„Stromhäuschen“ als Leinwand:

Graffiti mit historischem Bezug im Stuttgarter Norden

Einige Eindrücke der frisch gestalteten Umspannstation / öffentlichen Toilettenanlage der Stuttgart Netze und des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft Stuttgart/AWS. Fotos: AWS Bild 1 von 2: Einige Eindrücke der frisch gestalteten Umspannstation / öffentlichen Toilettenanlage der Stuttgart Netze und des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft Stuttgart/AWS. Fotos: AWS

Die Stuttgarter Graffitikünstler „2WEI Urban Art“ haben die Außenfassade der Umspannstation Helfferichstraße 2/1 der Stuttgart Netze in S-Nord zum Schaufenster in die Vergangenheit des Viertels gemacht.

Auf halbem Weg zwischen Innenstadt und Kräherwald befindet sich die Helfferichstraße. Die alleeartige, in der Mitte von stattlichen Bäumen gesäumte Straße verbindet die Birkenwald- mit der Parlerstraße und gehört zu einem aus stadtplanerischer Sicht besonders schützenswerten Viertel der Landeshauptstadt. Gleich zu Beginn des Grün- und Parkstreifens sind im Gebäude Helfferichstraße 2 eine Umspannstation der Stuttgart Netze und eine öffentliche Toilettenanlage der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) untergebracht. Die Fassade des rechteckigen Baus war jedoch schon länger mit illegalen Graffiti beschmiert und gab optisch kein schönes Bild mehr ab.

Stuttgart Netze und AWS haben vor einigen Monaten daher Kontakt zu Florian Schupp, dem Graffitibeauftragten der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft aufgenommen. Der Auftrag: Das Gebäude in ein optischen Highlight in der Helfferichstraße zu verwandeln, dabei jedoch Motive und Farbgebung so auszuwählen, dass sie dem Viertel angemessen sind.

Professionelle Gestaltung des öffentlichen Raums
Das Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen: Im Aquarell-Stil haben die Graffitikünstler „2WEI Urban Art“ - Jan Haas und Roman De Laporte (@dingobabuschart bzw. (@jack_lack_ auf Instagram) - einige Gebäude der näheren Umgebung auf die Fassade gebracht und so ein Stück Vergangenheit des Stuttgarter Nordens auferstehen lassen. „Die Gestaltung war anspruchsvoll, aber wir lieben solche Herausforderungen. Es freut uns, mit unserem Kunstwerk einen kleinen Teil zur professionellen Gestaltung des öffentlichen Raums beizutragen“, sagen die Graffitikünstler, die schon zahlreiche Flächen in Stuttgart – unter anderem auch die Stuttgart Netze-Umspannstation in der Neckartalstraße 276 –gestaltet haben.
Für die Nutzer der Immobilie erfüllt die Bemalungsaktion gleich mehrere Zwecke. „Unsere Anlagen und Stationen prägen das Stadtbild in Stuttgart. Leider werden sie jedoch immer wieder verschmiert und verschandelt“, sagt Harald Hauser, technischer Geschäftsführer der Stuttgart Netze. Und Arvid Blume, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stuttgart Netze, ergänzt: „Mit der Bemalung durch professionelle lokale Graffitikünstler wollen wir etwas dagegen tun und Farbe in den städtischen Raum bringen“. Gerhard Knobloch, stellvertretender Geschäftsführer des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft Stuttgart, fügt hinzu: „Auch uns war die Fassade des Gebäudes schon lange ein Dorn im Auge. Dank der tollen Kooperation mit der Stuttgart Netze und Florian Schupp, dem Graffitibeauftragten der Stuttgarter Jugendgesellschaft, ist das Gebäude jetzt ein richtiger Hingucker und ein gutes Beispiel dafür, dass Infrastruktur nicht nur nützlich und wichtig ist, sondern auch gut aussehen kann.“

In Stuttgart gibt es mehr als 1.000 „Stromhäuschen“
In Umspannstationen (auch Netz- oder Trafostation genannt) wird elektrische Energie aus dem Mittelspannungsnetz mit einer elektrischen Spannung von (in Stuttgart) 10.000 Volt auf 400 Volt zur Versorgung der Haushalte transformiert. Eine Umspannstation besteht im Wesentlichen aus dem Gebäude, mindestens einem Transformator, einer Mittelspannungsschaltanlage und mindestens einer Niederspannungsverteilung. Im öffentlichen Stromnetz der Landeshauptstadt gibt es rund 1.000 dieser „Stromhäuschen“, die bei Neubauten heutzutage meist als komplett gelieferte, ebenerdige Fertigbaustationen mit kleinen Grundflächen errichtet werden. In Stuttgart sind viele Bestands-Stationen aufgrund des begrenzten Platzes im urbanen Raum als „Einbaustationen“ in Gebäuden untergebracht. Hinzu kommen etwa 1.300 Stationen im Kundenbesitz, z.B. bei Gewerbe und Industrie.

AWS kümmert sich um 72 öffentliche Toilettenanlagen
Neben der Abfallbeseitigung und -verwertung kümmert sich die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) als Eigenbetrieb der Landeshauptstadt auch um 72 öffentliche Toilettenanlagen. Eine davon befindet sich im Gebäude Helfferichstraße 2 in S-Nord. Diese Anlage soll Ende nächsten Jahres saniert und behindertengerecht umgebaut werden. Eine Übersicht aller öffentlichen Toilettenanlagen in Stuttgart gibt es unter www.stuttgart.de/toiletten.

Veröffentlicht am 16.06.2020