Geschichten aus der Geschichte - Teil 10:

Feuerbach wird evangelisch – und 150 Jahre vor dem Rest Deutschlands Teil eines frühen "Bildungs-Musterländles"

Die ‚Kiesersche Forstkarte‘ von 1680 stellt die älteste Stadtansicht Feuerbachs dar und zeigt den Ort mit der Stadtkirche im Zentrum, die damals das bis heute noch typische Aussehen der Kirchen Süddeutschlands mit einem Walmdach hatte. Sie zeigt den Flecken auch nur wenige Jahrzehnte nach dem 30-jährigen Krieg, der ihn fast vollständig entvölkert hat. Dennoch wurde in Feuerbach schon 1649, ein Jahr nach Ende dieser Kriegskatastrophe, bereits die schon fast 100 Jahre zuvor eingeführte allgemeine Schulpflicht bei Strafe durchgesetzt - etwa 150 Jahre vor Preussen und Norddeutschland. Somit hatte der Flecken - und das ‚frühe Ländle‘ - damals schon einen echten ‚Standortvorteil‘. Bild 1 von 1: Die ‚Kiesersche Forstkarte‘ von 1680 stellt die älteste Stadtansicht Feuerbachs dar und zeigt den Ort mit der Stadtkirche im Zentrum, die damals das bis heute noch typische Aussehen der Kirchen Süddeutschlands mit einem Walmdach hatte. Sie zeigt den Flecken auch nur wenige Jahrzehnte nach dem 30-jährigen Krieg, der ihn fast vollständig entvölkert hat. Dennoch wurde in Feuerbach schon 1649, ein Jahr nach Ende dieser Kriegskatastrophe, bereits die schon fast 100 Jahre zuvor eingeführte allgemeine Schulpflicht bei Strafe durchgesetzt - etwa 150 Jahre vor Preussen und Norddeutschland. Somit hatte der Flecken - und das ‚frühe Ländle‘ - damals schon einen echten ‚Standortvorteil‘.

In unregelmässiger Abfolge veröffentlicht der Feuerbacher Historiker und Buchautor Jürgen Kaiser im Rahmen des 950-jährigen Jubiläumsjahres bei uns kurze, gleichermaßen informative wie unterhaltsame "Geschichten aus der Geschichte Feuerbachs".

Heute geht es in Teil 10 um die Zeit der Reformation und darum, wie Feuerbach evangelisch wurde und wie die Schulpflicht das Leben und Werden des Fleckens veränderten:


1534 kehrte Herzog Ulrich nach der Schlacht bei Lauffen nach Stuttgart zurück und führte durch seinen herzoglichen Befehl die Reformation in Württemberg ein. Nun mussten sich alle Priester entscheiden: Entweder evangelisch werden und auf Deutsch predigen oder das Land verlassen. Die Hälfte von ihnen wurde evangelisch. So auch in Feuerbach. Der Herzog enteignete den gesamten Besitz der römisch-katholischen Kirche und erklärte ihn zum herzoglichen Eigentum.

1559 machte sein Sohn und Nachfolger Christoph eine Schul- und Armenstiftung draus – aus dem herzoglichen Besitz wurde nun eine staatliche Stiftung. Nun wurde auch eine allgemeine Schulpflicht eingeführt, auch für Mädchen - auch wenn diese erst 1649 gegen den Widerstand der Väter mit hohen Strafen durchgesetzt werden konnte. Damit hatte Württemberg vor Preußen und Norddeutschland einen etwa 150-jährigen Bildungsvorsprung und somit auch einen echten "Standortvorteil".

Der erste 1556 namentlich genannte evangelische Pfarrer in Feuerbach hieß Johannes Schneider. Da er akademisch gebildet und Humanist war, nannte er sich "Sartor" (lat. für "Schneider"). Von ihm hat die Sartoriusstraße ihren Namen her. Sein Sohn Johann Heinrich Sartor wurde 1581 der erste Lehrer in Feuerbach. Unterrichtet wurde, anfangs nur im Winter, in der Stadtkirche. Bibel und Gesangbuch waren die Schulbücher. Erst 1649 kamen dann die Mädchen dazu. Aber auch nur im Winter – im Sommer wurden sie in Haus und Hof gebraucht. Aber immerhin: Auch sie konnten am Bildungsvorsprung teilhaben - vor allen anderen Deutschen Landen.


Von Jürgen Kaiser


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Veröffentlicht am 26.07.2025