'Ein gutes Gefühl, wenn's anderen besser geht'
Ashoka-Jugend-initiative unterstützt engagierte Jugendliche.
'Wir wollten helfen', sagt Ellen. Wie und wem genau, das hatten sich die Sechstklässlerin des Leibniz-Gymnasiums sowie ihre beiden Freundinnen Antigona und Marina noch gar nicht richtig überlegt, als sie das erste Treffen der Ashoka-Jugendinitiative besuchten. Aber das mussten sie auch nicht - denn Ziele und Themen zu finden, dabei wurde ihnen von den Trainern der Initiative geholfen. Seit 2008 gibt es diese in Stuttgart, ursprünglich wurde sie in den USA gegründet. Grundidee war und ist, dass Jugendliche andere Jugendliche dabei unterstützen, in der Gesellschaft aktiv zu werden - ohne ihnen konkrete Projekte vorzugeben. Und zwar auf der ganzen Welt. "Wir begleiten die Jugendlichen auf ihrem Weg und helfen ihnen beim Planen oder beim Lösen von Problemen", sagt Nathalie Kho, die die Ashoka-Initiative in Stuttgart leitet. Denn es werde davon ausgegangen, dass Jugendliche selbst ein Gefühl dafür hätten, was es zu verbessern gebe.
In Stuttgart gibt es inzwischen insgesamt 20 Trainer, die auch eine entsprechende Ausbildung haben, und 40 Jugendliche, die sich engagieren. Ihre Ideen könnten unterschiedlicher nicht sein: ein Team hilft im Altersheim, ein anderes im Tierheim. Ein Team kämpft gegen Mobbing, ein anderes gegen Rauchen an der Schule. "Daran ist interessant, dass dieser Wunsch von den Jugendlichen kommt, und nicht wie so oft von der Schule", sagt Nathalie Kho. Ellen, Antigona und Marina haben sich überlegt, dass sie backen und damit andere Menschen unterstützen wollen. "Im Fernsehen haben wir dann eine Dokumentation über eine Frauenklinik in Kongo gesehen", berichtet Ellen. Dort finden oft Frauen und Mädchen Zuflucht, die vergewaltigt oder misshandelt werden. "Wir fanden schlimm, was dort passiert, deswegen wollten wir für dieses Krankenhaus Geld sammeln", sagt Antigona. Am nächsten Dienstag, beim Schulfest des Leibniz-Gymnasiums, wollen sie zum ersten Mal Muffins und Crepes verkaufen - unter dem Motto "Helfen schmeckt gut". Die Trainer der Ashoka-Jugendinitiative haben sie zum Beispiel dabei beraten, wo sie einen Stand herbekommen. Die Mädchen freuen sich auf ihren Einsatz: "Es ist ein gutes Gefühl, wenn es anderen besser geht, weil wir ihnen geholfen haben", sagt Ellen. Unterstützt werden sie auch von ihrer Lehrerin Anja Böge: "Es gibt ja oft soziale Projekte an Schulen. Aber ich habe das Gefühl, dass das hier Kontinuität hat. Außerdem lernen sie beim Organisieren und Planen etwas für"s Leben." Die drei Sechstklässlerinnen sind übrigens nicht die einzigen am Leibniz-Gymnasium, die sich an der Ashoka-Jugendinitiative beteiligen. Auch Sophie, Sarina und Sybille sind mit dabei. Die Zehntklässlerinnen widmen sich jedoch einem ganz anderem Thema: "Wir möchten, dass sich Jugendliche besser kennenlernen", sagt Sophie. "Es ist einfach schade, dass zum Beispiel Gymnasiasten kaum etwas mit Hauptschülern zu tun haben", sagt Sarina. Zuerst dachten die drei Mädchen daran, ein Festival zu organisieren, "doch eigentlich sollte es ein fortlaufendes Projekt sein. Deswegen möchten wir verschiedene Abende organisieren, an denen es immer um ein anderes Land geht", sagt Sybille. Und zwar für Jugendliche aufbereitet - also mit Musik aus dem Land, Bildern oder Essen. Der erste Abend zum Thema Indien soll im Herbst stattfinden. "Das ist ein riesiger Aufwand und eine Herausforderung. Aber wir wollen durchhalten."
Mehr Infos über die Initiative gibt es im Internet unter www.ashoka-jugendinitiative.de.
Von Isabelle Butschek
Mit frdl. Genehmigung der Nord-Rundschau