Mit Slogans wie "In Flaschen über die Straße" oder "Wir wollen Wulle" verkaufte man früher Bier. Oder kennen Sie noch die Stuttgarter "Tivoli-Brauerei" oder das "Edelbräu"? Andreas Bosse hat im Laufe der Jahre eine einmalige Sammlung an teils kuriosen alten Schildern von teils noch, teils nicht mehr bestehenden regionalen Brauereien zusammengetragen, von welcher derzeit ein Teil in einer Ausstellung in Stuttgart zu sehen ist.
Nostalgisch, schön, kurios und in jedem Fall hochinteressant sind die teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert stammenden Stücke, die der Inhaber des traditionsreichen Feuerbacher Getränkemarktes Streng derzeit im Hotel Unger am Hauptbahnhof (direkt hinter dem Hotel Steigenberger - ehem. Graf Zeppelin) ausstellt.
Wir haben mit Andreas Bosse über seine Schildersammlung gesprochen.
"Herr Bosse, wie lange sammeln Sie schon alte Schilder und wie kamen Sie dazu?"
"Ich sammele bereits seit 25 Jahren. In meinem Getränkemarkt habe ich damals durch Zufall einige alte Schilder entdeckt, die ich dann aufgehängt habe. Dann versuchte ich, weitere dazuzubekommen - und schnell war die Sammelleidenschaft geweckt."
"Wo haben Sie all diese Schilder her?"
"Das ist unterschiedlich; von Flohmärkten, selber gefunden, einige habe ich in Gasthäusern entdeckt und sie kurzerhand den Besitzern abgekauft, geschenkt bekommen oder gegen einen Kasten Bier getauscht... manche Schilder hat man nach dem 2. Weltkrieg sogar als provisorische Hausdachabdeckung benutzt..."
"...und wie viele Exemplare haben Sie bis heute zusammengesammelt?"
"Das müssten mehrere Hundert sein."
"Sie haben derzeit einen kleinen Teil Ihrer Sammlung - 50 Exemplare - in einer Ausstellung im Stuttgarter Hotel Unger dem öffentlichen Publikum zugänglich gemacht. Welche Aussage oder "Message" sollen diese Bilder transportieren?"
"Ich sammle zu Dokumentationszwecken, nicht aus Wertgründen - obwohl auch einige wertvolle Exemplare dabei sind. Ich will einfach diese schönen alten Schilder erhalten und damit zeigen, was einst "In" war. Wenn man sich heutige Markennamen und Slogans von Getränkeherstellern anschaut, erscheinen solche Werbungen vergangener Epochen unseren von täglicher raffiniert gestalteter und psychologischer Werbeberieselung geprägten Ohren und Augen fremdartig, naiv oder kurios. Sie können einem aber bei näherem Hinschauen auch bewusst machen, was man vielleicht als gesundes Maß an Produkt-Information bezeichnen kann. Die Werbung von damals war viel mehr auf das eigentliche Informieren als auf das Manipulieren ausgerichtet. Die schlichten und konkreten Infos über das Produkt und die harmlos-fröhlichen Sprüche erscheinen heute geradezu naiv, jedoch strahlen sie eine unbekümmerte Unschuld aus... die uns heute ehrlichgesagt wieder gut täte..."
"Herr Bosse, vielen Dank für das Gespräch!"
Die Schilder sind noch bis Mitte Juni im Hotel Unger, Kronenstraße 17, 70173 Stuttgart
www.hotel-unger.de, ausgestellt.
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