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Feuerbach ART
Das Mädchen mit dem Glasperlenohrring
Zu Gast bei der Glasperlendreherin Carla di Francesco

Viele assoziieren den Begriff "Glasperle" oft nur mit Murmeln - das trifft die Sache in etwa so, wie wenn man sagen würde, russischer Kaviar sei ein Nahrungsmittel, Champagner ein Getränk und eine Stradivari ein Instrument zum Musikmachen. Die jahrhundertealte Kunst des Glasperlendrehens ist jedoch vielmehr Faszination Pur, glasgewordener Traum ... und vor allem - wahre Kunst! Carla di Francesco lud uns ein zu einer spannenden Reise in ihre Glasuniversen, auf die wir nun auch Sie mitnehmen möchten!

"Perlen werden geboren, erschaffen und mit Liebe geformt... im Feuer beginnen sie ihr Leben und sind einzigartig wie du und ich" - mit diesen Worten heisst die Feuerbacher Glasperlenkünstlerin Carla di Francesco Besucher willkommen, die sich ihre Homepage anschauen. ...Und es gibt wohl kaum bessere Worte zur Einführung in die faszinierende Kunst des Glasperlendrehens - eine Kunst, die noch so schmerzlich unbekannt ist...

Diesen Schmerz ein wenig zu lindern, haben wir nun vor und möchten Ihnen die Schöpferin von Hosentaschengalaxien, Froschkönigen, Adleraugen und Tiefseelandschaften in einem ausführlichen Portrait hier näher vorstellen.

Im neuen Werkstattdomizil im ehemaligen Haus von Modellbau Richter in der Burgenlandstrasse 76 erwartete uns die italienischstämmige Glasperlenkünstlerin, die die schönste Glasperle Deutschlands 2005 erschuf, mit einer Riesentasse Latte Macchiato. Wir bekamen die Gelegenheit, in Glasperlenuniversen, Unterwasserwelten und märchenhaften Reichen voll Farbe, Fantasie, Tiefe und Faszination eintauchen zu können. Die üppigen Räumlichkeiten für die kleinen Schmuckstücke aus Glas machten uns erst stutzig - liessen sich jedoch mit den Gerätschaften, die man zur Herstellung der Perlen benötigt und der Absicht der Künstlerin erklären, auch grössere Objekte nebst deren Erschaffer darin einzuführen: Es ist nämlich geplant, dort ein neues Kunstzentrum zu gründen! Aber davon ein ander Mal mehr...

Carla die Francesco bietet jedoch schon jetzt jedem, der Interesse hat, sich selbst in dieser faszinierenden Kunst zu versuchen, Kurse in unterschiedlichen Glasperlenkategorien wie "Blümchen", "Hosentaschengalaxien", Augen", "Fröschchen" usw. inklusive einem mehrstündigen Grund- und Einführungskurs zu fairen Preisen an! Mehr Infos auf ihrer Homepage (siehe unten).



Wie alles begann...
"...Es war einmal ein Mädchen, das ihr ganzes Leben immer und immer wieder auf der Suche war..., auf der Suche nach Farben in ihrer Welt, ...in fremden Welten und Nebenwelten, in Mittwelt, Jetztwelt und Anderswelt....in Träumen ... Sie lebte wie Du und ich in der blauen oder mehr oder weniger grauen Welt, die sich die Menschen erschaffen hatten, und begnügte sich mit ein paar grünen Fleckchen hier und da, ein paar mehr oder weniger bunter Blümchen, da und dort, und trotzdem suchte sie etwas was sie mitnehmen konnte, etwas das Farbe in ihr Leben bringen konnte, wann immer sie wollte...
So ging sie eines Tages im Netz spazieren, wie es üblich ist im Leben der Menschen des 21ten Jahrhunderts, in der realen Welt ist es für Spaziergänge allein in der Nacht doch zu gefährlich und so bewegt sich das Mädchen eben durch die Straßen und Welten der Einsen und Nullen, und siehe da: Sie fand Farbe, und sie fand einen Meister der sie lehrte die Farben in kleine Kugeln, in kleine Welten zu zaubern, Welten die sie überallhin mitnehmen konnte, kleine Galaxien, die sie den Menschen bringen konnte um auch deren Leben in Farbe zu tauchen..."

