Kriminelle Energie
durch Maultaschen und Rostbraten
In ihrer Anthologie "Tödliche Kehrwoche" verbindet die Autorin Gudrun Weitbrecht Gemütlichkeit und Mord in der Literatur. Was zeichnet einen guten Krimi aus? Erstens: Das Mordopfer hat es zu Recht erwischt. Zweitens: Maultaschen, Rostbraten und Flädlesuppe spielen eine Rolle dabei. Nachzulesen bei der Feuerbacher Autorin Gudrun Weitbrecht in ihrer Krimianthologie "Tödliche Kehrwoche". Auch wenn uns unsere nächsten Nachbarn am liebsten über unser Putzverhalten klassifizieren: "Tödliche Kehrwoche" trifft als Buchtitel den Kern der Sache nur insofern, dass in den 14 Geschichten mal so richtig aufgeräumt wird - und zwar bevorzugt im engsten Familien- und Freundeskreis. Auffallend ist jedoch, dass davor oder danach meist ausgiebig gegessen wird. Schwäbisch natürlich, wie es sich bei einer Tour de Ländle in Sachen Mord und Totschlag gehört: Da ist der Zwiebelrostbraten saftig, der Trollinger mundet, und das Maultaschenrezept, das von Generation zu Generation weitergereicht wurde, ist sogar einen hitzigen Kleinkrieg mit tödlichem Ausgang wert.
"Stimmt schon", gibt Gudrun Weitbrecht zu, "dass viel und gut gegessen wird, das war die Aufgabe, die wir uns gestellt hatten." Außerdem sollten die Geschichten mit Witz und Gerissenheit daherkommen. Schwäbisch knitz eben. Sie selbst hat die Geschichte "Das Familienfest" beigesteuert, in der das Blut am Schluss die gleiche Farbe hat wie der süffige Brombeerwein, den es zuvor zum Essen im gar nicht mal so trauten Familienkreis gab. Was genau dabei geschieht, erfahren Interessierte übrigens demnächst im Feuerbacher Bürgerhaus: Dort will die Herausgeberin die Anthologie vorstellen und auch einige eigene Kurzkrimis lesen.
Ihre 13 Mittäter für die "Tödliche Kehrwoche" hat Gudrun Weitbrecht unter befreundeten Krimiautoren gefunden und unter den Mitgliedern der "Mörderischen Schwestern", einer Autorinnen-Gruppe, die sich dem Krimi-Genre verschrieben hat. Wie sie erzählt, habe sie außerdem einen Aufruf auf einer Internetseite für Krimi-Autoren platziert. "Zu diesem Zeitpunkt hatte ich aber noch keinen Verlag gefunden, das kam erst später." Später kam auch das Lektorat und das Korrektorat, bis sie jetzt die fertige Anthologie in Händen halten kann. "Das war richtig viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt."
Herausgekommen sind dabei 14 Kurzkrimis, die unterschiedlicher eigentlich nicht sein könnten: In "Haben und Nichthaben" von Silvija Hinzmann begeistert die überraschende Wendung zum Schluss, denn der letzte Vorhang fällt für den fiesen Schwiegersohn doch auf andere Weise als erwartet. In "Topinambur" von Niklaus Schmid macht der herrlich schnodderige Ton und ein falscher russischer Akzent die Musik. Und Tatjana Kruses Ich-Erzähler in "Auf dem Land, da gibt"s koi Sünd" stellt ausgesprochen lässig Ruhe und Ordnung im Dorf wieder her. Gar nicht knitz, aber dafür sehr atmosphärisch ist "Der Feuerraum" von Sandra Lüpkes: Onkel Ottmar war für das Heizen zuständig, doch jetzt ist es kalt. Der Ofen ist aus - in jeder Beziehung. Denn Schritt für Schritt arbeitet man sich beim Lesen durch Asche und Schlacke und stößt auf ein finsteres Familiengeheimnis.
Von Susanne Müller-Baji
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau