Bild 1 von 3:
Der neue Feuerbacher Bezirksvorsteher Nick Gumenick in seinem neuen Arbeitsplatz, dem Feuerbacher Bezirksrathaus. Fotos: feuerbach.de
Seit dem 8. September 2025 heißt der neue Bezirksvorsteher in Feuerbach offiziell Nick Gumenick. Wir haben uns mit ihm zu einem ausführlichen Interview getroffen.
Mit gerade einmal 26 Jahren tritt Nick Gumenick die Nachfolge von Johannes Heberle an – und ist damit der bislang jüngste Bezirksvorsteher in der Geschichte Feuerbachs. Gewählt wurde er bereits im Mai vom Stuttgarter Gemeinderat mit breiter Mehrheit, nun hat er sein Amt angetreten.
Was bewegt den neuen Bezirksvorsteher persönlich? Welche Themen möchte er als Erstes anpacken? Wie blickt er auf die Herausforderungen im Stadtbezirk – und wie will er Bürgernähe leben? Darüber haben wir mit Nick Gumenick in einem ausführlichen Gespräch gesprochen, das wir Ihnen hier in 2 Teilen vorstellen möchten:
Gute Frage. Da muss ich mal kurz nachdenken. Wie schon erwähnt, will ich gemeinsam mit dem Bezirksbeirat, der Bürgerschaft und den Vereinen Feuerbach voranbringen, bei Projekten, die anstehen oder die bereits beschlossen wurden. Es gibt ja verschiedene Potenziale. Sagen wir es mal so - in Feuerbach gibt es einige Flächen, die weiterentwickelt werden können und diese möchte ich im Austausch mit allen Beteiligten gerne weiterentwickeln. Ich finde es zudem wichtig, auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren und es ist mir wichtig im Umgang mit den Menschen, sei es im Bezirksbeirat, mit der Bürgerschaft, mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, einfach immer im Austausch zu sein, offen miteinander zu sprechen. Ich finde das wichtig und auch bereichernd, weil man so unterschiedliche Sichtweisen kennenlernt und auch einfach die verschiedenen Aspekte über bestimmte Themen erfährt. Da bin ich immer offen dafür und sehr interessiert daran, einfach in den nächsten Monaten Feuerbach wirklich kennenzulernen und mich hier einzuleben.
Es gibt da etwa einige interessante Projekte, die derzeit am Laufen sind, zum Beispiel der neue Schulcampus, wo sich viel verändern wird und einfach etwas Neues entsteht. Sicherlich auch die Stuttgarter Straße, und hier ganz speziell der Grazer Platz, ein Projekt, das ja auch schon beschlossen wurde und umgesetzt werden soll, voraussichtlich 2027. Das birgt auch viel Potenzial für Veränderung und wird ganz grundsätzlich einen großen Einfluss auf die Stuttgarter Straße haben. Wo und wie gibt es Möglichkeiten für Weiterentwicklung, wo gibt es Liegenschaften, die angegangen werden müssen, die mit den Eigentümerinnen und Eigentümern reaktiviert werden können und die Stuttgarter Straße attraktiv halten können - das ist wichtig für Feuerbach auch die Gewerbetreibenden entlang der Straße.
Weitere Potenziale oder Themen sind sicherlich das Quartier am Wiener Platz, das schon sehr weit fortgeschritten ist mit den fertiggestellten Gebäuden und jenen, die noch gebaut werden, wo die Betonkonstrukte Tag für Tag wachsen. Es wird spannend sein zu sehen, wenn das Quartier fertiggestellt sein wird, wie es sich dann weiter entwickelt. Das Fahrion-Areal und das Leitz-Areal sind weitere große Themen, wo man schauen muss, wie sich das entwickelt, auch der Sportplatz im Feuerbacher Tal ist auch so ein Thema, wo man schauen muss, was geht, was kann man in Bewegung bringen. Da denke ich, gibt es schon einige Projekte, mit denen man sich beschäftigen sollte. Auch konkret etwa das Förderprogramm Stadtteilzentrum, das ja auch wiederum für die Stuttgarter Straße relevant ist, wo man einzelne Projekte angehen und die Attraktivität für die Gewerbetreibenden und die Läden nochmal attraktiver gestalten kann, um sie am Standort zu halten oder gar neue hinzu zu bekommen. Ich denke, das sind schon große Themen.
Ich sehe sowohl das Vereins- als auch das Wirtschaftsleben als elementare Bestandteile von Feuerbach, und natürlich ebenso die großen Unternehmen in den Gewerbegebieten. Da ist es wichtig ,Hand in Hand mit der Wirtschaftsförderung zusammen zu arbeiten, die Einfluss, Ressourcen und Wissen hat, auf das man zurückgreifen sollte, auch mit dem GHV als wichtigen Ansprechpartner. Die Vereine sind extrem wichtig, da alle Feste und Aktivitäten erst mit ihnen und durch sie denkbar und möglich werden, natürlich zusammen mit den vielen Ehrenamtlichen, die in Ihrer Freizeit bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Ich kenne das persönlich, weil ich über 5 Jahre lang ehrenamtlich im Turnverein als Übungsleiter beim Geräteturnen tätig war sowie 3 Jahre als Abteilungsleiter und bei Festen beim Aufbau, in der Küche und den Ständen mitgeholfen habe.... daher sind mir die Herausforderungen der Vereine wohlbekannt. ... das ist alles nicht ganz einfach. Es ist auch generell nicht so einfach, Ehrenamtliche zu rekrutieren. Die Leute machen das, weil es für sie eine Herzenssache ist, weil sie sich engagieren wollen für den Ort oder den Bezirk. Da bedarf es auch Menschen, die auf die Personen aktiv zugehen. Wichtig ist es auch, Synergien zu nutzen, also sich etwa Vereine gegenseitig unterstützen, wenn zum Beispiel ein größeres Fest ansteht. Ein Instrument, um solche Aktivitäten zu fördern, ist z.B. das Bezirksbudget, wo Projekte, Veranstaltungen und Feste finanziell unterstützt werden können.
