Schutzbauten Stuttgart e.V. zeigt im Feuerbacher Tiefbunker Nachbau eines Panic-Rooms:

Zivilschutz in unruhigen Zeiten - wird der Privatbunker wieder aktuell?

Rolf Zielfleisch vom Verein Schutzbauten Stuttgart e.V. im Nachbau des Panic-Rooms im Feuerbacher Tiefbunker. Fotos: G. Friedel Bild 1 von 3: Rolf Zielfleisch vom Verein Schutzbauten Stuttgart e.V. im Nachbau des Panic-Rooms im Feuerbacher Tiefbunker. Fotos: G. Friedel

Feuerbach. Momentan wächst die Kriegsangst und mit ihr das Bedürfnis nach Zivilschutz. Das gab’s schon einmal. Im Kalten Krieg entwickelte ein findiges Schwäbisches Unternehmen, das damals eigentlich Heizöl-Tanks herstellte, einen Bunker fürs eigene Grundstück. ​Beim Verein Schutzbauten Stuttgart ist im Tiefbunker Feuerbach ein Nachbau des Panic-Rooms zu sehen. Von Georg Friedel.

Bei der sogenannten „Bauschau Bonn“ wurde im Jahr 1969 allerlei Zubehör für den zivilen Bevölkerungsschutz gezeigt. Neben dem obligatorischen Geigerzähler war auch eine Reihe von Schutzräumen für den privaten Gebrauch im Falle einer atomaren Katastrophe zu sehen. Damals war die Zeit des Kalten Krieges: UdSSR und USA lieferten sich ein atomares Wettrüsten. Die Furcht, dass das sogenannte „Gleichgewicht des Schreckens“ aus der Balance geraten könnte, war auch hierzulande spürbar.


Mehr Geld für den Zivilschutz gefordert

Aktuell wackelt die transatlantische Sicherheitsarchitektur ganz gewaltig. Die Beziehungen zwischen den USA und West-Europa haben sich unter Trump zuletzt rapide verschlechtert. Und man muss kein Untergangsapologet sein, um sich angesichts des seit drei Jahren tobenden Angriffskrieg Russlands in der Ukraine auch hierzulande große Sorgen zu machen. Jedenfalls wird wieder verstärkt über das Thema Zivilschutz, Sicherheit und Abschreckung nachgedacht. Ganz aktuell fordert das Deutsche Rote Kreuz deshalb mindestens 20 Milliarden Euro des geplanten Sondervermögens für den Bevölkerungsschutz einzuplanen.

Aus Kriegsangst entstehen neue Geschäftsideen

Und wo Kriegsangst wächst, da blühen auch neue Geschäftsideen. In den 1960er Jahren entwickelten Firmen wie Thyssen oder der frühere Heizöltank-Hersteller Stefan Nau aus Dettenhausen bei Tübingen kleinere Schutzräume in verschiedenen Größen und Formen – quasi für den Gebrauch im eigenen Garten. „Der Röhrenbunker von Nau war damals der Mercedes unter den Privatbunkern“, zieht Rolf Zielfleisch vom Verein Schutzbauten Stuttgart den Vergleich zur schwäbischen Nobel-Automarke. Der rund 12 Meter lange und circa 2,5 Meter breite Schutzraum kann im Tiefbunker Feuerbach besichtigt werden. Dort steht ein Modell im Originalmaßstab aus Holz: „Der Original-Bunker der Firma Nau hatte eine Hülle aus Stahl. Über einen Generator konnte der Strom auf 12 Volt runtertransformiert werden“, berichtet der Experte für Schutzbauten in Feuerbach.

Mit Lüftungsanlage, Periskop, Stromaggregat und Notausstieg

Neben Liegebetten, einer Kochnische, Eckbank, Schaltkasten, sowie Trinkwasser-Tanks, Geigerzähler und einer Lüftungsanlage gehörte zu der Grundausstattung auch ein Periskop. Mit Hilfe dieses Beobachtungsfernrohres konnte die Bunker-Besatzung aus dem Untergrund das aktuelle Geschehen über Tage im Rundblick verfolgen – praktisch wie in einem U-Boot. Der Eingang in den Röhrenbunker erfolgte über eine Schleusentür und war über einen Gang mit dem Hauskeller verbunden. Gleichzeitig gab es über ein Rohr und eine Leiter einen Notausstieg an die Erdoberfläche ins freie Gelände.
„Tankbau-Produzent Stefan Nau ließ sich nach der Abnahme des Bunkers vom damaligen Bundeszivilschutzamt in Bonn ein Modell auf seinem Grundstück als Anschauungsobjekt im Erdreich eingraben“, berichtet Zielfleisch. Dort konnten ihn Interessenten von seinem Keller aus begehen und besichtigen.

