GESCHICHTEN AUS DER GESCHICHTE FEUERBACHS:

Die Alamannen kommen...

Ein reiches Alamannisches Grab, bei der Ausgrabung des grossen Gräberfelds unter dem heutigen Alten Friedhof in der Mitte Feuerbachs Anfang des 20. Jahrhunderts gefunden Es ist aus der Zeit Pippins, des Vaters Karls des Grossen (8. Jahrhundert n. Chr.). Foto: Archiv Rieker, BFG Bild 1 von 1: Ein reiches Alamannisches Grab, bei der Ausgrabung des grossen Gräberfelds unter dem heutigen Alten Friedhof in der Mitte Feuerbachs Anfang des 20. Jahrhunderts gefunden Es ist aus der Zeit Pippins, des Vaters Karls des Grossen (8. Jahrhundert n. Chr.). Foto: Archiv Rieker, BFG

An dieser Stelle veröffentlicht der Feuerbacher Historiker und Buchautor Jürgen Kaiser im Rahmen des 950-jährigen Jubiläumsjahres kurze "Geschichten aus der Geschichte Feuerbachs". Heute geht es um die Zeit der Völkerwanderung in Feuerbach: Die Alamannen kommen...

Alle sprechen von einer Völkerwanderung – doch das ist ein Mythos. Tatsächlich gab es keine plötzliche Massenbewegung, sondern eine stetige Einwanderung von Alamannen über Jahrhunderte hinweg. Diese Sippen kamen aus der Region zwischen Königsberg und St. Petersburg. Die Ostsee war ihr Meer, weshalb sie im Mittelalter noch „Schwäbisches Meer“ (Mare Suebicum) genannt wurde.

Klimaveränderungen, Bevölkerungswachstum, karge Ernten und Überfälle von Reitervölkern aus dem Osten dürften die Hauptgründe für ihre Wanderungen gewesen sein. Über Berlin (der älteste dort gefundene Friedhof ist ein alamannischer Friedhof in Neu-Cölln – damit haben die Schwaben Berlin gegründet!) und Göttingen zogen sie in den Süden, besiegten die Römer sogar in Cannstatt und siedelten sich überall an.
Zwischen 500 und 600 n. Chr. erreichten die Alamannen Feuerbach. Um ihr jeweiliges Sippenoberhaupt – aus dem sich später der Ortsadel entwickelte – gründeten sie Siedlungen. In Feuerbach waren es drei Sippen, zunächst noch voneinander getrennt. An ihren Wohnorten legten sie Friedhöfe an, den größten der gesamten Region in der oberen Stuttgarter Straße.

Ab dem Jahr 600 verlief durch Feuerbach eine Grenze zwischen den eindringenden Franken und den Alamannen. Die Alamannen hatten auf ihren Feldzügen mit den Goten in Italien erste christliche Einflüsse aufgenommen. Die Franken hingegen waren straffer organisiert und bereits römisch-katholisch. Nachdem sie im „Blutbad von Cannstatt“ den gesamten alamannischen Adel ermordet hatten, übernahmen sie die Herrschaft auch in Alamannien.

Feuerbach wurde nach und nach christlich. Auf dem Friedhof entstand eine Kapelle – bis heute erinnert der Straßenname „Im Kappelfeld“ an dieses frühe christliche Bauwerk.


Weitere Informationen zum Alamannischen Gräberfeld in Feuerbach finden Sie im entspr. Eintrag aus unserem Historienarchiv "Begehbares Feuerbacher Gedächtnis" (BFG)

Hier geht's zur Reihe "GESCHICHTEN AUS DER GESCHICHTE FEUERBACHS" mit weiteren interessanten "Stories zur History" Feuerbachs!

Veröffentlicht am 19.02.2025