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Die Feuerbacher Kelter in den 60er Jahren. Foto: BFG
Der Feuerbacher Professor Utz Gernot Baitinger war erst nur Leser, als er jedoch in einer der letzten FeuerbachGO-Ausgaben einen Artikel über die Kindheitserinnerungen von Walter Rieker las, entschloß er sich spontan, selbst zum Redakteur zu werden und seine eigenen Erinnerungen mit der Öffentlichkeit zu teilen.
Baitinger schrieb erst einen Leserbrief - und dann einen eigenen Beitrag, der in der allerletzten FeuerbachGO-Ausgabe (13/2024) veröffentlicht wurde:
"Der Artikel in der FeuerbachGO 12/2024 „Die Kindheitserinnerungen des Walter Rieker“ hat mich geradezu elektrisiert. Berichtet da doch ein Gleichaltriger, der wie ich in Feuerbach aufgewachsen ist, aus einer Zeit, die auch ich erlebt habe. Die Firma „Rohprodukte Rieker“ war in Feuerbach ein Begriff. Ich erinnere mich an ein spannendes Kindheitserlebnis, bei dem Herr Rieker senior eine Rolle spielte. Ich füge mein G'schichtle hier bei; vielleicht gefällt es Ihnen.
Prof. Dr.-Ing. Utz Baitinger"
von Utz Gernot Baitinger
Bei uns gleich um die Ecke wohnten die zwei Brüder Manfred und Wolfgang. Sie waren jeweils etwa so alt wie ich und mein Bruder Hans. Ihre Phantasie, Streiche auszuhecken, war grenzenlos. Das war gleich nach dem Krieg, noch vor der Währungsreform, und wir waren alle vier noch keine zehn Jahre alt.
Damals konnte man sich mit Alteisen leicht ein paar Mark verdienen und wir Kinder hatten gehört, dass in der Alten Kelter einiges davon lagere. Das wollten wir genauer wissen! Wir zwei Größeren, Manfred und ich, zwängten uns durch ein offen stehendes Fenster hinein, während Hänschen und Wölfchen draußen Schmiere stehen und uns bei Gefahr mit Pfiffen warnen sollten.
Was wir nicht bedacht hatten: die zwei Kleinen konnten noch garnicht pfeifen! Als ein paar Leute näher kamen, hörten wir Wölfchen, der uns warnen wollte, mit heller Stimme singen: „Komm in meine Liebeslaube, in mein Paradies.“ Ich musste so lachen, dass ich im Halbdunkel an einen Stapel Alteisen stieß, der klirrend umfiel. Zum Glück schöpften die Passanten keinen Verdacht. Sie erfreuten sich wohl an Wölfchens Gesang und gingen zu unserer Erleichterung vorbei.
Wir fanden einige gusseiserne Schwungräder, die wir zum Fenster hinaus reichten, wo die beiden andern mit einem Handwägele warteten. Unsere Beute karrten wir zum Alteisenhändler Rieker am Mühlwasen, der uns ein paar Mark dafür gab. Die teilten wir ehrlich. Das ist jetzt ein Lebensalter her und die Tat der vier Lausbuben ist längst verjährt.