Schutzraum gegen Terrorangriffe

Als auf den Todes- und Entführungslisten der „Rote Armee Fraktion“ (RAF) mehr und mehr Großindustrielle, Politiker, Bankiers oder auch andere Gefährdete auftauchten, entschieden sich manche der Betroffenen, sich selbst einen Bunker anzuschaffen und diesen im eigenen Grundstück verbuddeln zu lassen: „Das Nau-Modell wurde in den 1970er und 80er Jahren auch als Panic-Room verkauft für reiche Unternehmer und andere Persönlichkeiten, die Angst hatten in die Hände der Terroristen zu fallen“, berichtet Zielfleisch.

Auch die ZEIT berichtete damals

Bei der „Bauschau“ in Bonn anno 1969 wurde auch der Schutzraum von Stefan Nau präsentiert. In einem damaligen Artikel der ZEIT heißt es: „Der einzige Stahlbunker, der schon im Werk zusammengeschweißt wird, kommt von der Firma Stefan Nau aus Dettenhausen bei Tübingen. Die Nau-Röhre sieht aus wie ein riesiger Heizöltank und wurde auch tatsächlich aus solchen Tanks entwickelt.“ Er sei „bis zu 9 atü druckresistent lieferbar“, schreibt die Autorin weiter. Und die schwäbische Qualitätsarbeit hatte ihren Preis: „Der Nau-Bunker ist der komfortabelste – und teuerste aller ausgestellten Bunker“, konstatiert die Schreiberin, ohne die genauen Kosten zu nennen.

Ein Stuttgarter Architekt schuf Bunker in Kugelform

Als Alternative gab es auch noch einen einfacheren Kugelbunker - ebenfalls aus schwäbischer Konstruktion und erheblich günstiger: „Der Stuttgarter Architekt Sylvester Laible hat ihn entworfen. Er machte bereits 1944 erste Versuche. In den 1950er Jahren entwickelte Laible sein Modell weiter“, weiß Zielfleisch. Fotos von der stählernen Kugel sind auch im Feuerbacher Bunker-Museum des Vereins Schutzbauten in Feuerbach zu sehen. Sylvester Laibles Grab befindet sich übrigens auf dem Hauptfriedhof in Steinhaldenfeld: „Und sein Grab ziert eine Kugel“, erwähnt Zielfleisch am Rande.

Das Interesse an Schutzräumen steigt wieder

Erlebt der Panic-Room heute eine Renaissance? Auch wenn Zielfleisch den Sinn und Zweck bezweifelt, muss er dennoch konstatieren, dass sich in letzter Zeit immer mal wieder Interessierte beim Verein Schutzbauten erkundigen, ob sie im Krisenfall, so Zielfleisch, „in unserem Tiefbunker in Feuerbach Plätze belegen oder reservieren können“. Eine Frau aus Nordrhein-Westfalen sei gar in Tränen ausgebrochen, als er ihr absagen musste. „Auch aus dem Wohngebiet Fasanenhof meldete sich zuletzt eine Frau und wollte wissen, wo denn in ihrer direkten Nähe der nächste Bunker ist“, berichtet das langjährige Schutzbauten-Vorstandsmitglied. Zielfleisch teilte ihr mit, dass in der Siedlung aus den 1960er Jahren keine Bunker vorhanden seien.

Die Bombenentschärfung „ausgehockt“

Übrigens gibt es auch in Feuerbach mindestens einen Privatbunker. Als 2010 eine amerikanische 500-Kilo-Bombe und ein 250-Kilo-Sprengsatz der Royal Air Force aus dem Zweiten Weltkrieg in der Nähe des Wohngebiets Hattenbühl und der dortigen Grundschule im Wald entdeckt und entschärft wurde, musste das Wohngebiet komplett evakuiert werden. Damals habe sich aber ein Hausbesitzer geweigert, der Aufforderung nachzukommen, weiß Zielfleisch. Er und seine Frau entschieden sich die Angelegenheit aussitzen – und zwar im hauseigenen Atombunker aus den 1970er Jahren.

Veröffentlicht am 13.05.2025