Keramikkünstler Bernhard Fricker
Die Welt der "Gebäudevasen"
Es mutet fast an, als betrete man ein kleines Märchenhaus, wenn man den Feuerbacher Keramikkünstler Bernhard Fricker besucht... und zugegeben: Das heimelig-urige Holzhäuschen mitten im paradiesisch grünen Garten am Fuße des Feuerbacher Lembergs weckt fast zwingend die Assoziation an eine Villa Kunterbunt oder ein Hexenhaus.
Bernhard Fricker ist Künstler durch und durch, der - wie seine kunstvollen Objekte - auch sein Umfeld entsprechend originell gestaltet. Im Erdgeschoss seines Holzhäuschens, in dem er auch seine gut besuchten Vernissagen veranstaltet, macht er seine Werke der breiten Öffentlichkeit zugänglich und verkauft sie. In den Räumen gleich nebenan befindet sich die Werkstatt mit einem Ofen und das Wohnzimmer.Der gebürtige Stuttgarter, der das Haus von seinen Grosseltern und Eltern geerbt hat und in der selten angenehmen Lage ist, mitten in einer idyllischen Schrebergartenkolonie wohnen zu dürfen, hat die Kunst bereits mit der Muttermilch aufgesogen. Seine Eltern waren beide Künstler - der Vater ein Aktions-, die Mutter eine Keramikkünstlerin. Zudem hat er noch eine Schwester, die - drei Mal darf man raten - natürlich auch Keramikerin ist.
Fricker nahm an etlichen Ausstellungen und Messen teil, hat eine treue Stammkundschaft und geniesst einen hervorragenden Ruf, weil das, was er macht, wohl so kein zweiter macht: Er stellt Keramikvasen her, die in der "Keramikkünstlerszene" berühmt-berüchtigt sind - sogenannte "Gebäudevasen"!
Auf den ersten Blick sind das seltsam anmutende Gebilde in weiss-blauer Farbe, innen hohl und aussehend wie ein Hochhauskomplex oder ein architektonisches Werk von Hundertwasser in weiss-blau - jedoch haben sie immer oben eine Öffnung: Ja, es sind echte Vasen, in die man Blumen, andere Gestecke oder Dekorationen hineintun kann. Unter Kennern und Liebhabern sind seine Vasen sehr begehrt und es kommen Leute von weit her, um sie zu kaufen. Einige dieser Kunstwerke sind sogar im badischen Landesmuseum ausgestellt.
Ähnlich, wie es eine bestimmte Form oder Stil einem Künstler "angetan" hat, hat sich Bernhard Fricker mehr und mehr der architektoralen Form zugewandt: Eckige (manchmal auch runde) gebäudekomplexartige Formen, die an phantastisch anmutende hochhausähnliche oder burgenartige Gebilde oder auch seltsam geformte Öfen erinnern, meist auf Füßen stehen und eine prägnante gitter- und ziegelmusterartige blaue Bemalung aufweisen.Diese Vasen kann man getrost als Keramikarchitektur bezeichnen - wenn auch nicht durch perfekte Linien und genaue Winkel bestechend, sondern vielmehr durch eine gewisse kindliche Frei- und Eigenwilligkeit.
Wobei wir bei des Pudel's Kern wären: Frickers Werke bestechen durch ihre Verspieltheit statt durch kühle Perfektion, durch Freiheit im Ausdruck statt durch eng gefasste dogmatisch vorgegebene Schematas. Sie inspirieren die Imagination des Betrachters beim Anschauen, anstatt dessen Fantasie in starre Bahnen und in enge Schubladen zu lenken.
In unserer heutigen Zeit, in der das Staunen und das eigene, tiefe Imaginieren, Fantasieren und Träumen des Menschen so kurz gehalten wird, so reguliert, gemessen, gestückelt und gefesselt wird, ist es gut zu wissen, dass es Künstler wie Bernhard Fricker gibt, die es verstehen, durch ihre Kunst im Betrachter neue Saiten anzuschlagen. Und auch wenn dies gar nur aufgrund des Wunderns ob dieser fremdartig-kuriosen Objekte seiner Gebäudevasen geschieht: Der Mensch hat dies dringend nötig!
Bernhard Fricker
1960 geboren in Stuttgart1975-79 Ausbildung zum Keramiker bei Harald Meyer-Schönbohm, Aalen
1979-85 Studium an der Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung, Linz, Österreich
1986-90 Mitarbeit im elterlichen Keramikbetrieb in Stuttgart
seit 1991 freischaffend im eigenen Atelier, Stuttgart-Feuerbach
seit 1992 Mitglied des Bundes für Kunsthandwerker Baden-Württemberg e.V.
Ausstellungen
2005 Kunstpreis der Sparkasse Karlsruhe, "Bildhauer als Maler und Zeichner", Sparkasse Karlsruhe, Karlsruhe2004 Westerwaldpreis, Westerwald Keramikmuseum, Höhr-Grenzhausen
2003 Galerie "Freitags", Alzenau (mit Cynthia Kurth)
2002 Kunsthandwerk Baden-Württemberg, Landesausstellung, Esslingen Keramik Offenburg, "Gefäß und Plastik", Offenburg
2001 Einzelausstellung in der "Volksbank Zuffenhausen e.G.", Stuttgart-Zuffenhausen
2000 Kunsthandwerk Baden-Württemberg, Landesausstellung, Schwäbisch-Hall
1999 Galerie im Chor, Schwäbisch Gmünd, (mit Thomas Weber)
1998/99 "Sammlung Lütze V", Keramische Gefässe des 19./20. Jhdts. aus Süddeutschland, Majolika-Museum, Karlsruhe und Lütze-Museum, Sindelfingen
1998 Galerie Keim, Stuttgart-Bad Canstatt, (mit Thomas Heger) Eberhard-Ludwig-Kaseme, Ludwigsburg, (mit Thomas Weber und Arbeiten aus der Sammlung Klaus Peysan) Kunsthandwerk Baden-Württemberg, Landesausstellung, Laupheim1997/98 "Alltagslust", Haus der Wirtschaft, Stuttgart-Landesgewerbeamt, Karlsruhe
1997 Johanniterstift, Plochingen
1995 Kunsthandwerk Baden-Württemberg, Galerie im Prediger, Schwäbisch Gmünd
1992-94 Kunsthandwerk Baden-Württemberg, Haus der Wirtschaft, Stuttgart
Arbeiten im Badischen Landesmuseum, Karlsruhe und in zahlreichen Privatsammlungen

Keramikatelier Bernhard Fricker
Tannenäcker Str. 48
Öffnungszeiten: Mi. u. Do. von 15 - 19 Uhr
oder nach telefonischer Vereinbarung: 815604