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Feuerbach schreibt
Tiefer als Sherlock
Gudrun Weitbrecht über ihre neue Anthologie


Die Feuerbacher Krimiautorin Gudrun Weitbrecht hat nach ihrer ersten, sehr erfolgreichen Anthologie "Tödliche Kehrwoche" ein Nachfolgewerk veröffentlicht. Der Titel "Mörderisches Ländle" verrät, um was es sich abermals dreht: Kriminalfälle aus Baden-Württemberg. Mit dabei auf ihrer bereits zweiten Publikation ist diesmal auch der bekannte Schriftsteller Heinrich Steinfest. Wir trafen uns mit der Autorin zu einem Interview.

Zur Definition vorab: Der Job eines Herausgebers besteht darin, Werke von anderen Autoren zusammenzutragen und in harmonischer Weise zusammenzufügen, bei dem am Ende eine „Anthologie“ als Gesamtwerk herauskommt, die als Buch veröffentlicht wird. Im Musikbereich ist diese Praxis wohl am ehesten mit einem sog. „Sampler-Album“ vergleichbar.

Gudrun Weitbrechts erste Anthologie „Tödliche Kehrwoche“, verkaufte sich letztes Jahr so erfolgreich, dass sie von ihrem Verlag gefragt wurde, einen Nachfolger herauszubringen. Als einen der dabei teilnehmenden Autoren konnte Weitbrecht für die neue Anthologie Heinrich Steinfest, Träger mehrerer Literatur- und Krimipreise und bekannter Kriminalromane mit surrealistischem Einschlag, gewinnen.


Wir trafen uns mit Gudrun Weitbrecht zu einem ausführlichen Interviewtermin über ihr neues Buch.



Feuerbach.de:
Frau Weitbrecht, in Ihrem letzten Buch „Tödliche Kehrwoche“ gab es von Ihnen lediglich einen Kurzkrimi – gibt es im neuen Buch mehr?

Weitbrecht:
Nein, es ist diesmal auch nur eine Geschichte. Üblich sind eben nur eine oder gar kein Beitrag vom Herausgeber selbst.


Feuerbach.de:
Wie sahen dabei Ihre Aufgaben als Herausgeberin im Einzelnen aus?

Weitbrecht:
Ich fungiere sozusagen als „Erstlektorin“, stelle die Autoren zusammen und suche die Geschichten aus. Dabei mache ich sogar Vorschläge an die teilnehmenden Autoren. Der Verlag lektoriert und korrigiert dann später natürlich auch. Der Herausgeber einer Anthologie hat sozusagen die „Macht“,ein Gesamtkonzept bezüglich der Themen, der Auswahl der Geschichten und der Mitwirkenden zusammenzustellen.


Feuerbach.de:
Wie kamen Sie überhaupt dazu, eine Anthologie herauszubringen?

Weitbrecht:
Das war eine spontane Idee von mir – ich bin in zwei Autorenvereinigungen aktiv und das ergab sich einfach. Ich habe sie dann dem Theiss-Verlag vorgeschlagen, der wollte sowieso seine Krimisparte wiederaufnehmen, und das Ganze passte dann eben gut zusammen. Ich lese darüber hinaus selbst sehr gern Anthologien. Diese Bücher lesen sich „leichter“... und die Themen können vielseitiger aufbereitet werden.


Feuerbach.de.
Woher kennen Sie die an Ihren Anthologien teilnehmenden Autoren und wie läuft so eine Zusammenarbeit dann ab, bei der am Ende eine solche Anthologie herauskommt?

Weitbrecht:
Ich kenne aus den Autorenvereinigungen einige gute Autorenkollegen, von denen bekannt ist, dass sie gut schreiben oder gar Preise gewonnen haben – die habe ich dann einfach gefragt, ob sie mit einer Geschichte bei einer Anthologie dabei sein würden. Und ich habe auch bekannte Autoren wie Heinrich Steinfest einfach angesprochen. Der Prozess läuft dann so ab, dass die Autoren ihre Kurzgeschichten extra für die Anthologie verfassen und zum Thema, das ich grob vorgegeben habe. Bei „Ländle“ war das Thema „Feste und Brauchtumspflege“, bei der „Kehrwoche“ war es „Essen“.


Feuerbach.de:
Seit wann schreiben Sie selbst Krimis?

Weitbrecht:
Seit 2001. Damals verfasste ich meinen ersten Kurzkrimi, der beim Plöger-Verlag unter dem dem Titel „Wein und Leichen“ publiziert wurde – und sogar teilweise vom Hessischen Rundfunk verfilmt und gesendet wurde.


Feuerbach.de:
Es gab also sogar bereits eine Verfilmung Ihres Erstlingswerks?

Weitbrecht:
Eigentlich drehte es sich um ein Portrait von meiner Person als Krimiautorin und der HR „würzte“ diesen Beitrag mit geschauspielerten Clips und Szenen aus meinem Krimi.


Feuerbach.de:
Hat Ihr ursprünglicher Beruf mit dem Autorenberuf zu tun? Und wie kamen Sie dazu, Autorin zu werden?

