Viel zu bedeutend, um sich nicht an ihn zu erinnern

Auf Besuch im Atelierhaus des Feuerbacher Künstlers Wilhelm Imkamp

Maximilian Imkamp vor Bilden seines Vaters in dessen ehemaligem Atelierhaus. Er bewohnt es heute mit seiner Frau. Alle Fotos: feuerbach.de Bild 1 von 15: Maximilian Imkamp vor Bilden seines Vaters in dessen ehemaligem Atelierhaus. Er bewohnt es heute mit seiner Frau. Alle Fotos: feuerbach.de

Als einer der wichtigsten Feuerbacher Künstler hinterließ Wilhelm Imkamp ein Gesamtwerk, das Bedeutung weit über die Feuerbacher und Stuttgarter Grenzen hinaus hat.

Äußerst disziplinierter Arbeiter, Freund und Schüler Wassily Kandinskys, gut bekannt mit den bedeutendsten Kunstschaffenden, Kunsthändlern und Museumsdirektoren im Land, im Kriege ausgebombt und schließlich 1979 vom damaligen Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth mit einem Ehrenprofessorentitel gewürdigt - Wilhelm Imkamp hatte ein wahrhaft bewegtes Leben hinter sich, als er 1990 starb. Zusammen mit seinem Malerkollegen Otto Herrmann und dem Pianisten Werner Haas teilt Imkamp aber auch ein stückweit das Schicksal, in seinem (Wahl-)Heimatort nahezu unbekannt geblieben zu sein, während er es jenseits der Feuerbacher Gemarkungsgrenzen zu Bekanntheit und Ruhm brachte.

Wir haben über die Person Wilhelm Imkamp bereits einmal hier berichtet, uns hat nun mehr sein Werk interessiert. Deshalb haben wir seinen Sohn Maximilian Imkamp besucht, der noch im elterlichen Atelierhaus auf der Feuerbacher Seite des Killesbergs lebt und den Nachlass seines Vaters verwaltet. Das Werk, das Imkamp hinterließ, als er 1990 starb, war umfangreich und hatte Bedeutung für das Land Baden- Württemberg und weit darüber hinaus. Über dreißig deutsche Museen besitzen Bilder von ihm. Der Künstler, der von 1953 bis zu seinem Tod in Feuerbach lebte, war in der Zeit nach dem Krieg in der glücklichen Lage, vom „Nachholbedarf“ an abstrakter Kunst, die während des 3. Reiches als "entartet" unterdrückt wurde, profitieren zu können und mit seinen Bildern das in vielen Menschen wiedererwachte Bedürfnis nach Freiheit, Lebens- und Farbenfreude anzusprechen.

Das ehem. Atelierhaus von Wilhelm Imkamp. Foto: feuerbach.deEr war, so berichtet sein Sohn, zudem ein disziplinierter Arbeiter, der täglich von Morgens bis Abends an seinen Bilder feilte und dank diesem Fleiß auch immer von seiner Kunst leben und auch seine Familie ernähren konnte. Wie für viele andere bedeutende Künstler waren die Kriegsjahre für Imkamp eine harte Zeit, in welcher er jedoch durch den Einsatz in einer Baukompanie und später als Porträt- und Kriegsmaler seiner inneren pazifistischen Grundhaltung treu bleiben konnte. In der Wiederaufbauzeit fingen auch für Imkamp die besseren Jahre an. 1951 brachte ihm eine große Ausstellung mit seinen abstrakten Gemälden einen wichtigen Karriereschub, wonach zahlreiche Museumsdirektoren regelmäßig bei ihm ein- und ausgingen, um Bilder anzukaufen. Die spätere Zusammenarbeit mit den schwäbischen Kunsthändlern Schlichtenmaier, den damals bedeutendsten Händlern für moderne Kunst im Südwesten, sollte seinen Erfolg noch steigern. Imkamp gilt spätestens seitdem endgültig als bedeutender Maler von nationalem und internationalem Rang.

Sein Sohn Maximilian Imkamp hat uns beim Besuch dankenswerterweise einzigartige Einblicke ins Schaffen seines Vaters ermöglicht. Er spielte darüber hinaus für das Kunstgeschehen Feuerbachs auch selbst eine bedeutende Rolle: Nach dem Studium der Bildenden Künste und der Kunstgeschichte war Maximilian Imkamp Lehrer am Porsche-Gymnasium in Zuffenhausen, am Hölderlin-Gymnasium in Stuttgart und schliesslich 13 Jahre am Leibniz-Gymnasium in Feuerbach tätig. Dort war er als Studiendirektor, neben der Lehrertätigkeit, als Fachberater für das Regierungspräsidium und in der Schulaufsicht eingesetzt.
Für die namhafte Schwerpunkt-Galerie im Feuerbacher Leibniz-Gymnasium hat er in diesen 13 Jahren, wie er betonte, „mit viel Freude und Vergnügen“ zahlreiche Ausstellungen zeitgenössischer Künstler organisiert, um Schülern den Umgang mit Kunst zu ermöglichen. In dieser Zeit wuchs die Bedeutung der Schwerpunkt-Galerie weit über die schulischen sowie die Feuerbacher Grenzen hinaus und sie entwickelte sich zu einer namhaften Kunstgalerie in Stuttgart.


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Veröffentlicht am 14.09.2017