Narrenzunft Feuerbach:

Auf der Suche nach der verlorenen Fasnet

Bock und Wolfskehle. Fotos: z Bild 1 von 1: Bock und Wolfskehle. Fotos: z

Maskenabstauben, Rathaussturm, der Straßendapp und dann der große Katzenjammer beim Geldbeutelwaschen – was waren das für Zeiten, als es noch eine anständige Fasnet in Feuerbach gab!

Zum letzten Mal uneingeschränkt begab sich der Stadtbezirk 2020 in die Hände der Hästräger von der Feuerbacher Narrenzunft e. V. – nur Wochen und Tage bevor Corona einen vorläufigen Schlussstrich unter jegliches närrisches Treiben zog.
Zum Abschluss der Saison 2020, die auch das Jubiläum 22 Jahre Narrenzunft Feuerbach markierte (Narren feiern Schnapszahlen, logisch!), konnte Zunftmeister Moritz Paysan immerhin noch den klassischen Satz sagen: „Hetsch dei Maul mit Wasser g’riebe, wär des Geld im Beutel bliebe.“ Dann gingen die Lichter aus.

Und heute, nach zwei vollen Jahren Pandemie? Wieder Ätschegäbele! Immerhin, so berichtet Paysan, habe man auf Verdacht die Masken abgestaubt. Das habe auch eine praktische Bewandnis: Dabei werde die Häs ausgemottet und geschaut, ob Schellen, Holzmaske und Schweifwedel einsatzbereit sind. Sind sie nun, nur muss auch dieses Jahr wieder coronabedingt vieles unterbleiben, was Spaß macht: Umzüge, große Hallenveranstaltungen, Treffen mit anderen Zünften.

Klein beigeben werden die Hästräger, darunter der „Bock“, also die Häs des Zunftmeisters, die „Wolfskehlen“, die „Schaffle“ und die „Waschweiber“ aber trotzdem nicht. „Zeitnah um die Fasnet herum“ werde es „Kleinstaktionen“ geben: „Dann gehen wir einzeln oder zu zweit, auf jeden Fall aber unter Einhaltung der aktuellen Vorschriften, durch Feuerbach oder ums Horn rum und hend a Gschwätz an die Leut na“, kündigt Paysan an. Es sei nicht auszuschließen, dass der Bock den einen oder andern Sprung tun werde und auch die anderen Maskenträger würden sich unter Umständen„häs-konform“ verhalten.
Schrecken muss das niemanden: Die Narrenzunft sei nahezu komplett durchgeimpft, sagt der Zunftmeister. Die Bürger könnten davon ausgehen, dass jeder der Hästräger auch über einen vollen Impfschutz verfügt. „Und mit so einem Sprungstab lässt sich der Mindestabstand sowieso locker einhalten.“

Die Figuren der Narrenzunft e.V. entstanden seit 1992; initiiert durch Moritz Paysan, seine Frau Jutta Sailer-Paysan und weitere Mitstreiter. Nach und nach kamen die weiteren Figurengruppen hinzu. Die Inspiration lässt sich unschwer erahnen: „Warum soll man nicht nutzen, was man sowieso schon hat?“ sagt Moritz Paysan und verweist auf die Tradition der alemannischen Fasnet. Andererseits waren schon seine Eltern Klaus und Angela Paysan als Sammler afrikanischer Masken und Figuren weithin bekannt und hatten überdies hohe Titel im traditionellen Maskenbünden in Kamerun inne, wo ihnen zu Ehren große Totenfeiern mit Maskenauftritten stattfanden. In einem Detail spiegelt sich der Einfluss des schwarzen Kontinents in den Feuerbacher Häs wider: Die Rasseln, die die Wolfskehlen um die Fesseln tragen, sind aus afrikanischen Lianenfrüchten hergestellt.


Welches sind also die Feuerbacher Häs? Die „Wolfkehlen“ mit ihren Hörnern und Schweifwedeln, Schellen und Rasseln gehören zum Narrentypus „Wilder Mann“ der alemannischen Fasnet. Angeführt werden sie vom Bock, der mit Hilfe seines Sprungstabs allerlei Bocksprünge vollführt. Ruhiger lassen es die Schaffle angehen, die deutlich gutmütiger, aber auch weinseliger daherkommen, so wie die ebenfalls blau-weiß gekleideten Feuerbacher Waschweiber, die ganz ohne Maske unterwegs sind. Die Nachwuchsnarren bis zu einem Alter von 13 Jahren heißen Narrensamen; aus ihren Reihen hat sich übrigens auch die hiesige Guggenmusik formiert, die Gassafeger, die abseits von Corona die Grundfeste des Stadtbezirks musikalisch erschütterten.

Um größere Menschenansammlungen zu vermeiden, darf die Narrenzunft ihre Aktionen nicht vorher ankündigen. Wer aber ab dem Schmutzigen Donnerstag die Augen und Ohren im Stadtbezirk offen hält, hat gute Chancen, den Hästrägern zu begegnen. Und wer sich dieses junge, alte Brauchtum auch für sich selber vorstellen kann, findet auf www.nz-feuerbach.de mehr darüber und kann Kontakt aufnehmen. Dort gibt es auch noch weitere Informationen zu den Häs, zur alemannischen Fasnet, aber auch ein Video von einer afrikanischen Ahnenzeremonie.
Und Moritz Paysan betont, dass man sich stets über neue Mitstreiter freue: Ob nun als Wilder Mann oder Frau, als lauter Gassafeger oder auch ganz freundlich als Schaffle oder Waschweib – die nächste Fasnet kommt bestimmt.

(sm)


Artikel aus FeuerbachGO (Ausgabe 03/22)

Veröffentlicht am 21.02.2022