Geschichten aus der Geschichte – Teil 14: Als 'Frondienst-Sklaven' das Schloss Solitude mit aufbauen mussten

Das Schwäbische "Mini-Versailles" entstand auf dem Rücken von Feuerbacher Leibeigenen

Das Schloss Solitude aus der Vogelperspektive - zusammen mit dem Hohenheimer Schloss und dem Neuen Schloss in Stuttgart eindrucksvolles Zeugnis des absolutistischen Machtverständnisses Carl Eugens, eines glühenden Verehrers und Nachahmers des Französischen Sonnenkönigs in Versailles. Foto: (c) pjt56, Wikimedia Commons · Lizenz: Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 (CC BY-SA 3.0) Bild 1 von 1: Das Schloss Solitude aus der Vogelperspektive - zusammen mit dem Hohenheimer Schloss und dem Neuen Schloss in Stuttgart eindrucksvolles Zeugnis des absolutistischen Machtverständnisses Carl Eugens, eines glühenden Verehrers und Nachahmers des Französischen Sonnenkönigs in Versailles. Foto: (c) pjt56, Wikimedia Commons · Lizenz: Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 (CC BY-SA 3.0)

Nach der Zeit des Pfälzischen Erbfolgekriegs (wir berichteten im letzten Teil 13) kehrte in Deutschland und Feuerbach keineswegs Ruhe ein - im Gegenteil: Viele Machthaber in den vom Französischen Sonnenkönig kürzlich geplünderten deutschen Gebieten eiferten diesem unverhohlen nach - auch der Württembergische Herzog.

In Teil 14 aus unserer Reihe "Geschichten aus der Geschichte Feuerbachs" wirft der Feuerbacher Historiker und Buchautor Jürgen Kaiser im Rahmen des 950-jährigen Jubiläumsjahres ein Licht auf diese und viele andere schicksalshafte Ereignisse aus der Geschichte Feuerbachs:



Frondienste unter Carl Eugen

Nach dem Krieg ist vor dem Krieg. 1707 waren französische Truppen schon wieder in Feuerbach und das Spiel mit dem Wein wie einige Jahre zuvor (siehe Teil 13) begann erneut. Feuerbach hatte nichts anderes: was nicht ausgetrunken wurde, kippte man weiterhin fassweise in die Keller.
Seine Steuern in Naturalabgaben (in Feuerbach eben Weintrauben) musste man aber trotzdem bezahlen. Weil die Feuerbacher leibeigen waren, besaßen sie jedoch ihre Weinberge nicht, sie waren von den Grundherren nur „geliehen“. Wer seine Steuern nicht bezahlen konnte, wurde schlicht enteignet.
War man Leibeigener, musste man zusätzlich Frondienste bei der Herrschaft leisten – wann immer diese es wollten. Für die Feuerbacher hieß das, das Schloss Solitude mit aufzubauen - und es zu unterhalten. Sowie jederzeit bei den dortigen Jagden mit Hunden (die mussten auf Befehl im Dorf Feuerbach gehalten und natürlich auch verpflegt werden) für die zahlreichen Jagden bereitstehen. Heute hat ein Jahr rund 250 Arbeitstage. Die Feuerbacher mussten unter Herzog Carl Eugen 120 bis 130 Tage Frondienst leisten – neben ihrer sowieso schon sehr schweren eigenen Feldarbeit.
1770 war das Maß voll und die Feuerbacher beschwerten sich beim Herzog schriftlich: „Wir müssen im Jahr 120 bis 130 Tag Frondienste prästieren, wodurch wir unsere eigenen Feldgüter öfters vernachlässigen, ja öd und wüst lassen, ja Taglöhner ums Geld anstellen müssen, zumal im Heuet und zu Ernt-und Herbstzeiten.“
Ob es am Ende etwas genützt hat, ist leider nicht überliefert...


Von Jürgen Kaiser
(Fortsetzung folgt)



Hinweis: wer mehr wissen will, dem sei das Buch „Feuerbach“ von Jörg Kurz empfohlen. Erschienen im Hampp-Verlag und unter der ISBN erhältlich: ISBN 978-3-942561-06-8

Hier geht's zur Reihe GESCHICHTEN AUS DER GESCHICHTE FEUERBACHS mit weiteren interessanten "Stories zur History" Feuerbachs!


Veröffentlicht am 21.11.2025