Bild 1 von 1:
Bis 1392 der "Eigentümer" von Feuerbach - heute eine Ruine (wenn auch eine wunderschöne) und perfektes Tagesausflugsziel für die Stuttgarter: Das bei Calw im Schwarzwald gelegene Kloster Hirsau mit Jagdschloss und Turm aus der Renaissancezeit sowie den spärlich erhaltenen Grundmauern des Klosters aus dem 15. Jahrhundert in der unteren und linken Bildhälfte. Gegründet wurde es bereits im Jahr 830 n. Chr. Foto: feuerbach.de
In unregelmässigen Abständen veröffentlicht der Feuerbacher Historiker und Buchautor Jürgen Kaiser im Rahmen des 950-jährigen Jubiläumsjahres bei uns kurze "Geschichten aus der Geschichte Feuerbachs". Heute geht es um einen der wichtigsten Tage in der Geschichte des Fleckens.
Der 14. September 1075 war für Feuerbach ein denkwürdiger Tag: Gaugraf Adalbert II von Calw, der Herr über die einstige Grenze zwischen Franken und Schwaben, schenkt dem in seiner direkten Nachbarschaft gelegenen und damals "schwer im Kommen" befindlichen Kloster Hirsau die halbe "Kirche" (damit sind hier die damals schon existierenden Weinberge auf Feuerbacher Gemarkung gemeint) und eine "Hube" (einen Hof mit seinen Grundstücken und Weinbergen) des etwa eine Tagesreise östlich von Calw gelegenen kleinen Dorfes "Biberbach". Ein weiterer Hof mit Grundstücken auf der heutigen Botnanger Gemarkung kommt auch noch hinzu (deshalb hat Botnang das gleiche Geburtsdatum wie Feuerbach).
Neben dem Ortsadel (das Sippenoberhaupt ist in der damaligen Machthierarchie aufgestiegen) regiert nun das Kloster Hirsau in diesem kleinen „Biberbach“ mit, wie unser Feuerbach damals hieß (bis dann ab 1277 „Fiwerbach“ und ab 1673 das heutige „Feuerbach“ draus wurde). Das damalige Dorf gehörte dann bis 1392 zu dem prachtvollen Kloster im Schwarzwald, das seinerseits von klugen Äbten geführt wurde und, verglichen mit anderen Alternativen der damaligen Zeit, wahrscheinlich nicht das "schlechteste Los" für den Stadtteil gewesen sein dürfte. In dieser Zeit hatte das Kloster erheblichen Einfluss auf die Entwicklung des Ortes. 1392 verkaufte Hirsau seine Rechte an Graf Eberhard III. von Württemberg, womit Feuerbach unter württembergische Herrschaft kam.
Der damalige Name "Biberbach" dürfte nichts mit Bibern zu tun haben, vielmehr hat er einen keltischen Ursprung. So hieß vermutlich der Feuerbach, der heute noch durch unseren Stadtbezirk fließt, bei den Kelten „bivar“ – also „schnell fließend“. Das war der Feuerbach auch mal tatsächlich, bis die Stuttgarter ihn bereits in Botnang für ihren eigenen Gebrauch umleiteten, wodurch er erst zu dem beschaulichen Bächlein wurde, den wir heute kennen.
Eine andere Sache gestaltete sich jedoch umso erfolgreicher und gehört bis heute zum Stolz des Stadtbezirks: In Feuerbach gab es schon sehr früh Weinanbau – seit etwa 1000 n.Chr. Mönche brachten den edlen Saft (dessen Qualität und Güte von damals allerdings noch nicht mit der von heute zu vergleichen war) aus Frankreich mit. Dazu auch immer mehr Wissen über den Weinanbau selbst, sodass die Qualität des Weins immer besser wurde und Feuerbach zu einem beliebten Weinanbaugebiet machte.
Von Jürgen Kaiser
(Fortsetzung folgt)