Mit diesen eigenen Worten der Künstlerin, die auf ihrer Homepage als Begrüssung zu finden sind, ist bereits grob beschrieben, wie alles begann: Die Frau, die von sich selbst sagt: "Ein Teil von mir ist italienisch, der andere stammt aus der deutschsprachigen Ex-Tschechoslowakei. Man könnte auch sagen: Die italienische Glaskultur (Murano) traf auf die Glaskunst der Tschechen (Gablonz)... Das ist aber nur ein netter Versuch um meine unstillbare Lust an der Begegnung mit dem Glas zu rechtfertigen.... ;-) " fand sich eines Tages vor einem Brenner wieder und brannte und drehte drauf los.
Inspiriert durch die wunderschönen Werke von "echten Glasperlendrehprofis", an die sie nie geträumt hätte, mit ihren eigenen Stücken auch nur ansatzweise heranzukommen, kam dann nach und nach ein derart starkes Talent zum Vorschein, das sie höchstselbst manchmal fast nicht wusste, wie ihr geschah. Gleich mit der ersten Perle kam die lust und das verlangen "nie wieder etwas anderes machen zu wollen". Perlendrehen ist für die Künstlerin Magie und "Meditation vor der Flamme", das Glasperlendrehen hatte sie in ihren Bann gezogen und bis heute nicht mehr losgelassen. Das war vor ca. 3 Jahren.

Das "Wunder von Wertheim"
Wahre Explosionen an Inspiration, Ideen und Formen schwemmten Carla di Francesco dann in kurzer Zeit nicht nur in die Nähe ihrer einstigen Vorbilder - sondern sogar noch darüber hinaus. Im Herbst letzten Jahres nämlich geschah etwas, was man auch objektiv nicht anders als ein "kleines Wunder" betiteln kann: Carla die Francesco wurde vom "Verein Glasperlenspektrum e.V." eingeladen, sich zu deren alljährlicher "Glasperlenolympiade" - dem Glasperlensymposium in der Glasstadt Wertheim (dem Deutschland- Mekka für Glas und Glasperlenliebhaber) - anzumelden. Es war ihr erstes Mal und sie war glücklich und geehrt, dort überhaupt dabei zu sein, sich mit all ihren Vorbildern und Kollegen austauschen zu dürfen und ihre Perlen gemeinsam mit ihnen mit ausstellen zu können. Die drei Tage des Symposiums gestalteten sich dann für die Künstlerin "wie ein Traum": Dem Austausch mit all denen, die sie bereits aus dem Internet kannte, der Erschliessung neuer Inspirationen und Kontakte folgte schliesslich ein Ereignis, das sie noch jetzt kaum glauben kann: Bei der alljährlichen Auslosung der schönsten Glasperle Deutschlands wurde ihr Beitrag - eine wunderschöne rote Perle mit Metall- und Silbereinschlüssen, von der sie schon von Anfang an intuitiv wusste, dass sie diese und keine andere ins Rennen schicken würde - vom Publikum zur schönsten Glasperle Deutschlands des Jahres 2005 gewählt!
Da das Glasperlensymposium im wunderschönen und altehrwürdigen Saal des alten Rathauses von Wertheim stattfand und an allen drei Tagen bestens besucht war, war das für die Künstlerin ein fantastisches Kompliment und ihr Schaffen erlangte eine ihm gebührende Wertschätzung, zog fremde Menschen in ihren Bann und faszinierte sie!

Jene "Siegerperle" ist nun nach einigen Monaten der Ausstellung im Glasperlenmuseum im Wertheimer Glasmuseum wieder bei Carla di Francesco zu Hause und kann von jedem, der will, in ihrer Werkstatt (nach telefonischer Voranmeldung) persönlich begutachtet (jedoch leider nicht gekauft) werden, denn sie gehört ihrem Vater, ihrem Mentor und Sponsor der sie im letzten Jahr mit allen Mitteln unterstützt und gefördert hat, um den Weg einschlagen zu können den sie sich mehr gewünscht hatte als alles andere.

