Als 'fast ein Lesebuch' bezeichnet die Autorin und Künstlerin Sibylle Sophie ihren neusten Spross - ein noch nicht veröffentlichtes, aber schon fertiges Buch mit Kurzgeschichten und Poesie. Vier exklusive Vorab-Einblicke auf feuerbach.de ermöglicht uns die Autorin, die wir Ihnen pünktlich vor Weihnachten natürlich nicht vorenthalten wollen. Für Freunde gefühlvoller und besinnlicher Poesie, die die Zeit bis zur geplanten Veröffentlichung des neuen Werks Mitte 2010 überbrücken möchten, seien die bisherigen Bücher und CDs der Feuerbacherin empfohlen.
Das geplante Buch wird den Titel 'Gemischte Gerüche und kriminelle Geschichten' tragen und wieder mit 4 farbigen Abbildungen von Malereien der Autorin illustriert sein. Es erscheint wahrscheinlich im Juni 2010 im R.G.Fischer Verlag Frankfurt/Main.
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Die Bücher und Hörbücher sind im Buchhandel, sowie in Feuerbach im Musikalienladen des FMZ, sowie in den Buchhandlungen Hübsch und Schairer erhältlich.
Es riecht nach Kuhzimmer!
(aus 'Gemischte Gerüche und kriminelle Geschichten')
Ein Wort, das Anja damals schuf für die verständnislosen Freunde in der Stadt, die unablässig fragten, wie ihr neues Leben auf dem Lande, in Anjas selbst gewähltem Exil wäre. Es roch einmal nach ‚Kuhzimmer’ und nach ‚Zeit für ein Schwätzchen haben’, doch heutzutage tut es dies ganz und gar nicht mehr. Heute riecht es nach Kunststofffensterrahmen und Laminatfußböden, nach ‚die Milch kommt aus dem Tetrapack’. Es riecht nach moderner Zeit. Der ehemalige Bauernhof mitten im Dorf wurde ein Viersterne-Hotel mit Sterne-Chef und Mützen-Restaurant. Der Kuhstall ist nun ein Luxus-Studio (absolute ‚Privacy’) für gestresste Manager und ausgepowerte Bühnenstars, die Landluft brauchen, Ruhe suchen, um die zerrissenen Nerven wieder in den Griff zu bekommen. In der Scheune, die stilvoll urtümlich belassen wurde, stehen nun die Karossen von wichtigen Leuten, die Zuflucht suchten im Hotel – Karossen mit respektablen Kühlerfiguren. Bei meinem Spaziergang durch das vertraute Dorf, das ich nun kaum mehr wiedererkennen will, so modern und renoviert ist es in den Jahren seit meinem letzten Besuch geworden, ist nur noch dieser eine zu Herzen gehende Lichtblick für mich zu finden: das kleine schiefe alte Haus von Luise, der noch viel älteren, viel kleineren und krumm gebückten Base, die mit ihrem Gehstock auf mich zeigt und vorwurfsvoll ruft: „So, bischt Du au mal wieder in dei Hoimat komma?!“ – ... Und dann riecht es wieder wie zu jener fernen Zeit, als ich noch das kleine ‚Mädle’ war und von der Base Luise eine Schüssel mit frisch gemolkener, noch kuhwarmer Milch zu trinken bekam, dazu einen Kanten vom selbst gebackenen Weißbrotlaib. – „Zom Einbrocka, Mädle,“ sagt sie wie einstmals und schiebt dabei einen Esslöffel zu mir über den betagten Holztisch in ihrer Küche. 'Heimat' heißt der Duft.
Von Sibylle Sophie
www.sibyllesophie.de
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