Ich denke, der eine Bestandteil sind sicherlich die Bezirksbeiratssitzungen, wo die Bürgerinnen und Bürger direkt hinkommen und auch Fragen stellen können. Zwar hauptsächlich an den Bezirksbeirat, aber das richtet sich dann ja auch indirekt an die Bezirksverwaltung. Sicherlich gibt es auch die Möglichkeit, bei den Veranstaltungen und Festen in einen Austausch zu kommen und miteinander zu sprechen. Man kann mich zudem ganz einfach auch anrufen, eine Email schreiben, man kann auch gerne (nach Terminvereinbarung) direkt zu mir ins Büro kommen und Themen ansprechen, die einem am Herzen liegen. Ich habe auch schon, bevor ich die Stelle angefangen habe, Mails von Bürgerinnen und Bürgern bekommen mit den unterschiedlichsten Anliegen, wo ich dann auch schon drauf eingegangen bin und Informationen, Vorschläge, Ideen aufnehme und dann schaue, was man daraus machen kann. Wichtig bleibt immer der Austausch mit Fachämtern, um zu prüfen, was davon machbar ist und wo ich als Bezirksvorsteher vielleicht auch bestimmte Hebel in Bewegung setzen kann oder wo wir schauen müssen, wie es weitergeht. Es dauert vielleicht auch manchmal etwas, bis man eine Info erhält.
Ich bin grundsätzlich für den aktiven Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern auf so vielen Kanälen wie möglich. Social Media betreibe ich ebenfalls, habe einen Instagram Account erstellt, wo ich ein bisschen zeige, was ich in meinem Alltag mache.
Ich denke, was ich erreichen möchte, ist einfach erstmal grundsätzlich, Feuerbach gut kennenzulernen, zu wissen wie es tickt, was den Bürgerinnen und Bürgern wichtig ist, welche Projekte für sie Priorität haben, und Projekte die bereits am laufen sind erfolgreichen und zufriedenstellen fertig zu stellen, sowie die Potenziale, die es gibt, voran bringen zu lassen, damit auch sichtbare Veränderungen passieren und Feuerbach weiterhin attraktiv bleibt. Und da, wo es Herausforderungen und Schwächen gibt, diese anzugehen, zu beseitigen oder zu minimieren. Ich möchte mich Schritt für Schritt in die Themen einarbeiten und mit den entsprechenden Fachämtern im Austausch sein, um dann zu schauen, wie man pragmatisch die Dinge angehen kann um zum Ziel zu finden. Manchmal braucht man Geduld, und da denke und hoffe ich, dass ich das kann. Ein wichtiger Bestandteil ist auch, das an die und mit dem Bürgerinnen und Bürgern zu kommunizieren, damit diese überhaupt wissen, wie steht's um dieses Thema hier oder wo hakt's und wieso verzögert sich etwas dort. Es ist wichtig, das klar zu kommunizieren weil sonst einfach die Infos fehlen.
Noch habe ich keinen vollumgänglichen Rundgang durch den Stadtbezirk machen können (Anm. der Redaktion: Interview fand Anfang September 2025 statt). Es gibt aber einige Punkte, die ich schon besucht habe, wie die Feuerbacher Kelter, wo man ja auch sehen konnte wie sich Feuerbach entwickelt hat, die Stuttgarter Straße mit dem zukünftigen Grazer Platz – oder auch spannende Orte wie der Feuerbacher Bunker, wo es sich lohnt, einen Blick reinzuwerfen. Lieblingsort? Natürlich der Wilhelm-Geiger-Platz, wo ich jeden morgen hinkommen darf und mich das schöne Bezirksrathaus anlächelt! Und wo man schon auf den Schautafeln in der U-Bahn-Station sehr gut sehen kann, wie sich Feuerbach über die vielen Jahrhunderte entwickelt hat.
Ich wünsche mir mit allen Beteiligen eine bestmögliche Zusammenarbeit, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen, offen miteinander umgehen und einfach die Projekte und Themen angehen, die anstehen und schauen, wo gibt es Potenziale und wie kann man diese voranbringen.
Für den Stadtbezirk wünsche ich mir, diesen weiterhin attraktiv zu halten und – wo möglich – gar noch attraktiver zu machen. Projekte, die für den Stadtbezirk wichtig sind, sollten vorangebracht und neue angestoßen werden, damit Feuerbach weiterhin einer der attraktivsten und erfolgreichsten Stuttgarter Stadtbezirke bleiben kann. Das betrifft alle Bereiche – von der Kultur bis zur Infrastruktur.
Geboren am 15. Februar 1999, studierte Nick Gumenick Public Management an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl und leitete zuletzt das Hauptamt der Gemeinde Steinmauern im Landkreis Rastatt. Parallel zu seiner neuen Aufgabe in Feuerbach absolviert er seit 2024 ein berufsbegleitendes Masterstudium – ein klares Zeichen für seine Motivation, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.Im Vorfeld der Wahl hatte sich Gumenick als einziger verbliebener Kandidat dem Gemeinderat gestellt. Seine Bewerbung kam nicht von ungefähr: „Die Aufgabe als Bezirksvorsteher ist für mich eine große Verantwortung, auf die ich mich sehr freue“, sagte er nach seiner Wahl. Er wolle Feuerbach „engagiert und mit Blick auf die Zukunft weiterentwickeln“ – gemeinsam mit dem Bezirksbeirat, der Bürgerschaft und den Vereinen.