Die Künstlerin, die, wie sie sagt, auch oft von ihren Perlen träumt, erzählte uns, was sie inspiriert und womit sie Probleme hat: "Ich kann am besten spontan Perlen erschaffen. Exakte Vorgaben sind schwierig für mich, weil ich ein impulsiver und spontaner Mensch bin. Ebenso kann ich nur schwer Perlen für fremde Menschen machen, die ich nicht kenne, deren Persönlichkeit ich nicht in der Perle, die ich in ihrem Auftrag anfertige, widerspiegeln kann! Inspiriert werde ich neben der Liebe zu meinem kleinen 8-jährigen Sohn durch die Fülle des Lebens, vor allem der Natur; der Jahreszeiten, des Meeres, des Himmels, der Nacht, der Farben usw. ..."

Glasperlenhistorie - Perlen als Schmuck, Tauschmittel und Währung

Glas, eine Mischung aus Quarzsand, Pottasche und Kaliumkarbonat, die mit Kalk erhitzt wird, wurde vor etwa 9000 Jahren in Ägypten erschaffen. Zuvor gab es nur das glasähnliche Material "Obsidian", das vermutlich durch Vulkanausbrüche unter dem hohen Druck und der immensen Hitze entstand. Bis ca. 4000 v. Chr. lässt sich die Geschichte der Glasperlen, über Mittelalter, Römer und Griechen bis zu den alten Ägyptern nachverfolgen; oft verwendet als edler Schmuck, Zahlungsmittel, aber auch als Tauschmittel für Gold und Edelsteine, lässt sich die Faszination aller Kulturkreise an diesem faszinierenden Element nur ansatzweise erahnen. Die faszinierende Geschichte der Perlen zieht sich aber auch über den ganzen Globus hin, sie ist in allen Kulturen (Indien, Skandinavien, Ägypten, Griechenland usw.) präsent und war es zu allen Zeiten der Geschichte. In Ägypten unterschied man bei der Fertigung sogar nach unterschiedlichen Zünften, je nachdem, welche Materialien und Techniken verwendet wurden. Viele spezielle Herstellungstechniken und Vorgehensweisen waren von Mythen und nebulösen Geheimnissen umgeben, und das oft nicht unbeabsichtigt. Seit den Zeiten der Renaissance beispielsweise wurde in Venedig die Techniken der Glasperlenherstellung ausschliesslich mündlich weitergegeben, und das ist bis heute so geblieben. Dort verschiffte man die Glashersteller im Jahr 1292 auf die vor der Lagune gelegene quarantäneartig abgeschirmte Insel Murano, von wo aus sie auch nur sehr schwer und nur mit Sondergenehmigungen und anderen Kontrollen wieder fortkamen. Unter Androhung der Todesstrafe war es den Glasmachern verboten, ihr Geheimnis in die Welt hinauszutragen. Das weltberühmte Muranoglas - mit dem auch Carla di Francesco arbeitet - ist heute noch DER Stoff, aus dem Glasperlenträume gebrannt sind und besitzt einen ähnlichen Ruf wie z.B. Carrara-Marmor.
Heute muss zwar niemand mehr für das Weitergeben von Geheminissen sterben, aber eine gewisse Zensur und Kontrolle ist immer noch lebendig: So wird z.B. in Jablonec, dem Perlenzentrum der Tschechoslowakei, der Export von Perlen trotz der großen Nachfrage stark eingeschränkt, denn in den Fabriken können Facharbeiter pro Tag und Kopf nur 240 Perlen herstellen.


Zu besichtigen ist das Glasperlenatelier von Carla di Francesco in der Burgenlandstr. 76 nach telefonischer Vereinbarung unter Handy: 0171-5451476 oder Tel.: 0711-4115843. Weitere Infos auch im Künstlerportait von Carla di Francesco oder unter www.carlee.de

Infos zu den Kursangeboten von Carla di Francesco gibt's hier


Hier haben wir zum Abschluss noch ein paar glasperlige Genüsse für die Augen!
















































16.01.2006

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