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Ein uraltes Fotodukument von 1888 aus dem Archiv Walter Rieker, das noch die mittelalterliche Feuerbacher Mühle von 1300 zeigt - die wohl erste "Industrieanlage" Feuerbachs. Es zeigt den Fachwerkbau in der Bildmitte, da wo heute der Mühlwasen ist. Rechts kann man die markante Kurve der heutigen Dieterlestrasse erkennen. Foto: Archiv Rieker
In unregelmässiger Abfolge veröffentlicht der Feuerbacher Historiker und Buchautor Jürgen Kaiser im Rahmen des 950-jährigen Jubiläumsjahres bei uns kurze "Geschichten aus der Geschichte Feuerbachs". Heute geht es in Teil 8 um das Leben im Mittelalter in Feuerbach, den Weinbau und die wechselnden Herrschaftsverhältnisse.
Zu Feuerbach gehörte früher seit der urkundlichen Erwähnung auch das heutige Botnang. Zu Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen mussten die Botnanger bis 1483 deswegen jahrhundertelang nach Feuerbach laufen – im Winter bei Eis und Schnee. Erst 1630 wurden sie auch als Gemeinde selbständig.
Durch den Klosterbesitz in Feuerbach führten die Mönche um das Jahr 1000 den Weinbau ein. Durch Kontakt mit den Zisterziensern hatten sie auch Anteil am burgundischen Wissen über Fortschritte im Weinbau. Kein Wunder, dass später die Universität Tübingen immer scharf auf den Feuerbacher Wein war. Die Weinbauern hatten ihre Weingärten als Leibeigene nur gepachtet und waren gezwungen, in Feuerbach zu keltern. Durch diesen "Kelterbann" konnten die Herren bereits an der Kelter die Steuern in Form von Naturalabgaben einziehen (der "Große" und der "Kleine Zehnt" genannt). Die Mühle wurde um 1300 urkundlich erwähnt und war im Besitz der Frauenberger. So kamen die Burgherren zusätzlich an Getreide als Steuereinnahmen heran. Frondienste mussten die Feuerbacher zusätzlich der württembergischen Herrschaft leisten, Dem Haus Württemberg gehörte nämlich der Wald. Also mussten sie bei Treibjagden und bei der Holzwirtschaft mithelfen. Nur im Feuerbach durften sie selbst fischen – das war schon ein Privileg. Einen Feldhasen zu fangen, war jedoch bereits Wilderei und wurde schon schwer bestraft.
Das Chorherrenstift in Sindelfingen (Martinskirche) hatte von den anderen Klöstern 120 ha Weinberge übernommen. Graf Eberhard im Barte – „Württembergs geliebter Herr“ (so die schwäbische Nationalhymne) – beschloss, 1477 die Uni Tübingen zu gründen und die akademischen Wohngemeinschaft in Sindelfingen aufzulösen und die Chorherren als erste Professoren an die Uni zu versetzen. Schwäbisch schlau verfügte er , dass sie ihre Pfründe in Feuerbach mitnehmen durften und damit waren die Professorengehälter auch gleich geregelt: Wein aus Feuerbach. Wer je Tübinger Wein probiert hat, wird verstehen, warum die nagelneuen Tübinger Professoren nicht unglücklich über diese Entscheidung waren. Die Tübinger Universität bezog ihre Vogtei neben dem Pfarrhaus (heute die Föhrichschule) und herrschte nun über Feuerbach mit.
Bis 1919 bestimmte die Uni auch, wer in Feuerbach Pfarrer wurde. Damit wurde es spannend zwischen den Herren der Universität und den Dorfbewohnern. Die Pfarrer bekamen das zu spüren. In der Landeskirche galt der Spruch: „ Wer es in Feuerbach ein Jahr lang aushält, ist für jedes Amt in der Landeskirche geeignet.“
Von Jürgen Kaiser
(Fortsetzung folgt)
Abb. unten: Diagramm des Mittelalterlichen Besitzes in Feuerbach (und von Feuerbach).
Erstellt von Joachim Arendt 2013. (Wir bitten, die eingeschränkte Lesbarkeit zu entschuldigen, das Dokument liegt nur noch in dieser Auflösung vor)