Weitbrecht:
Nein, mein eigentlicher Beruf ist mal überhaupt nicht künstlerisch - ich bin von Beruf Medizinisch-Technische Assistentin. Als mein Sohn 13 Jahre alt war, wollte ich einfach aus dem typischen Hausfrauendasein ausbrechen und habe meine Kreativität entdeckt. Ein zurück in den Beruf kann ich mir heute nicht mehr vorstellen.


Feuerbach.de:
Andere Autoren schreiben Liebesschnulzen, Fantasyromane, Historienschinken oder Surreales – warum haben Sie sich für die gute alte Krimisparte entschieden?

Weitbrecht:
Meine Krimis sind nicht so typisch, wie man vielleicht denken könnte. Bei mir geht es weniger um das „who done it“-Schema, also die typischen (durchaus an sich spannenden und sehr guten) „Versteckspiele“ a la Conan Doyle oder Christie. Mir ist die Psychologie im Menschen wichtiger als der pure „who done it“ – Effekt. Mein Fokus ist tiefgehender, nach dem Motto „der Täter muss nicht immer gefunden werden, man kann auch selbst mit der Tat abschliessen“...


Feuerbach.de:
Was hat Sie zu Ihrem Kurzkrimi „Von Krokodilen und anderen Tieren“ bewogen, Ihrem eigenen Beitrag zur neuen Anthologie? Und in welchem Maße sind Ihre Geschichten auch autobiografisch?

Weitbrecht:
Bei „Von Krokodilen und anderen Tieren“ wurde ich von einem Zeitungsartikel über das schwere Leben von Menschen, die an der Pragstrasse leben, inspiriert. Sie leiden dort wirklich unter dem Verkehrslärm, Feinstaub und Gestank. Auch war ich in der Wilhelma, bei Wilbär und Co., und habe dort das Leistenkrokodil gesehen, das nun auch in meiner Geschichte verewigt ist und eine Rolle spielt, verwoben mit weiteren fiktiven Gestalten.
Zum Thema „autobiografisch“: Meinem eigenen Charakter liegt das Krimi-Element eigentlich nicht so sehr, da ich ziemlich harmoniebedürftig bin. Ich habe jedoch irgendwie das Bedürfnis, der Frage auf den Grund zu gehen, warum Menschen zu Tätern werden. Ich habe ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl, das ist wohl der Hauptgrund. Mir ist es wichtig, auch die Rolle des Täters als Opfer von anderen „Tätern“ (die nicht immer gewalttätig sein müssen) zu hinterleuchten... Auch habe ich ganz generell immer schon gerne selbst Krimis gelesen.


Feuerbach.de:
Sind Sie eine gebürtige Feuerbächerin? Und was mögen Sie an unserem Stadtteil besonders?

Weitbrecht:
Nein, ich bin keine Feuerbächerin, sondern „nur“ Feuerbacherin. Ich bin in Hessen geboren (deswegen das TV- Portrait des HR über mich), im Rheinland aufgewachsen und seit 1973 in Stuttgart – sozusagen eine „neig’schmeckte“...
An Feuerbach mag ich, dass man sich hier kennt, es nicht so anonym ist wie in einer Großstadt, man sich noch persönlich unterhalten und ein Schwätzchen halten kann... und natürlich dass es viel Natur drumrum hat, dass man gleich im Grünen (oder jetzt im Herbst im Gelb-Roten) ist und trotzdem alle Vorzüge einer Stadt hat.


Feuerbach.de:
Frau Weitbrecht, wir bedanken uns herzlich für dieses Gespräch!





INFO:
Mörderisches Ländle
von Weitbrecht, Gudrun (Hrsg.)
2008, 1. Auflage
176 Seiten. 14 x 21 cm. Kartoniert.
ISBN 978-3-8062-2215-9
EURO 12,00
Erhältlich im Buchhandel

Homepages:
Gudrun Weitbrecht: www.weitbrecht.de
Verlag: www.theiss.de


Klappentext:
Fesselnde Kurzkrimis – Gänsehaut garantiert...

Nach dem großen Erfolg »Tödliche Kehrwoche« jetzt neue mordsvergnügliche Geschichten von vielfach preisgekrönten Autoren!

In der Wilhelma setzt eine vermeintliche Kindsmörderin ihren langgehegten Racheplan in die Tat um, während sich auf dem Wasen ein Taschendieb und eine Rentnerin verbünden, um einen unliebsamen Zeitgenossen loszuwerden. Zwei nicht mehr ganz junge Schwestern kuren in Badenweiler, bis die Eifersucht einen Toten fordert, und die Posaunistin der »Ulmer Münsterspatzen« nimmt den Schwör-Montag zu wörtlich. Ob in Weikersheim, Tübingen, Stuttgart oder Ulm, ob bei Hocketsen, Festen oder auf dem heimischen Balkon, überall lauern wundervoll tödliche und andere kriminelle Geschichten.


06.10.2008

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