roten Wand und starre gebannt auf einen riesigen weißen
Hamster mit weit geöffnetem Löwenmaul und enormen
Reißzähnen. - >Du musst nur abwarten können<, denke ich,
>es dauert sicher nicht mehr lange und das Werk des
Künstlers wird sich selbst vollenden, der hässliche Hamster
wird einen kurzen Sprung machen und das kleine grüne
dreibeinige gerupfte Suppenhuhn verschlingen, das vor ihm
auf einer Stange einen Kopfstand macht. <
Lange Zeit passiert nichts, überhaupt gar nichts, doch ich
warte geduldigst, hoffe ich doch, dass ...
Als ich vom langen regungslosen Stehen und Starren schon
heftiges Ziehen im Rücken fühle, schwebt eine überaus stu-
dierte Kunstexpertin unverhofft an meine Seite, in ihrem
Gefolge ein Tross großäugig-staunender Menschen.
»Und hier«, so flötet sie, »ein grandioses Werk des Künstlers.
- Sehen Sie nur, nein, fühlen Sie die immense Spannung,
die durch den roten Pinselstrich am rechten äußeren Rand
des Bildes entsteht - einfach genial!«
Gerne möchte ich einwerfen, dass für mich auch ohne besag-
ten roten Pinselstrich schon genügend Spannung im Bild
wäre, denn ich würde nur darauf warten, dass dieses Ham-
stermonster sich auf das dreibeinige federlose Suppenhuhn
stürzt und es samt grüner Haut verschlingt.
Gerade überlege ich mir noch meine Worte, mit denen ich
das Flötensolo der Kunstexpertin unterbrechen kann, als
unter lautem Getöse des Bild von der Wand fällt, vornüber
kippt und in einem Kunstwerk aus massiven geschmiede-
ten Eisenspeeren landet. - Aus ist's mit Suppenhuhn und
Hamster. - Durchbohrt von den Speeren eiserner Kunst
ließen sie ihr Dasein - opferten es für die Kunst. -
Todesstille im Raum; die Spannung steigt - nicht so aller-
dings bei mir: Herrlich befreit, erlöst, geradezu glücklich
eile ich im Sauseschritt hinaus aus den heiligen Hallen, auf
die Straße - zu zweibeinigen Hühnern und kleinen Hamstern.



Im japanischen Garten - Acryl auf Baumwollmalkarton - Sibylle Sophie 2006Den Morgen malen
Den Morgen will ich malen,
wenn frühes Licht,
kaum rosa noch,
das Violett durchbricht,
das eine Sternennacht
zum Abschiedsgruße ließ.
Sommermorgen will ich malen,
wenn kühler Tau auf Wiesen liegt,
Frühnebel über Bächen schwebt
und Rosen Silberperlen tragen.
Frühlingsmorgen will ich malen. -
Beim Liebeslied der Amsel,
beim Duft des Schneeballbuschs
will ich den Morgen malen.



Schwäbische Mundart

Hoimat
Da ben i also en dr Weltgschicht umananderdappt,
han dies und jenes gsäha,
an manche Platz ben i vor Scheeheit fast zsammakracht,
han denkt, s'ka nix Scheeners meh gäba.

Ond komm wieder zrück nach Feuerbach -
merk, was mr de ganz Zeit gfählt hat!:
S'ischt, wo mr uf schwäbisch schempft ond lacht,
s'ischt d'Hoimat. - Ond nix anderschs.





"...und Rosen Silberperlen tragen"
von Sibylle Sophie,
erschienen im R.G. Fischer Verlag, Frankfurt am Main
ISBN 978-3-89950-371-5


Alle Infos zu Sibylle Sophie und ihren Büchern und Werken finden Sie auf ihrer Homepage www.sibyllesophie.de
16.06.2008 Kategorie(n): Feuerbach schreibt